Angelika Jodl im Interview zu ›Alicia jagt eine Mandarinente‹

Wir haben Angelika Jodl zum Interview getroffen und einige spannende Hintergrundinformationen zu ihrem neuen Buch ›Alicia jagt eine Mandarinente‹ erfahren: über die Recherche, ihren Adoptivsohn Che und ihre Begeisterung für das Fremde!

Drei Mittvierziger, eine turbulente Reise durch China und viele unerhörte Überraschungen!

Alicia und Theo, Didi und Gregor: zwei Ehepaare Mitte vierzig, die miteinander befreundet sind. Als Gregor tödlich verunglückt, gerät das Gespann aus der Balance, denn Gregor, Charmeur und Hallodri, war der geheime Mittelpunkt. Im Andenken an Gregor brechen die drei schließlich ‒ aus ganz unterschiedlichen Beweggründen ‒ zu einer Reise nach China auf, wo sie mit einer fremden Kultur konfrontiert werden. Die täglichen Herausforderungen, mal skurril und witzig, mal ernst und von großer Tragweite, bewältigt dabei jeder auf seine Art. Eine Reise, auf der ihre Freundschaft und ihre Beziehung zueinander auf den Prüfstand gestellt werden.

1) Dein erster Roman, ›Die Grammatik der Rennpferde‹ hatte einen Helden, der aus Russland stammt; dein neuer Roman ›Alicia jagt eine Mandarinente‹ spielt größtenteils in China. Wie kommst du zu diesen exotischen Schauplätzen? Fasziniert dich das Fremde oder die Fremde?

Angelika Jodl: Ja, sehr. Und am meisten daran interessiert mich, was passiert, wenn Menschen aufeinandertreffen, die sich erst einmal nicht verstehen. Das können Kaufleute und Priester sein oder ein russischer Rennfahrer und eine deutsche Lehrerin. Wie wir bei aller Verschiedenheit miteinander zurechtkommen, das fasziniert mich ungeheuer, das ist sowas wie mein Lebensthema.

2) Wie ist das in China? Wie kommen Chinesen und Deutsche miteinander zurecht?

Angelika Jodl: Für unsere Landsleute scheint China kein leichtes Land zu sein, ich habe oft erlebt, wie deutsche Touristen gereizt auf China reagieren, es ist ihnen zu laut, zu überfüllt, sie fürchten sich vor dem Essen und gehen in Beijing zu McDonalds. Die Chinesen sind da ganz anders, die staunen gern. Unterwegs in China wird man immer wieder von Wildfremden gefragt, ob man sich zusammen fotografieren lassen darf. Hinterher ist dann die Freude groß über die Ausbeute: hier – ich und da: meine erste Langnase!

3) Inzwischen hast du ja verwandtschaftliche Beziehungen zu China. Wie ist es dazu gekommen?

Angelika Jodl: Ich bin damals nach China geflogen, um für meinen aktuellen Roman zu recherchieren, ich wollte mir ein paar Stellen in Beijing und auf der Großen Mauer ansehen und brauchte einen Dolmetscher und Reiseführer. Der Betreiber eines deutschen Reisebüros in China hat mir seinen besten Mann empfohlen. So habe ich Che getroffen, der heute mein Sohn ist.

4) Che ist dein chinesischer Adoptivsohn – hast du ihn vom Fleck weg adoptiert? Geht das überhaupt so einfach?

Angelika Jodl: Nein, das war ein längerer Prozess, zu dem mein Mann und ich auch erst mal das Einverständnis von Ches leiblichen Eltern eingeholt haben. In Asien passiert das gar nicht so selten, dass Menschen, die schon mit Eltern versorgt sind, noch von einem weiteren Paar zum Sohn oder zur Tochter erklärt werden. Über die Einzelheiten dieser besonderen Elternschaft gibt es von mir eine Geschichte im neuen dtv-Lesebuch zum Muttertag.

5) Das heißt also, dein China-Roman ist nicht deshalb entstanden, weil du praktischerweise schon einen chinesischen Sohn im Haus hast?

Angelika Jodl: Richtig, es war genau umgekehrt: Nur weil ich diesen Roman geschrieben habe, ist mir mein Sohn zugewachsen, einen besseren hätte ich nirgendwo sonst finden können.

6) Deine letzte Reise nach China hat dich wohin geführt?

Angelika Jodl: Nach Liaoyang, Ches Heimatstadt in Nordostchina. Da habe ich meine neue Verwandtschaft kennen gelernt: Ches leibliche Eltern, viele Onkel und Tanten und sogar eine reizende, alte Oma.

 

Angelika Jodl
Alicia jagt eine Mandarinente
Angelika Jodl
Die Grammatik der Rennpferde

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