Ina aus China 6

»Exotik funktioniert in beide Richtungen«: Die Illustrationen von Günter Hornfeck

Übersetzer vermögen vieles, und doch können Worte nicht alles erklären. Der taiwanesische Verlag wünschte sich deshalb für seine Ausgabe von Inas Geschichte Illustrationen des Graphikers Günter Hornfeck: »Das hat uns beide natürlich sehr gefreut. Es ging von der Übersetzerin aus, die meinte, dass viele Leser sich unter Dingen wie Volksempfänger, Feuerklatsche oder Sammelbüchse fürs Winterhilfswerk nichts vorstellen können. Anstatt das umständlich in einer Anmerkung zu erklären, hat sich der Verlag für Illustrationen entschieden.« So beginnt nun jedes Kapitel mit einer Vignette Günter Hornfecks, die zeittypische Gegenstände oder Gebäude, etwa den Brandenburger Dom oder den Anhalter Bahnhof in Berlin, zeigt. »Die Illustrationen, die ganz bewusst realistisch und im Stil der Zeit gehalten sind, haben in Taiwan großen Anklang gefunden. Neben der Erklärungsfunktion wurden sie als ›exotischer‹, typisch deutscher Buchschmuck rezipiert, was uns wieder einmal deutlich machte, dass Exotik in beide Richtungen funktioniert.« 

Günter Hornfeck, der Illustrator der taiwanesischen Ausgabe, Ina und die Autorin zeigen einen Andruckbogen mit Illustrationen
Günter Hornfeck, der Illustrator der taiwanesischen Ausgabe, Ina und die Autorin zeigen einen Andruckbogen mit Illustrationen

 Inas Geschichte zeigt, dass es Berührungspunkte in der Geschichte zweier einander so ferner Länder wie China und Deutschland gibt. »Ein interessanter Aspekt an Inas Geschichte ist, wie Kriege immer wieder in ihr Leben hineingespielt haben. Plötzlich merkt man, dass das letztlich ein und derselbe Krieg war. Es ist hierzulande wenig bekannt, wie der Pazifische Krieg in den Zweiten Weltkrieg überging, ja im wörtlichen Sinn seinen Startschuss gab. Für Ina bedeutete das, dass sie sich immer wieder fragen musste, wer von den Kriegsparteien nun Freund oder Feind ist. Auch die bis in den Boxerkrieg zurückreichende Freundschaft der Familien Chen und von Steinitz, zeigt historische Berührungspunkte beider Länder. Aus einer kriegerischen Begegnung der beiden Völker ist eine individuelle Freundschaft entstanden, die es dem kleinen Mädchen zwei Generationen später ermöglichte, sich während eines weiteren Krieges in Sicherheit zu bringen. Da konnte ja noch niemand wissen, dass sie praktisch vom Regen in die Traufe kam.«

Susanne Hornfeck
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