Dietmar Bittrich: ›Wie man das Fest allen unvergesslich macht‹

Jeden Tag eine neue Geschichte. Unsere Autoren wünschen frohe Weihnachten!

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Viele Menschen beschweren sich über Weihnachten. Es verlaufe zu friedlich, zu harmonisch. Allzu einträchtig sitzen die Verwandten unterm Lichterbaum, allzu gutmütig unterhalten sie sich beim Essen, allzu wohlwollend tauschen sie Geschenke aus.

Das ist schade! Denn so wird die wichtigste Gabe des Festes missachtet: sein Konfliktpotenzial. Vergeuden wir es nicht! An den Feiertagen ist die Familie nur für kurze Zeit beisammen. Nutzen wir sie, um Bewegung ins Gefüge zu bringen!

Vielleicht mag Opa vorangehen: »Wann bist du denn nun endlich mit deinem Studium fertig?«, soll er den Enkel fragen. »Du musst doch irgendwann mal dein eigenes Geld verdienen!« Das ist gut für den Start. Aber noch zu wenig.

Oma soll Erziehungsratschläge besteuern, nach dem Motto: Ich hätte so was nicht durchgehen lassen. Und für unsere Tochter muss sie eine Frage parat haben: »Hat dein Aufenthalt denn jetzt was gebracht, in dieser Klinik, oder bist du immer noch magersüchtig?«So entzünden sich die ersten Funken.

»Es ist bei ihr wohl so eine Weigerung, erwachsen zu werden«, erklären wir. Damit sollte das Gespräch die erforderliche Temperatur erreichen. Rasch noch etwas für Oma. »Woran mag es nur liegen, dass du im letzten Jahr so gealtert bist?«, forschen wir mit wissenschaftlichem Interesse. »Wenn man die Fotos vergleicht – das scheint ja ein regelrechter Alterungsschub gewesen zu sein!«

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Nun schmeckt auch das Essen. Opa informieren wir: »Unser Nachbar hat dich einparken sehen und meint ebenfalls, du solltest dringend deinen Führerschein abgeben!« Noch ein Sahnehäubchen: »Dieses ganze Gehirnjogging hat anscheinend gar nicht angeschlagen?«

Jetzt lediglich noch die Schwiegereltern gegeneinander ausspielen, am besten durch Vergleiche: »Brigitte und Peter haben nun mal das schönere Haus, da passt auch der schönere Tannenbaum rein!« Oder: »Claudia und Wolfgang machen immer diese tollen Reisen, aber das muss man sich auch leisten können!« Nachgeschoben: »Schade, dass das bei euch nicht drin ist.«

Wenn wir nun noch unsere Geschenke verteilen, leere Gläser »mit weihnachtlicher Luft«, Gratisproben von Cremes und Shampoos aus Zeitschriften, den Gutschein »Für eine Beratung bei der Al-Anon-Gruppe« und das vollkommen unbedruckte »Buch zum Selberschreiben«, dann müsste sich unser Weihnachten zu genau dem entwickeln, was alle sich immer gewünscht haben: zu einem unvergesslichen Fest. Ach, wie einfach das ist!

Dietmar Bittrich veröffentlichte bei dtv »Der kleine Weihnachtsbösewicht«

 

 

Bittrich-Grusz

 

Alle Titel des Autors:

Dietmar Bittrich
Der kleine Taschenbösewicht

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Ungleiche Paare
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Dietmar Bittrich
Wie man sich und anderen das Leben...
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