Alexandra Kui

Autorin von: Blaufeuer

 1. Wie sieht Ihr Schreiballtag aus?
Eher chaotisch. Manchmal schreibe ich stundenlang wie besessen, dann wieder häppchenweise. Anscheinend bin ich kein Typ für standardisierte Abläufe, ich freue mich jeden Morgen aufs Neue, keinen geregelten Arbeitszeiten zu unterliegen. Die Abgabetermine reichen völlig als fester Rahmen. Wo ich schreibe, hängt ebenfalls von der Tagesform ab. Ich habe ein Arbeitszimmer unter dem Dach als Rückzugsterritorium, schreibe aber genauso gern mit Notebook auf dem Balkon, wenn auf der Straße das Leben tobt.

2. Haben Sie dabei feste Rituale?
Nein, eigentlich nicht. Allenfalls gewisse Vorlieben: Ich mag es warm und ruhig. Manchmal höre ich aber auch über Kopfhörer stundenlang laut Musik, was den Rhythmus des Schreibens ungemein beflügeln kann. Wenn nichts klappt, gehe ich mit dem Hund spazieren.

3. Schreiben Sie von Hand?
Selten. Hin und wieder schreibe ich gern Postkarten an Freunde und das nicht nur im Urlaub. Außerdem habe ich die schlechte Angewohnheit, meinen Terminkalender so ausgiebig mit tagebuchartigen Notizen, Ideen und Textfragmenten zu bekritzeln, dass ich manchmal Termine versäume. Komischerweise meistens unangenehme.

4. Was wollten Sie als Kind werden?
Sobald mir klar wurde, dass es den Wilden Westen inklusive Cowboys und Indianern so nicht mehr gibt, wollte ich nicht mehr in einen Sioux-Stamm einheiraten, sondern Schriftstellerin werden. Geschrieben habe ich schon immer, jedenfalls so lange ich denken kann. Zwischenzeitlich war ich auch an einer Karriere als Bundeskanzlerin, Anwältin oder Pilotin interessiert. Vom Fliegen träume ich übrigens noch immer.

5. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Als Kind habe ich mir gern Geschichten ausgedacht und als wahre Erlebnisse ausgegeben. Bis meine Mutter mir den Rat gab, mit dem Flunkern aufzuhören und das Ganze lieber aufzuschreiben. Dabei half dann, dass ich immer gern gelesen habe. Zur Schriftstellerei als Beruf kam ich wie so viele über den Umweg des Journalismus.

6. Welcher Autor/welches Buch hat Sie nachhaltig geprägt?
Da gibt es etliche. Ein Autor, den ich besonders verehre und dessen Bücher ich immer wieder lese, ist Max Frisch. Frischs ›Montauk‹ und Arnon Grünbergs ›Phantomschmerz‹ haben mich auf die Widersprüchlichkeiten eines Schriftstellerdaseins vorbereitet. Als Teenager war ›Die weiße Rose‹ von Inge Scholl für mich fast schon eine Art Bibel, weil mir die Geschichte der Geschwister Scholl so imponierte. Und durch die Beschreibung des Hungers in ›Die Asche meiner Mutter‹ von Frank McCourt habe ich während des Studiums eine andere (wertschätzende) Einstellung zum Essen bekommen.

7. Welcher Autor sollte unbedingt noch entdeckt werden?
Sicher dramatisch viele, von denen ich auch noch nie gehört habe. Ein Autor, der zwar nicht gänzlich unbekannt ist, dem ich aber einen Platz auf der Bestsellerliste wünsche, ist Stewart O’ Nan.

8. Welches Buch hat Sie jüngst begeistert?
›Das war ich nicht‹ von Kristof Magnusson hat mich tempo- und geistreich unterhalten und mir nebenbei noch die Absurdität der Finanzmärkte erklärt.

9. Wen oder was wollen Sie unbedingt noch lesen?
Im Augenblick steht ›Zweite Person Singular‹ von Sayed Kashua ganz oben auf meiner Liste, angeregt durch ein Autorenportrait im Spiegel. Außerdem gibt es viel zu viele Klassiker, die ich noch nicht kenne. Und dann ist da noch der ambitionierte Vorsatz englische Bücher, die mir viel bedeuten, einmal im Original zu lesen.

10. Was lesen Sie zurzeit?
Max Scharnigg: ›Die Besteigung der Eiger-Nordwand unter einer Treppe‹.

11. Wo lesen Sie am liebsten?
Im Strandkorb oder im Straßencafé, leider komme ich viel zu selten dazu. Ansonsten auf dem Balkon im Sommer und vor dem Kaminofen im Winter, also immer dort, wo ich auch gern schreibe.

12. Wofür legen Sie jedes Buch beiseite?
Für einen Strandspaziergang oder eine Bergwanderung mit meiner Familie. Oder für ein Konzert meiner Lieblingsband Sigur Rós, die nach zwei Jahren Pause hoffentlich bald wieder tourt.

  

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