Bruni Prasske: Die Entrümpler

Interview mit Bruni Prasske über die Entrümpler Mirko und Sven

Die Lieblingstasse, Kuscheltiere aus Kindertagen, Familienerbstücke und vieles mehr behalten wir unser ganzes Leben, auch wenn wir oft gar nicht mehr wissen, dass sie existieren. Mirko und Sven finden all diese Dinge, teils sogar richtige Schätze. Aber auch das eine oder andere (Familien-)Geheimnis wird von ihnen gelüftet, wie Bruni Prasske in ›Die Entrümpler‹ berichtet.

Frau Prasske, in Ihrem letzten Buch haben Sie Ihr Leben in einem Wohnwagen geschildert, (›Mein Wohnwagen und ich‹). Wie sind Sie darauf gekommen, ein Buch über ›Die Entrümpler‹ zu schreiben?

Es begann mit zwei 70er-Jahre-Klappstühlen und einem Campingtisch aus der DDR, die ich für meinen Wohnwagen von einem Entrümpler geschenkt bekam. Der Mann zeigte mir schließlich sein Lager. Es war wie eine Rückschau in viele Lebensgeschichten. Möbel, Bilder, Kleidung und Hausrat »erzählten« etwas über ihre früheren Besitzer und regten Fantasien an.

Die EntrümplerWas war für Sie das Überraschendste an dem Beruf des Entrümplers?

Das Bewahren von Vergangenheit. Zumindest die beiden Entrümpler, die ich über Monate begleitet habe, gehen feinfühlig mit den »Verlassenschaften« bei Haushaltsauflösungen um, übrigens ein in Österreich gebräuchliches Wort für Hinterlassenschaften, wie ich durch meine Entrümpler gelernt habe und den Sachverhalt passend beschreibt. Es geht bei sogenannten Komplettauflösungen letztendlich um das, was am Ende eines Lebens übrig bleibt.

Welche Situation hat sie am meisten berührt?

Da kann ich mich kaum entscheiden, weil es viele besondere Momente gab. Die Wohnung einer alten Dame, die dement ins Pflegeheim gebracht wurde, wirkte beispielsweise so, als würde sie jeden Moment wieder zur Tür herein kommen. Alles war penibel aufgeräumt, die Wäsche blütenweiß und duftend. Der Haushalt war per Vertrag komplett an meine beiden Entrümpler übergegangen. Ich habe nach einigem Zögern meine Scham überwunden und ein Paar schöne Stiefel der alten Dame anprobiert. Sie passten und nun trage ich sie in Erinnerung an eine Frau, die ich nie persönlich kennengelernt habe. Aber ich habe in ihre Schränke, Schubfächer, Fotoalben und in die Vorratskammer geschaut. Da kann man sich ein recht konkretes Bild machen.

Bruni PrasskeGehen Sie jetzt anders ans »Keller-Ausmisten« ran?

Und ob! Ich bin mir inzwischen im Klaren darüber, dass man manches »Ausmisten« lieber Profis überlassen sollte. Je nach Art des Entrümpels kann man durchaus emotional überfordert sein, wenn man unverhofft auf Feldpost des verstorbenen Großvaters oder Liebesbriefe der Großmutter an einen Liebhaber stößt. Die Frage: Was kann weg und was will oder muss ich behalten, ist oft schwer zu beantworten.

Sehen Sie jetzt auch »Wegwerfkandidaten« mit anderen Augen?

Ja, ich habe gelernt, dass bestimmte Telefonbücher oder manch unscheinbare Porzellanfigur einen erstaunlichen Wert haben können.

Welchen Tipp würden Sie Menschen geben, die einer Haushaltsauflösung entgegensehen?

Machen Sie Haufen: Wertsachen, Vielleichtwertsachen, Altpapier, verwertbare Kleidung, nicht verwertbare Kleidung, Müll usw. Bei Möbeln lohnt es sich vorab in entsprechenden Internetbörsen nach einem möglichen Verkaufswert schauen. Münzen, Porzellan und bestimmte Wäschestücke können ebenfalls unverhofft wertvoll sein. Man darf aber nicht enttäuscht sein, wenn vermeintlich altes Geschirr dann doch nichts einbringt. Man sollte sich ausreichend Zeit nehmen.

Worüber werden Sie Ihr nächstes Buch schreiben?

Es wird wieder um Wohnwagen gehen, aber nun dreht sich alles um das Unterwegsein in einem rollenden Heim. Mein Oldtimer wird mit mir auf eine weite Reise gehen.

Das Interview führte Marianne Bohl, dtv-Redaktion

 

Bücher der Autorin:

Bruni Prasske
Mein Wohnwagen und ich

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