Fragen an zwei, die es versucht haben

Als Sie Ihr Diplomthema entwickelten, sprudelten die Ideen, wie man leicht ans große Geld rankommen könnte. Warum ist Ihre Rechnung nicht aufgegangen?

Yvonne Feller: Weil keine wirklich zündende Idee dabei war. Weil der Mut fehlte, ein finanzielles Risiko einzugehen. Weil die nötige Konsequenz fehlte, sich voll und ganz dem kapitalistischen System zu unterwerfen und es sich zu Nutze zu machen.

Florian Flechsig: Außerdem kommen in Bierlaune schnell Schnapsideen – das Problem ist die Umsetzung. Da stellt sich mancher geniale Geistesblitz als unglaublich zeitfressende Angelegenheit heraus. Ich denk da nur an meine Berliner-Luft-Aktion: Nachdem ich wochenlang rumgewurschtelt hab, hatte ich eine Bude, die nach unkastrierten Ebern roch. Und 5 Euro Erlös.

Aber wissen Sie nun zumindest theoretisch, wie man Millionär wird?

Florian: Ja, ganz genau! Das kann man alles in unserem Buch nachlesen (diesen Satz wollte ich schon immer mal anbringen). Im Ernst: Den Masterplan gibt’s wohl nicht. Dennoch sind uns ein paar Dinge klar geworden. Die, die es innerhalb kürzester Zeit geschafft haben, konzentrierten sich meist auf eine einzige einfache Idee und zogen diese konsequent durch. Zum Beispiel Alex Tew mit seiner Million-Dollar-Homepage.

Als richtige Rampensau kann man zudem über die Medien eine Menge machen. Leider haben wir zu spät gemerkt, dass wir das nicht sind. Trotzdem interessant zu sehen, wie das so funktioniert: Dank Internet und Co ist es heutzutage zwar viel leichter, reich und berühmt zu werden. Doch wenn man nicht ständig Neues nachliefert, ist man auch schnell wieder weg.

So wie Sie: Die Medien wurden auf Ihr Millionenprojekt aufmerksam, doch Sie haben Ihre 15 Minuten Ruhm ungenutzt vorüberziehen lassen. Sehen Sie die Buchveröffentlichung als zweite Chance?

Yvonne: Um Millionärin zu werden sicherlich nicht – das wäre wohl auch mehr als unrealistisch –, und um berühmt zu werden schon gar nicht, denn das ist mir ehrlich gesagt völlig schnuppe. Eher als Chance, etwas zu machen, wozu man sonst vielleicht nie wieder die Gelegenheit hätte. Wir sind ja nicht mal bei Verlagen hausieren gegangen. Vielmehr wurden wir gefragt, ob wir nicht Lust hätten, ein Buch zu diesem Thema zu schreiben. Gereizt hat es uns schon allein des Machens wegen. Natürlich versuchen wir über unsere Facebook-Seite und die Mitarbeit an Promotionstätigkeiten wie diesem Interview hier den Verkauf anzukurbeln. Man kann schließlich nie wissen …

Florian: Auf alle Fälle sind wir realistischer geworden. Rampensäue sind wir nach wie vor nicht, und das will ich auch gar nicht ändern. Das Buch ist jetzt so eine Art Bonuslevel – natürlich fände ich es super, wenn man mit einem Buch übers Scheitern doch noch reich werden würde.

Darin haben Sie Ihr Diplomprojekt fortgeführt. Sind Sie dabei anders vorgegangen?

Florian: Zwangsläufig, denn inzwischen müssen wir wirklich Geld verdienen: Yvonne freiberuflich, ich in Festanstellung. Das Schreiben und die weiteren Aktionen liefen daher eher nebenher – und deutlich entspannter. Wir konnten uns auch mal Zeit für weniger öffentlichkeitswirksame Dinge wie länger angelegte Sparmaßnahmen nehmen.

Yvonne: Stimmt. Ich hab zum Beispiel enorm viel Energie in das Erlernen von Pokerstrategien investiert. Insgesamt haben wir weniger Dinge ausprobiert als im Diplom, uns dafür aber fokussierter und intensiver damit auseinandergesetzt.

Obwohl Sie als Kontrahenten gegeneinander angetreten sind, liest sich Ihr Wettstreit recht harmonisch. Gab’s auch mal so richtig Ärger?

Yvonne: Also, mir fällt da jetzt nix Schwerwiegendes ein …

Florian: Wie bitte? Mir fiele da schon was ein! Über die Sache mit „Wer wird Millionär“ war ich schon ziemlich sauer. Ich sag nur: Yvonne hatte gewisse Bedenken, die Redlichkeit betreffend. Weitere Details können Sie in unserem Buch nachlesen.

Dort halten Sie sich mit Ihrer Wut aber vornehm zurück. Hat sich eigentlich Ihr beider Blick auf die Welt verändert? Ich könnte mir vorstellen, dass Sie nun überall potenzielle Geschäftsideen entdecken.

Yvonne: Das ist tatsächlich so – mal mehr und mal weniger ernsthafte. Florian hat sich schon komplett auf absurde Nischen spezialisiert, wahrscheinlich legt er in einem Jahr das Buch „Best of Nonsens-Business“ nach.

 Florian: Richtig! Da ginge es dann zum Beispiel um die Eröffnung einer Zuchtstation für Miniaturgeier.

Yvonne: Im Ernst: Ich weiß nun, dass nicht jeder Unternehmer ein böser Kapitalist ist. Nicht, dass ich das vorher dachte, aber irgendwie glaube ich, dass ich entspannter bin, was die vorschnelle Meinung über alles angeht, was mit Geld machen zu tun hat. Man durchblickt politische und gesellschaftliche Zusammenhänge besser. Vielleicht liegt das aber auch gar nicht an unserem Projekt, sondern einfach daran, dass man auch älter wird …

Apropos Politik: Sie kochten nach Sarrazins Hartz-IV-Speiseplan, kauten eine Woche lang Stullen und fanden heraus, dass man mit 25 Euro pro Woche nicht verhungern muss. Was haben Sie sonst noch fürs Leben gelernt?

Florian: Oha. Die Moral von der Geschicht? Vielleicht die Erkenntnis, dass mich Geld nicht sonderlich interessiert. Und das Streben danach noch viel weniger. Es ging mir ganz schön auf die Nerven, ständig darüber nachdenken zu müssen, DIE Idee zum Geldverdienen zu haben. Ich komm auch ganz gut klar, wenn ich keine Million habe.

Yvonne: Ich bin beim Thema Geld auch etwas lockerer geworden. Vielleicht sogar risikofreudiger. Ich mach mir nicht mehr gleich ins Hemd, wenn ich mal tausend Euro tief im Dispo stecke. Immerhin bin ich seit über einem Jahr selbstständig. Es läuft, und ich fühle mich im Moment sehr wohl damit. Und selbst wenn es irgendwann mal nicht mehr funktionieren sollte, traue ich mir zu, irgendwo eine Anstellung zu bekommen. Verhungern werde ich wohl nicht. Ja – man könnte sagen, dass ich ein bisschen mehr Selbstvertrauen und Optimismus gewonnen habe, was dieses ganze Ding mit Berufs- und Lebensgestaltung angeht.

Existieren Ihre Millionenkonten eigentlich noch?

Florian: Oh, stimmt. Das Millionenkonto. Das gibt’s wohl noch. Vor einem Jahr waren da noch 30 Cent drauf. Vielleicht löse ich das mal lieber auf und kaufe mir davon was Schönes.

Yvonne: Bei mir dürften das auch so um die 45 Cent sein. Die lege ich dann bei dir obendrauf!

Zur Leseprobe von ›Wir sind jung und brauchen das Geld‹

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