»Gabriel ist, anders als ihn viele wahrnehmen, ein reflektierter, reflektierender Mensch«

Interview mit Christoph Hickmann, Autor der Biografie ›Sigmar Gabriel – Patron und Provokateur‹

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Die Nachricht kam überraschen. Sigmar Gabriel tritt nicht als SPD-Kanzlerkandidat an. Und wieder fragen sich viele: Wer ist dieser Mann? Er kann begeistern, mitreißen, überzeugen – aber auch befremden, frustrieren, verstören. Sigmar Gabriel polarisiert, er lässt nicht gleichgültig zurück. In einem kurzen Interview blickt Christoph Hickmann, der zusammen mit Daniel Friedrich Sturm jüngst eine Biografie über Sigmar Gabriel verfasst hat, schon in die Zukunft.

Herr Hickmann, Ihre Biografie über Sigmar Gabriel basiert auf vielen Gesprächen mit Weggefährten, Widersachern und Gabriel selbst. Überraschte Sie sein Verzicht auf die Kanzlerkandidatur?
Immer wieder während des vergangenen Jahres gab es Hinweise darauf, dass Gabriel verzichten könnte. Wir waren uns nie sicher, dass er kandidieren würde – und haben das entsprechend immer offengelassen. Gabriel ist, anders als ihn viele wahrnehmen, ein reflektierter, reflektierender Mensch. Insofern konnte man damit rechnen, dass er sich mit seinen schlechten Umfragewerten auseinandersetzen und womöglich auch persönliche Konsequenzen ziehen würde.

Nun tritt Sigmar Gabriel nicht von der politischen Bühne ab, sondern strebt das Amt des Außenministers an. Ein Amt, in dem Fingerspitzengefühl und diplomatisches Geschick von Nöten ist. Kann der oftmals impulsiv agierende Gabriel Außenminister?
Gabriel hat schon mehrfach in seiner Karriere überrascht: Als er Umweltminister wurde und sich sehr schnell in die fremde Materie einarbeitete. Oder als er seine Partei in die große Koalition führte und mit großer Selbstdisziplin agierte, ohne die üblichen Ausschläge und Ausfälle. Insofern hat er immer wieder Dinge geschafft, die ihm kaum jemand zugetraut hätte. Mindestens ebenso interessant wird die Frage sein, ob er nun den Kanzlerkandidaten Martin Schulz sein Ding machen lässt – oder ob er ihm von der Seitenlinie aus reinfunkt.

Interview führte Linus Schubert / dtv

Informationen zu den Autoren

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 Christoph Hickmann, Jahrgang 1980, studierte Journalistik und Politikwissenschaft, fing 2005 als Volontär bei der Süddeutschen Zeitung an und war anschließend innenpolitischer Korrespondent der SZ in Frankfurt am Main. Nach der Bundestagswahl 2009 Wechsel ins Spiegel-Hauptstadtbüro, seit Herbst 2012 zurück bei der SZ, als Korrespondent in der Parlamentsredaktion zuständig für Verteidigungspolitik und die SPD. Daniel Friedrich Sturm, Dr. phil., geboren 1973, beschreibt seit vielen Jahren als Parlamentskorrespondent von ›Welt‹ und ›Welt am Sonntag‹ das (Innen-)Leben der SPD. Schon in seiner Dissertation befasste er sich mit der Sozialdemokratie. Sie wurde mit dem Willy-Brandt-Preis ausgezeichnet.

 

›Sigmar Gabriel – Patron und Provokateur‹

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