Rosemarie Marschner: Das Mädchen am Klavier

Eine Empfehlung von Ulrich Ohm, Buchhandlung Dietsch, Benrath

Einfühlsam zeichnet Rosemarie Marschner in ihrer Romanbiografie ›Das Mädchen am Klavier‹ das Leben der großen Musikerin Clara Schumann nach. Durch die Beschreibungen der Kindheit und Jugend von Clara Schumann, geborene Wieck, zeigt Rosemarie Marschner auch die Schattenseiten des Erfolgs und entwirf zugleich ein Porträt der bürgerlichen Welt zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Rosemarie Marschner: Das Mächen am KlavierVon den meisten Menschen wird Clara Schumann, geborene Wieck, wohl in Verbindung gebracht mit der erwachsenen Frau an der Seite des Komponisten Robert Schumann. Mit der herausragenden Pianistin, die ihr eigenes Werk und das ihres Mannes auch nach dessen Tod bekannt machte. Doch dass alle Musikalität und virtuoses Können am Klavier ihren Ursprung in der Kindheit und Jugend Clara Schumanns haben, darüber wird gerne hinweggegangen. Was gibt es da Schöneres, als sich diesem spannenden Werdegang zu einer der herausragendsten Musikerinnen des 19. Jahrhunderts mit  ›Das Mädchen am Klavier‹ von Rosemarie Marschner zu nähern?

Die zentrale Person im Leben der kleinen Clara ist ihr Vater. Friedrich Wieck hat ehrgeizige Pläne. Selbst Musiker, will er seine Tochter zum Wunderkind formen. Die Methoden erinnern heute fast an Folter, doch schon bald kann er die ersten Früchte seiner Arbeit ernten. Zusammen mit Clara bereist er Europa, sie werden bejubelt, beschenkt, bestaunt. Wie es dem Kind dabei geht, wenn es immerzu wie eine Maschine funktionieren soll, fragt niemand. Das Verhältnis zwischen Vater und Tochter, das mächtige Patriarchat, mit dem Friedrich Wieck auch seine übrige Familie leitet, ist auch ein Spiegel der bürgerlichen Welt zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Rosemarie Marschner nimmt den Leser mit dorthin, und manchmal ist man schon so vertieft in das Schicksal Claras, dass es fast überrascht, wenn Robert Schumann in ihr Leben tritt. Freilich erst als Schüler von Friedrich Wieck, später als Claras Geliebter. Die Beziehung Vater-Tochter wird erweitert, Friedrich Wieck ist nicht mehr der alleinige Bezugspunkt. Langsames Abnabeln, Erwachsenwerden, die Unfähigkeit des Vaters, dies zu akzeptieren – all das verknüpft Rosemarie Marschner zu einem dichten Bild. Mit einfühlsamer Sprache macht sie die Gewissenskonflikte der jungen Pianistin fühlbar, ohne jedoch dem Leser den Eindruck zu geben, sich in einem rein fiktiven Roman zu befinden, sondern immer noch bei der Lebensgeschichte der jungen Clara Wieck zu sein. Sowohl Romanliebhaber als auch biografisch Interessierte werden an ›Das Mädchen am Klavier‹ ihre Freude haben.

Eine Empfehlung von Ulrich Ohm, Buchhandlung Dietsch, Benrath

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