50 Jahre Urteilsverkündung des
1. Frankfurter Auschwitz-Prozesses

50 Jahre Urteilsverkündung des 1. Frankfurter Auschwitz-Prozesses
Am 19. August 1965 wurde die zweitägige Urteilsverkündung im 1. Auschwitz-Prozess eröffnet. Seit 1963 war die Verhandlung gegen 20 an den Massentötungen Beteiligte geführt worden. Der Lagerkommandant Rudolf Höß hingegen war bereits im Warschauer Prozess 1947 verurteilt und hingerichtet worden.

Thomas Harding: Hanns und RudolfIn seinem Buch ›Hanns und Rudolf‹ berichtet Thomas Harding von seiner eigenen Familiengeschichte, die mit Rudolf Höß eng verbunden ist. Doch dass sein Großonkel Hanns Alexander ein Nazi-Jäger gewesen war, hatte Thomas Harding erst nach dessen Tod erfahren. In seiner Doppelbiografie rekonstruiert der Autor auf der Basis von Interviews und Dokumenten die Geschichte der zwei Deutschen Hanns und Rudolf:

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat das British War Crimes Investigation Team die Aufgabe, Nazi-Funktionäre aufzuspüren, die für die grausamsten Verbrechen verantwortlich waren, die die Welt bisher gesehen hatte. Mitglied des Teams ist Lieutenant Hanns Alexander, ein deutscher Jude, der mit seiner Familie ins Exil getrieben wurde und nun in der britischen Armee dient. Auf einem Bauernhof bei Flensburg nimmt er schließlich Rudolf Höss gefangen, den Mann, der Hitlers Massenmordprogramm in Auschwitz durchgeführt hat und dessen Geständnisse ein maßgebliches Zeugnis für die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse liefern werden.

»Sie können sicher sein, dass es nicht immer angenehm war, diese Berge von Leichen zu sehen und diesen Geruch von den ständigen Verbrennungen zu ertragen, aber Himmler hatte den Befehl dazu gegeben und sogar erklärt, weshalb die Massenvernichtung notwendig war, daher habe ich nie einen Gedanken darauf verschwendet, ob sie womöglich unrecht war.«

Diese Aussage von Rudolf Höß wurde aus der Zeit der Untersuchungshaft von einem Psychiater festgehalten. Dieser attestierte den Kommandanten als sadistischen Psychopathen ohne jegliche Moral. Rudolf Höß blieb bis zur Vollstreckung des Todesurteils am 16. April 1947 in Auschwitz überzeugter Nationalsozialist.

›Hanns und Rudolf‹ ist ab November auch als Taschenbuch erhältlich:

Thomas Harding
Hanns und Rudolf
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Hanns und Rudolf

Jürg Amann: Der Kommandant

»Und hier beginnt eigentlich meine Schuld. Ich war mir klargeworden, dass ich für den Dienst nicht geeignet war, weil ich innerlich mit dem Leben und Treiben im Konzentrationslager, wie es Eicke (Anm. d. Red.: Theodor Eicke, Inspekteur der Konzentrationslager) verlangte, nicht einverstanden war. Damals hätte ich zu Eicke oder zum Reichsführer SS gehen und ihm erklären müssen, dass ich für den Dienst an einem Konzentrationslager nicht geeignet wäre, weil ich zu viel Mitleid mit den Häftlingen hätte. Ich brachte den Mut dazu nicht auf: weil ich mich nicht bloßstellen wollte, weil ich meine Weichheit nicht eingestehen wollte, weil ich zu eigensinnig war, um einzugestehen, dass ich einen verkehrten Weg gegangen war, als ich mich von meinem Siedlungsvorhaben abkehrte. Ich war freiwillig zur aktiven SS gegangen, der schwarze Rock war mir zu lieb geworden, als dass ich ihn so wieder ausziehen wollte.«

Auch in ›Der Kommandant‹ von Jürg Amann kommt Rudolf Höß zu Wort. Während er in polnischer Untersuchungshaft saß, schrieb er in diesen Aufzeichnungen ohne jede Reue sein Leben nieder. Mit dem gleichen Pflichtbewusstsein, mit dem Höß die Vernichtungsmaschinerie in Auschwitz eingerichtet und geleitet hat, gab er akribisch Auskunft über seine Laufbahn, die den SS-Obersturmbannführer von Dachau und Sachsenhausen nach Auschwitz führte. Er schildert Entstehung, Organisation und Entwicklung der Konzentrationslager, vor allem aber seine Tätigkeit in dem Vernichtungslager Auschwitz.

Jürg Amann hat die umfassenden Aufzeichnungen zu einem beklemmenden Monolog verdichtet: Nichts daran ist erfunden und kaum ein Wort wurde hinzugefügt.

›Der Kommandant‹ ist als Taschenbuch erhältlich:

Jürg Amann
Der Kommandant - Nach den...

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