Eoin McNamee

Fragen zu ›Requiem‹

In seinem neuen Roman, ›Requiem‹, erzählt Eoin McNamee die wahre Geschichte von Robert McGladdery, an dem wegen Mordes an einer jungen Frau, 1961 die letzte Todesstrafe Nord-Irlands verhängt wurde.
Im Interview spricht Eoin McNamme über die Entwicklung seines Romans und den Grund, warum er für seine Bücher immer wieder auf wahre Begebenheiten zurückgreift.

Wie sind sie auf die Geschichte von Robert McGladdery gestoßen?  

Ich habe schon als Heranwachsender von McGladdery und Pearl Gamble gehört– mein Vater war Richter in Newry, der Heimatstadt von McGladdery. Und mich hat schon damals diese schillernde, verdorbene Welt angezogen, in der Menschen versuchen, der Gesellschaft Gesetze aufzuzwingen, so wie das im Norden von Irland der Fall war – das Land war bis ins Innerste verrottet.
 
Würden Sie uns ausgehend von der  Grundidee des Buches, aus dem Mordfall einen Roman zu machen, erzählen,  wie das Buch sich entwickelte? Was  hat Sie so gereizt  aus diesem Fall ein Buch zu machen?
 
Die Figur  Lancelot Curran. Er war der Richter, der das Todesurteil über McGladdery für den Mord an Pearl Gamble verhängte, einer neunzehnjährigen Verkäuferin.
Currans eigene Tochter Patricia, ebenfalls neunzehn Jahre alt, war neun Jahre zuvor ermordet worden – ein berühmter Fall, der ungelöst blieb. Es ist eine seltsame und schreckliche Geschichte, und viele Menschen glauben, dass Curran die Aufklärung des Mordes an  seiner eigenen Tochter willentlich behindert hat. Beide Fälle hatten eine unübersehbar  sexuelle Dimension.
Während ich das Buch geschrieben habe, hatte ich das Gefühl, dass etwas fehlt. Also bin ich nach Belfast gefahren, um zu recherchieren. Ich erinnere mich, es war ein sehr warmer Tag im Lesesaal der Bücherei. Ich war dabei, Curran’s Zusammenfassung für die Geschworenen durchzulesen – die Schlussrede bevor sie nach draußen gingen, um zu einem Urteil zu gelangen. Es hat sich angefühlt als würde sich eine kalte Hand aus der Vergangenheit auf meinen Nacken legen — im letzten Teil seiner Rede untergräbt Curran die zwei Hauptpunkte von McGladderys Verteidigung – mit fatalen Folgen. Die Geschworenen kamen 40 Minuten später mit einem Schuldspruch zurück.
 
Sie greifen in ihren Büchern immer wieder auf wahre Fälle zurück – warum?
 
Man wirft mir gelegentlich vor, es auf Kontroversen anzulegen. Aber die Wahrheit ist, dass Geschichten aus dem wirklichen Leben für mich eine Bedeutung haben, die ich in erfundenen Geschichten nicht finde. Es gibt da eine innere Struktur, die in rein fiktiven nicht existiert. In gewissem Sinn erscheint mir meine eigene Technik zu schreiben weniger merkwürdig als reine Fiktion zu schreiben. 
 
Das Interview führt Annika Wagner, dtv
 
Das ganze Interview finden Sie auf www.dtv.de/requiem
 

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