Bruni Prasske: Mein Wohnwagen und ich

Was bewegt eine junge, alleinstehende Frau dazu, ihre Wohnung im Zentrum von Hamburg gegen das Leben im Wohnwagen ohne Strom und eigenem Badezimmer zu tauschen?
Im Interview spricht Bruni Prasske über die Vorzüge, aber auch Beschwerlichkeiten des Lebens im Wohnwagen, veraltete Klischees von Dauercampern und Lagerfeuerromantik am Elbstrand.

 1) Warum haben Sie beschlossen, Ihre Wohnung in St. Pauli von Frühling bis Herbst gegen einen Wohnwagen zu tauschen?

Ich wollte draußen bleiben, vor den Toren der Stadt, wenn die anderen, nach einem Wochenendausflug an den Elbstrand, ihre Heimfahrt antreten. Und genauso ist es gekommen: Von Sonntagabend bis Freitagnachmittag gehört das kleine Paradies einer Handvoll hartgesottener Dauercamper.

2) Ist ein Wohnwagen nicht irgendwie spießig? Oder stimmt das Klischee des Wohnwagenbesitzers nicht mehr?

Die meisten Wohnwagen machen in der Tat einen spießigen Eindruck. Meiner war anfangs keine Ausnahme. Ich musste mich ordentlich ins Zeug legen, um ihn von seinem Gelsenkirchener Barock zu befreien und ihn aufzuhübschen. Es wird Zeit für den anderen Wohnwagen, der weit mehr ist als die Miniaturkopie eines langweiligen Wohnzimmers mit Wolkengardinen.

3) Was macht den gemeinen »Dauercamper« wirklich aus?

Der gemeine Dauercamper ist wetterfest!

4) Wie ist es, als alleinstehende Frau in der männerdominierten Welt der Dauercamper zu leben?

Auf unserem Platz ist das Verhältnis eher ausgewogen. Ansonsten gilt zumindest bei mir: Die meisten Arbeiten am und um den Wohnwagen herum erledige inzwischen selber, aber für helfende Männerhände gibt es Leckereien aus meiner internationalen Gourmetküche.

5) Was ist das Beschwerlichste und Schlimmste am Leben im Wohnwagen?

Kälte und Sturm. Da wackelt schon mal der Wagen. Eine Steigerung ist die Entdeckung eines Lecks im Wohnwagendach. Das ist mir gleich zu Anfang passiert. Auweia, wenn es reinregnet kann man verzweifeln. Aber auch da haben sich rasch helfende Hände gefunden.

6) Ihr schönste Erlebnis mit oder in Wohnwagen REX?

Jedes morgendliche Aufwachen in meinem Wohnwagen ist ein Geschenk. Dabei gehört mein erster Morgen als Dauercamperin zu meinen schönsten Erlebnissen. Damals litt ich unter Liebeskummer und wurde von einem besonderen Tagesbeginn getröstet. Ich habe versucht, dieses schöne Erlebnis in meinem Buch wiederzugeben. Beim Lesen bin ich selbst jetzt noch gerührt davon. Das passiert mir bei meinen eigenen Texten eher selten.

7) Welche Dauercamper-Geschichte können Sie abends beim Lagerfeuer zum Besten geben?

Am Lagerfeuer geht es erstaunlicherweise meistens um Anderes als ums Campen. Im Schein der Flammen lässt sich über Themen sprechen, die sonst nicht so leicht über die Lippen kommen. Das habe ich häufiger erlebt, auch mit relativ fremden Menschen. Ich erkläre es mir so: Man kann sich beim Erzählen an den Flammen festhalten, außerdem wärmen sie und man muss sein Gegenüber nicht anschauen, die Dunkelheit tut ein Übriges. Ich liebe diese Stimmung am Feuer und die Gespräche in spontan gebildeten Runden. Manchmal gesellen sich Tagesgäste dazu, die nur für kurze Zeit auf unserem Campingplatz sind.

8) Wie hat das Leben mit REX Sie verändert?

Mein Rhythmus ist ein anderer geworden. In der Vor- und Nachsaison gehe ich früh schlafen. Außerdem habe ich Vorratshaltung gelernt, verbrauche viel weniger Energie, weil es in meinem Wohnwagen weder Elektrizität noch einen Wasseranschluss  gibt und bin rundum glücklich mit dem einfachen Leben. Mein Konsumverhalten hat sich stark verändert. Schuhgeschäfte interessieren mich nicht mehr, dann schon eher Baumärkte. Und eine Einladung in ein schickes Restaurant schlage ich schon mal aus und kontere mit einem Coq au Vin auf südafrikanische Art aus meinem gusseisernen Potjie. Outdoorküche ist einfach unschlagbar.

9) Wie wird es weitergehen mit Ihrem REX und Ihnen?   

Eines Tages möchte ich den Guten ankoppeln und mit ihm andere Plätze erkunden. Und liebend gerne auch darüber schreiben.

Das Interview führte Marianne Bohl, dtv-Redaktion

Ein Kommentar zu “Bruni Prasske: Mein Wohnwagen und ich

  • 31. Januar 2015 um 18:52
    Permalink

    Hallo Bruni,
    Wir leben schon seit 7 Jahren im Wohnmobil, sind ständig in ganz Europa unterwegs. Das Leben finden wir toll, nur im Winter in Deutschland im Womo ist nicht so prickelnd,aber naja. Unsere Reisen

    bewegen sich meist in Nordeuropa, in Südeuropa machten wir schon schlechte Erfahru ngen, da wir nie auf Camping oder Stellplätze gehen ist auf Dauer zu teuer. Würde uns freuen mal von dir zu hören, lieben Gruss
    Erwin und Maria

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