Jess Jochimsen

Jess Jochimsen ist Kaberettist, leidenschaftlicher Fotograf und Autor. Mit »Krieg ich schulfrei, wenn du stirbst?« erzählt er rund 40 Gesichten von Freude und Leid des Elternseins. Denn mit prekären Fragen, Wahrheiten an der falschen Stelle und diversen kleinkriminellen Aktionen auf dem Pausenhof bringt Sohn Tom seinen Vater dann und wann ganz schön ins Schwitzen …
Im Interview spricht Jess Jochimsen über die Vorzüge des Kindseins und darüber, was er als Erstes tun würde, wenn er noch einmal Kind wäre.

 

Was ist das Schlimmste, das Eltern ihren Kindern antun können?

Mal abgesehen von all jenen Dingen, die in unserem Rechtssystem aus gutem Grund unter Strafe stehen: Zu wenig Liebe, zu wenig Zeit, zu wenig Vertrauen. 

Was ist das Schönste am Kindsein?

Das ständige Entdecken von Neuem. Immer wieder »das erste Mal«, der erste Schnee, das erste Mal am Meer, das erste Mal unglücklich verliebt, das erste Mal Aufbleiben bis nach Mitternacht, das erste Mal … 

Welchen Satz dürfen Eltern niemals zu ihren Kindern sagen?

»Wir sind nicht böse, Junge, nur enttäuscht!« 

Wären Sie noch einmal Kind, was würden Sie als Erstes tun?

Das Gefühl der grenzenlose Langeweile genießen. Diese nicht enden wollenden, gedehnten Sommertage, alle Freunde waren im Urlaub, und ich hatte nichts, aber auch gar nichts zu tun. Der Soundtrack dazu ist ein Stecken, den ich beim ziellosen Herumlaufen, an einem Zaun entlang rattern lasse. Und dann beginnt das Kopfkino – herrlich! 

Sie selbst haben im zarten Alter von 11 Jahren einen Lyrik-Reim-Wettbewerb gewonnen. Eine ziemlich untypische Beschäftigung für einen Jungen. Waren Sie ein »spießiges« Kind?

Das ist eine Fehlinformation: Ich habe den Wettbewerb nicht gewonnen, aber teilgenommen habe ich. Es war ein Gedicht-Wettbewerb der Sparkasse zum Thema ›Geld allein macht nicht glücklich‹, zu gewinnen gab es Geld – perfide Dialektik! Nun, ich war pleite, da macht man so was schon mal … Spießig? Mag sein. Meine Kumpels haben die Süßigkeiten einfach geklaut und waren damit erfolgreicher als ich mit meinem gescheiterten Versuch, sie zu erreimen. 

Ihre Texte sind sehr humorvoll, aber nicht platt. Unter dem Witz liegt immer ein gewisser moralischer Anspruch. Wie lautet dieser bei »Krieg ich schulfrei, wenn du stirbst?«

Da zitiere ich – wie es sich für einen braven Schriftsteller gehört – Goethe: »Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.« Das steht nicht nur als Motto im Buch, sondern daran orientiere ich mich auch.

Das Interview führte Marianne Bohl, dtv

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