Christopher Kloeble: Meistens alles sehr schnell

Ein liebenswert-kurioses Paar auf einer abenteuerlichen Reise

Eine ungewöhnliche Familiengeschichte mit einem kindlichen Vater, einer abwesenden Mutter und einem Sohn, der schnell erwachsen werden muss: Sein Roman ›Meistens alles sehr schnell begleitete Christopher Kloeble über zehn Jahre, nun erscheint er bei dtv. Im Interview erzählt der Autor von realen und erfundenen Orten, von Heimat und dem Geheimnis der ›Klöbles‹.

Meistens alles sehr schnell ging gar nicht so schnell: Sie haben diesen Roman vor zehn Jahren begonnen. Was war Ihre Grundidee?

Alles begann mit Fred. Fred ist eine Figur, die mich schon sehr lange begleitet, und über die Jahre konnte ich ihn immer besser kennenlernen. Dennoch hielt er stets ein Geheimnis zurück, was mich natürlich umso neugieriger machte. Ich wollte wissen, wer dieser Fred war und woher er kam.

Trotzdem haben Sie zwischendurch einen Roman, einen Erzählband und einige Kurzgeschichten veröffentlicht …

Ja, es kamen andere Projekte dazwischen und ich musste diese Geschichte mehrmals und für längere Phasen beiseitelegen, aber der Wunsch, ein Buch über Fred zu schreiben, war immer da, und je mehr Zeit verging, desto mehr erfuhr ich über ihn und sein Leben. Vieles von dem, was heute in dem Roman steht, konnte ich vor zehn Jahren noch nicht einmal erahnen.

Meistens alles sehr schnell‹ spielt in einem oberbayrischen Ort namens Königsdorf. Wie viel hat er mit dem realen Königsdorf zu tun?

Sehr viel und sehr wenig. Diejenigen, denen Königsdorf bekannt ist, werden bestimmt einiges wiedererkennen. Es hatte eine Art Vorbildfunktion für mich. Aber ich wollte nie eine Geschichte nur über Königsdorf schreiben, sondern über eine kleine, besondere Gemeinde, die es überall auf der Welt geben könnte.

Sie sind dort aufgewachsen, in einem Ort mit knapp 3000 Einwohnern. Nun leben Sie auch in München und Berlin und bereisen die Welt, aktuell sind Sie für zwei Monate in Indien. Was bedeutet Ihnen Heimat?

Ich glaube, da ich als Kind mit meinen Eltern schon viel reiste und wir an verschiedenen Orten lebten, habe ich mich nie an einem Ort verwurzelt gefühlt. Heimat ist für mich dort, wo Menschen leben, die mir viel bedeuten. Wenn ich gute Freunde oder Familie an Orten besuche, die mir fremd sind, dann ist das trotzdem ein bisschen so wie nach Hause zu kommen.

Sie erinnern sich an einen großen bärtigen Mann in Königsdorf, der ebenso wie Ihr Fred Autos grüßte und so wirkte, als habe er etwas zu erzählen. Haben Sie ihn jemals angesprochen?

Fred sagt, das soll ich für mich behalten.

Fred »steht vor dem Leben wie vor einer Tür, von der er weiß, dass man sie öffnen kann, aber nicht wie«. Mir scheint er in seiner Ahnungslosigkeit glücklich …

Ich bin überzeugt davon, dass er glücklicher ist als die meisten von uns. Vor allem beneide ich ihn um seinen leichten Umgang mit dem Tod. Mir selbst macht die Vorstellung zu sterben sehr viel mehr Angst. In gewisser Weise hatte Freds Sicht der Dinge immer etwas sehr Tröstliches für mich.

Freds Sohn Albert »liest Hinterköpfe«. Wie funktioniert das – und beherrschen Sie diese Technik auch?

Albert hat einfach Talent dafür, Menschen anhand von Äußerlichkeiten zu durchschauen – abgesehen von denen, die ihm am nächsten stehen. Ich wünschte, ich wäre so gut darin wie er. Aber dafür muss ich wohl noch etwas länger trainieren.

In einer zweiten Zeitebene erzählen Sie in Meistens alles sehr schnellvon einem weiteren Ort, Segendorf. Hat es je existiert?

In meiner Fantasie existiert es schon sehr lange. Auch kommt es in einigen meiner Geschichten vor und gibt vielen meiner Charaktere ein Zuhause. Nun wollte ich endlich erzählen, wie es entstanden ist. Auch wenn diese Entstehungsgeschichte nicht historisch verbrieft ist …

Und mit dem Klöble, einem »plumpen, tumben Kerl«, haben Sie der Literatur sogar einen neuen Typus geschenkt. Werden es Ihnen Ihre Namensvetter danken?

Hm, da bin ich mir nicht so sicher. Über die Bedeutung des Namens stolperte ich vor ein paar Jahren. Anfangs zögerte ich, den eigenen Namen im Roman zu verwenden, aber irgendwann setzte sich meine Sympathie für die ›Klöbles‹ gegen jeden Zweifel durch.

Verraten Sie uns zum Schluss noch ein Geheimnis: Was ist Ihr Liebster Besitz?

Da bin ich so wie Fred. Mit nur einem gebe ich mich nicht zufrieden.

Das Interview führte Tina Rausch, freie Journalistin

Alle Bücher von Christopher Kloeble

Christopher Kloeble
Wenn es klopft

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.