Ina aus China 5

Eine Geschichte in zwei politischen Welten: Die übersetzte „Ina“ in Taiwan und China

Mit der Übersetzung kommt Ina gleich auf zweifache Weise zurück in ihre Heimat – eine Ausgabe erscheint in Taiwan, die andere in der Volksrepublik China. In beiden politischen Kontexten wird Inas Geschichte unterschiedlich gelesen und verstanden. Neben der Ausgabe in Taiwan, die Inas Tochter Ma Youzhen übersetzt hat, ist im Juni 2010 eine zweite Übersetzung, besorgt durch die Übersetzerin Huang Xiaoling, im Shanghaier Volksverlag erschienen. Es ist sehr aufschlussreich, die beiden Bücher, die schon äußerlich ganz anders gestaltet sind, nebeneinander zu stellen. »Die Taiwan-Ausgabe im Verlag Rive Gauche benutzt die traditionellen chinesischen Langzeichen, die Zeilen verlaufen von oben nach unten und das Buch wird – aus unserer Sicht – von hinten aufgeschlagen. Die Shanghaier Ausgabe benutzt die gekürzten, in der Volksrepublik gebräuchlichen Schriftzeichen, hat waagerechte Zeilen und folgt unserem Buchformat.«

Als Übersetzerin weiß Susanne Hornfeck, dass jede Übertragung ihren eigenen Duktus hat, und das gilt ganz besonders für diese beiden Versionen ein und derselben Geschichte: »Während Huang Xiaoling, den klaren, knappen Stil des Originals widerzugeben versucht, schlägt Ma Youzhen einen warmen, erläuternden Ton an,  der aus ihrer emotionalen Nähe zur Geschichte ihrer Mutter entsteht. Darüber hinaus spiegelt sich hier der jeweils unterschiedliche Sprachgebrauch auf  der Insel Taiwan und auf dem chinesischen Festland sehr zeitnah wider. Ich könnte mir vorstellen, dass die beiden Übersetzungen einen interessanten Forschungsgegenstand für Sinologen abgeben könnten.« 

So unterschiedlich wie der Tonfall der Übersetzer und die Cover der beiden Ausgaben sind, so unterschiedlich werden die beiden Ausgaben auch inhaltlich rezipiert und vom Publikum wahrgenommen: »In Taiwan, wo derzeit der historischen Aufarbeitung der 30er und 40er Jahre und des Krieges mit Japan besonderes Interesse gilt, wird die im taiwanesischen Verlag Rive Gauche erschienene ‚Ina’ als zeitgeschichtlich aufschlussreiche Biographie gelesen.« Bei Rive Gauche erschien Inas Biographie in einem literarischen Umfeld.

Vom Shanghaier Verlag dagegen wird das Buch im Zusammenhang mit der 65. Jahrestag des Endes des »Antifaschistischen Krieges« angekündigt.

 Susanne Hornfeck bei der Lesung in Taipeh, neben Ma Youzhen, die das Buch ins Taiwanesische übersetzte. Auf dem Bildschirm sind die chinesischen Namen der beiden zu erkennen
Susanne Hornfeck bei der Lesung in Taipeh, neben Ma Youzhen, die das Buch ins Taiwanesische übersetzte. Auf dem Bildschirm sind die chinesischen Namen der beiden zu erkennen
Lesung 2008 im Shanghaier Goethe-Institut, Susanne Hornfeck und ihre zweite Übersetzerin, Huang Xiaoling, die Inas Geschichte ins Chinesische übersetzte, 2008 bei einer Lesung im Goethe-InsZum Zeitpunkt dieser Lesung, 2008 im Goethe-Institut Shanghai, existierten erst Auszüge der Übersetzung, die im Juni 2010 als Buch erschienen ist.
Lesung 2008 im Shanghaier Goethe-Institut, Susanne Hornfeck und ihre zweite Übersetzerin, Huang Xiaoling, die Inas Geschichte ins Chinesische übersetzte. Zum Zeitpunkt dieser Lesung, 2008 im Goethe-Institut Shanghai, existierten erst Auszüge der Übersetzung, die im Juni 2010 als Buch erschienen ist.

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