Der Verlag wird 50!

Heute: Dora Heldt (Autorin) und Bärbel Schmidt (Verlagsvertreterin)

Man hat mich gebeten, ein paar nette Worte zum 50. Geburtstag des Deutschen Taschenbuch Verlages zu schreiben. Was heißt eigentlich gebeten? Es wurde mir mitgeteilt, dass ich ein paar nette Worte schreiben könne. Zum 50. Geburtstag. Aber da wir ja unter uns sind: Es war ein Befehl. Ohne Möglichkeiten der Ablehnung. Es hieß: »Schreib. 50. Geburtstag. Schnell.«

Normalerweise ist der dtv sehr freundlich. Zu allen. Zu Autoren, zu Buchhändlern, zu Lesern, zu Journalisten, zu Gästen. Wer immer auch ins Haus kommt, der sagt hinterher: »Nein, was sind die alle nett und charmant.«

Jetzt ist es mit dem dtv und mir so eine Geschichte. Eigentlich sind wir gleichaltrig, der dtv und ich. Genau genommen bin ich zwei Monate jünger, er wird im September 50, ich im November. Wir kennen uns jetzt seit über der Hälfte unseres Lebens, seit genau 26 Jahren, so lange arbeiten wir schon zusammen. Ich bin seine Vertreterin, er ist mein Verlag. Ich habe seine Bücher zunächst im Warenhaus verkauft, dann in den norddeutschen Buchhandlungen. Ich habe Reden für Abschiede und Geburtstage gehalten, Kundenlisten überarbeitet, Reisepläne geschrieben, Manuskripte gelesen, Weihnachtskarten verschickt, Stunden im Auto, im Zug, im Flieger verbracht. Ich war bei Vertreterkonferenzen in München, am Tegernsee, am Chiemsee, im Winter eingeschneit, im Sommer verschwitzt. Als alles nicht mehr reichte, habe ich auch noch angefangen, Bücher zu schreiben. Es ist ja nicht so, dass ich mir keine Mühe gebe. Das muss ich als die Jüngere.

Mühe habe ich mir ja immer schon gegeben. Das liegt an meiner Erziehung. Bei meinen Eltern habe ich übrigens nur 22 Jahre gelebt, beim dtv nun schon vier Jahre länger.

Und jeder erinnert sich doch an Sätze seiner Kindheit. »Was ist mit den Hausaufgaben?«, oder, »Alles, was bei drei noch auf dem Boden liegt, fliegt in den Sperrmüll«, oder »Du brichst dir keinen Zacken aus der Krone, wenn du mal eben schnell den Flur putzt.« Ich erinnere mich daran. Trotzdem hatte ich eine schöne Kindheit. Und manchmal ist es immer noch so wie früher. 

Natürlich muss ich in München nicht den Flur putzen und ich werfe im Verlag auch nichts mehr auf den Boden. Wir sind ja heute erwachsen und kennen uns schon so lange. Und wir haben uns auch furchtbar gern. Und hängen aneinander. Aber das heißt noch lange nicht, dass man sich gegenseitig verzärteln muss. Und man kann ja wohl schnell mal ein paar Sätze zum Verlagsjubiläum schreiben. Ohne, dass einem ein Zacken aus der Krone fällt. So!

Gerade bekomme ich eine E-Mail. »Was ist mit dem Text? LG«

Heißt »LG« nicht liebe Grüße? Da kann man mal sehen, jetzt werden wir auf unsere alten Tage auch noch weich. Aber keine Angst, das ist nur wegen des Jubiläums, da kommen alle in Feierlaune. Und hinterher wischen wir dann zusammen den Flur. Ich freue mich!

Mit sentimentalen Erinnerungen

Dora Heldt (Autorin) und Bärbel Schmidt (Verlagsvertreterin)

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