Wie entstand ›Nachbarn‹? Teil 3: die Umschlagabteilung

Teil 3 unserer Serie zur Entstehung des Romans von Madeleine Prahs

Umschlag Nachbarn

Wie entsteht ein Buch bei dtv? Anlässlich der Neuerscheinung von Madeleine Prahs ›Nachbarn‹ blicken wir hinter die Kulissen – vom Schreibtisch der Autorin, über das Lektorat und die Herstellung, bis zum fertigen Buch im Laden.

Katharina Netolitzky ist Umschlaggestalterin beim dtv. Die Aufgaben der Umschlagabteilung sind relativ vielfältig. Grundsätzlich sind die Gestalter dafür zuständig, dass am Ende jedes Buch, das im Verlag erscheint, ein schönes Cover hat. Die Wege dahin sind jedoch oft sehr unterschiedlich.

Erster Entwurf
Der erste Cover-Entwurf

Was macht die Umschlaggestaltung?

Im Gegensatz zu vielen anderen Verlagen, die keine eigene Umschlagabteilung haben, gibt es hier zwei richtige Grafiker in der Abteilung, die selbst an eigenen Entwürfen für die Umschläge arbeiten. Einmal eine feste Vollzeitkraft (mich) und dazu noch einen Volontär oder eine Volontärin, der oder die frisch aus dem Grafik Design Studium kommt und das Team für 6 oder 12 Monate unterstützt.

Da das gesamte Verlagsprogramm viel zu umfangreich ist, um von uns alleine gestemmt zu werden, geben wir auch sehr viele Cover an externe Gestalter, Illustratoren und Gestaltungsbüros heraus, die dann wiederum Entwürfe schicken. Diese Externen werden hauptsächlich von unserem Creative Director betreut. Alle Entwürfe, die so im Laufe der Zeit zusammenkommen, werden von ihm beurteilt und die Geeignetsten werden im Haus kommuniziert.

Vervollständigt wird unser Team noch durch eine Produktionerin, die dafür zuständig ist, dass aus dem finalen Coverentwurf, der oft nur aus niedrig aufgelösten Layoutbildern besteht, ein technisch einwandfreies Cover entsteht. Dazu gibt es noch eine Kollegin, die (neben einigen anderen Aufgaben) dafür zuständig ist, dass wir die Bildrechte für die Bilder, die wir oft auf den Seiten von Bildagenturen finden, einkaufen können und die Impressumsangaben vollständig sind.

Zweiter Entwurf
Im zweiten Entwurf wurde der Autorenname an die Schriftart des Titels angepasst

Wie lang vor Erscheinen des Buches fangen Sie an, sich Gedanken über das Cover zu machen?

Je nachdem, wann das Buch erscheint, fangen wir ein halbes bis zu einem ganzen Jahr im Voraus an, an dem Cover zu arbeiten. Wir arbeiten im Verlag immer im Halbjahrestakt. Es gibt ein Sommer- und ein Winterprogramm. Zu Beginn eines Halbjahres werden uns alle geplanten Bücher von den zuständigen Lektoren vorgestellt. Meistens bekommen wir auch ein Coverbriefing dazu, in dem die Lektoren schon einmal formulieren, wie sie sich das Cover ungefähr vorstellen, welche Zielgruppe es ansprechen soll, was es ausdrücken soll und auch, was sie sich gar nicht vorstellen können.

Bei besonders wichtigen Titeln fangen wir dann sofort an, nach einem Cover zu suchen, da sich in der Vergangenheit herausgestellt hat, dass es für diese Titel besonders knifflig ist, ein Cover zu finden, das Lektoren, Autoren, Marketing und Verkauf zufrieden stellen kann.

Woher kamen Ihre Ideen für das Cover von ›Nachbarn‹?

Für ›Nachbarn‹ kamen die meisten Ideen vom zuständigen Lektor, aber auch die Autorin selbst hat fleißig Anregungen geschickt. Zusätzlich hatten wir auch zwei externe Gestalter beauftragt, nach Motiven für das Cover zu suchen.

Wie verläuft der Prozess bis zum fertigen Cover?

Es stellte sich als sehr schwere Geburt heraus, für ›Nachbarn‹ ein Cover zu finden. Das Buch erzählt ja von sechs sehr verschiedenen Menschen. Von Männer und Frauen aus unterschiedlichen Generationen, vom Leben in Ost- und Westdeutschland, früher und heute. Dies alles wird von einer jungen, neuen Autorin erzählt. Nicht leicht, dafür die richtige Verpackung zu finden.

Zu Beginn gab es sehr viele Entwürfe mit Menschen darauf, meist von weiter weg, unscharf oder stark angeschnitten. Diese wirkte jedoch zu kühl und distanziert. Dem Verkauf war es wichtig, dass mit dem Cover starke, wenn auch nicht kitschige, Emotionen transportiert werden. Da wir aber nicht näher an die Menschen herangehen wollten, da wir dann ja die Protagonisten genau darstellen müssten, begannen wir in eine abstraktere Richtung zu denken. Wir haben viel im Bereich zeitgenössischer Malerei recherchiert, denn wir wollten einen jungen und frischen Look für das Cover.

Finales Cover
Das finale Cover: die Schrift jetzt vollständig serifenlos

Was sprach schlussendlich für das finale Cover?

Der Entwurf, für den sich dann alle am Ende begeistern konnten, und der nun das Cover von ›Nachbarn‹ ziert, kam als einer unter vielen von einer unserer externen Gestalterinnen. Beim ersten Sichten der Entwürfe kam er uns zu still vor, daher sortierten wir ihn aus. Zu diesem Zeitpunkt war ›Nachbarn‹ auch noch als Klappenbroschur geplant und nicht als Hardcover. Als unser Creative Director jedoch einige Zeit später noch einmal alle bisher entstandenen Entwürfe sichtete, fiel ihm der Entwurf positiv auf.

Auch wenn er an sich auf den ersten Blick kein erkennbares Motiv hat, so strahlt er doch eine gewisse Stärke und Vitalität aus. Er stellte den Entwurf mit einigen anderen auf ein Tableau und präsentierte die Favoriten den Lektoren. Auch alle anderen, die so ein Buchcover mit zu entscheiden haben, waren begeistert und als sich dann auch noch die Autorin positiv zurückmeldete hatten wir endlich unser Cover gefunden. Manchmal ist weniger doch mehr.

Auflagendruck
Auf dem Auflagendruck können letzte Fehler gesucht werden

Was begeistert an der Arbeit als Umschlaggestalterin?

Am besten gefällt es mir, wenn ich am Ende ein Buch mit einem meiner eigenen Entwürfe darauf in Händen halten kann. Wir beginnen oft so früh mit der Entwurfsphase und viele Prozesse kosten so viel Energie, dass man leicht das Gefühl für die eigene kreative Leistung verliert. Dieses »hab ich gemacht«-Gefühl ist ist die größte Belohnung.

Genauso viel Freude bereitet mir aber auch der Anfang einer Entwurfsphase, wenn ich das erste Mal beginne, an einem Cover für ein neues Buch zu arbeiten. Zu diesem Zeitpunkt kann ich noch ganz unvoreingenommen an das Projekt gehen. Je tiefer man im Prozess steckt, umso schwieriger wird es, auch einmal einen Schritt zurückzutreten und ganz neue Ideen zu entwickeln.

Madeleine Prahs
Nachbarn

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