Ina aus China 7

Neue Horizonte: Susanne Hornfecks zweites Romanprojekt

»Bei meinen zahlreichen Lesungen in Schulen haben mich die jungen Leser immer wieder gefragt, was eigentlich aus Inge, der halbjüdischen Freundin Inas, geworden ist, die mit ihren Eltern nach Shanghai emigrieren musste. Das hat mich auf die Idee gebracht, dem Schicksal dieses Mädchens mit den blonden Zöpfen im wilden Shanghai der 30er und 40er Jahre nachzugehen.« 

Im Gegensatz zu Ina ist Inge eine fiktive Gestalt, aber gleichzeitig gibt es viele reale Vorbilder, die dieses Schicksal teilen. Aus ihren Spuren will Susanne Hornfeck die Geschichte der fiktiven Inge zusammensetzen: »Etwa 20.000 deutsche und österreichische Juden haben nach 1938, als andere Staaten ihre Grenzen schlossen, Zuflucht in Shanghai gefunden und viele Jahre in dieser ihnen sehr fremden Stadt gelebt. Im Rahmen meiner bevorstehenden Lesereise in China, werde ich mich daher auch auf die Spuren meiner neuen kleinen Heldin Inge begeben.« 

Schon in ihrem erstem Roman, ›Ina aus China‹, war es so, dass Hornfeck die reale Geschichte nicht wie eine Archäologin rekonstruiert, sondern vielmehr wie eine Architektin entworfen hat. Ein Entwurf, der dann seine eigene Dynamik entwickelt hat: »Die biographische Vorlage war mehr ein Bebauungsplan; auf dem ist dann etwas gewachsen, ein Romangebäude und eine Figur mit Eigenleben. Die Dame, die achtzig ist, war nicht meine Ina, aber sie betrachtet dieses fremde und zugleich vertraute Kind mit Rührung und Wohlwollen. Was ich mir im Sinne von Rekonstruktion erarbeiten musste, das waren die historischen Fakten und Zusammenhänge, und das Alltagsleben in der Nazi-Zeit. Zum Glück hatte ich zu Beginn der Recherchen auch noch eine Mutter, die ich befragen konnte, was sie damals erlebt hat, wie man lebte, kochte, Eisenbahn fuhr, den Alltag in Kriegs- und Vorkriegszeiten meisterte. Die Zeitzeugen aus dieser Epoche werden immer weniger. Wir sollten mit ihnen reden. Ich bin froh, dass dieses Buchprojekt uns Gelegenheit dazu gab.« 

»Dass es Kinder und Jugendliche aufgrund der politischen Verhältnisse oder von Kriegen in andere Kulturen verschlägt, das ist immer noch Realität«: Von der aktuellen gesellschaftlichen Brisanz eines historischen Romans 

Die so zentrale und doch verfahrene Debatte um Migration und die Chancen Kindern aus Migrantenfamilien in Deutschland zeigt die aktuelle gesellschaftliche Relevanz des historischen Romans ›Ina aus China‹: »Es gibt auch heute noch diese Situation, dass es Kinder und Jugendliche aufgrund der politischen Verhältnisse oder von Kriegen in andere Kulturen verschlägt. Das ist immer noch Realität. In mancher Schulklasse wird so ein Kind neben einem deutschen Kind sitzen und muss versuchen, dort zurechtzukommen, Freunde zu finden und die Sprache zu lernen. Das ist also, auch wenn die Geschichte von Ina 70 Jahre zurück liegt, immer noch ein aktuelles Thema.«

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