Cornelia Haller: Seelenfeuer

Buchempfehlung von Pauline Nickel, Auszubildende bei dtv

Cornelia Haller: Seelenfeuer
Der Hexenwahn verbreitet sich im 15. Jahrhundert wie ein Lauffeuer. Durch ihr flammend rotes Haar und ihr großes Wissen um die Wirkungen von Heilpflanzen scheint die junge Hebamme Luzia der perfekte Sündenbock zu sein.

Die Bürger von Ravensburg sind sich 1483 in einer Sache einig: Wenn auf ein Hagelunwetter und eine Hungersnot auch noch eine Pest folgt, dann muss der Teufel seine Finger im Spiel haben. Und wie könnte ihm das besser gelingen als durch eine Hexe, die ihm ihre Seele verkauft hat? Jetzt müssen sie die Schuldige nur noch finden und hinrichten…

Flammendes Haar und ein schier unersättlicher Wissensdurst haben Luzia Gassner schon mehrfach in Schwierigkeiten gebracht. Ihren Lehrer Kaplan Grumper macht sie sich zum Feind, als sie es wagt, ihn vor den anderen Schülern zu verbessern. Über ihre Angst vor seinen Strafen und Demütigungen siegt aber stets ihre Wissbegierde. Erst als Luzia zu ihrer Tante Elisabeth nach Seefelden zieht, hat diese Tortur ein Ende. Im neuen Heim lernt sie, von Pater Wendelin unterstützt, die verschiedensten Pflanzen und Heilkräuter kennen und wird die Hebamme des Dorfes.

Mit dem Tod ihrer Mutter, von dem Onkel Basilius, ein Ravensburger Apotheker, Luzia berichtet, eröffnen sich ihr ungeahnte Möglichkeiten: Nun könnte sie deren Stelle als Hebamme in Ravensburg einnehmen und bei ihrem Onkel leben. Trotz der düsteren Erinnerungen an Kaplan Grumper siegt wieder einmal ihre Neugier.

In ihrer Heimatstadt angekommen, merkt Luzia schnell, dass sie durch ihr feuerrotes Haar und ihr selbstbewusstes Auftreten mehr Aufsehen erregt, als ihr lieb sein kann. Zudem trifft sie viel zu bald auf den Kaplan, der nach all den Jahren immer noch darauf wartet, Luzia zu demütigen und endgültig zu vernichten.

Durch einen Inquisitor, der in Konstanz einige Frauen der Hexerei bezichtigt, erhält er unerwartete Unterstützung. Grumpers wiederholte Andeutungen und Unterstellungen säen Misstrauen und Verachtung gegenüber Luzia.

Glücklicherweise steht ihr der Medicus Johannes von der Wehr zur Seite und unterstützt sie, wo er nur kann. Mittlerweile passiert es nämlich immer wieder, dass jemand eine junge Frau mit feuerrotem Haar gesehen haben will, die dem Teufel ein Neugeborenes opfert oder am Fluss ein Unwetter herbeiruft …

In Cornelia Hallers ›Seelenfeuer‹ treffen der Aberglaube und die Vorurteile der Bevölkerung auf eine junge Frau, die durch das Wissen, das sie sich im Laufe der Jahre angeeignet hat, und ihre Neugierde Zusammenhänge versteht und nicht in jedem totgeborenen Kind ein böses Omen sieht. Sie verlässt sich nicht auf Gebete, sondern nimmt die Dinge lieber selbst in die Hand. Luzia glaubt fest an das Gute im Menschen. Insofern ist Nächstenliebe für sie kein Gebot Gottes, sondern eine Selbstverständlichkeit. Als Hebamme ist es ihr größtes Anliegen, allen Menschen zu helfen.

Man schließt Luzia schnell ins Herz, und möchte sie am liebsten vor allen Gefahren beschützen. Besondere Freude macht es, die wachsende Zuneigung zwischen Luzia und Johannes zu verfolgen.

Die Geschichte hat mich von der ersten Seite an in den Bann gezogen. Einmal angefangen, konnte ich ›Seelenfeuer‹ nicht mehr aus der Hand legen. Luzia muss sich zwischen Aberglauben, Religion und Realität zurechtfinden und behaupten. Der Weg, den sie dabei einschlägt, bringt sie dem Leser sehr nahe. Man lacht und weint, schwärmt und flucht mit ihr.

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