Hans-Jürgen Feldhaus: Weihnachtserinnerungen

Jeden Tag eine neue Geschichte. Unsere Autoren wünschen frohe Weihnachten!

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Zuerst wurde bei uns zuhause ein Adventskranz auf den Tisch geknallt, angezündet und – Zack – dann war auch schon Heiligabend. – Ende!

… was jetzt aber auch wieder gelogen ist, weil zwischen der ersten angezündeten Adventskerze und Heiligabend war – wie soll ich sagen – ein Loch. Also nicht, dass du mich missverstehst: Weihnachten bei uns war top! – Unzählige Adventskalender wurden für uns unzählige Feldhauskinder an die Feldhauswände genagelt. Es wurde gebastelt und gebacken. Und gesungen wurde bei uns, das kannst du dir nicht vorstellen. Eine Muh, eine Mäh, eine Tä-te-rä-tä-tä – Still! Still! Still! … die komplette Top 40 aller Weihnachtslieder rauf und runter. Bis Maria durch ein’ Dornwald ging. … also das Lied jetzt. Nicht Maria selbst. Eine Maria gab’s bei uns ja auch gar nicht. Es gab mich … und die anderen alle! Und von allen Feldhauskindern insgesamt war ich das jüngste. Und ich schätze mal, das nervigste ganz sicher auch noch, was …

… aber auch jetzt echt nicht das Thema ist. Thema ist: Ein Loch! Also das in der kompletten Weihnachtszeit eben. – Da freut man sich wie bescheuert auf Heiligabend, weil da das Christkind kommt, sehr wahrscheinlich mit einer Carrerabahn unterm Arm, weil die stand ja auch ganz oben auf meinem persönlichen Wunschzettel an das Christkind, und dann kommt das Christkind aber gar nicht.

Und da sagst du jetzt vielleicht: »Der Feldhaus ist doch total verpeilt und hat sich in der Adresse verhauen. Weil wenn hier einer die geilen Geschenke unter den Baum wirft, dann doch wohl der Weihnachtsmann!«

Worauf ich dir dann sagen müsste: »Selber verpeilt! Weil den Weihnachtsmann gibt es gar nicht. Den hat eine Getränkefirma erfunden und wie die jetzt heißt, sage ich nicht, weil das dann Schleichwerbung wäre und überhaupt: Wenn es den Weihnachtsmann gäbe, dann würde bei euch jedes Jahr nur eine Kiste Coca-Cola unter dem Baum rumstehen und …«

… sagen wollte ich eigentlich: Man freut sich wie bescheuert auf Heiligabend und ganz klar auf das Christkind mit der endgeilen Carrerabahn unterm Arm und dann kommt das Christkind deshalb nicht, weil die verdammte Zeit bis Heiligabend einfach nicht rumgehen will.

Zeit war das Problem, nicht die Adresse! Die verdammte Zeit! Vom ersten Advent an verlief die immer und immer langsamer. Und von Adventstürchen zu Adventstürchen kam bei mir mehr und mehr der ganz starke Verdacht auf, dass da irgendeine Übermacht ganz blöd an der amtlichen Weltuhr rumfummelt, weil die komplette Weihnachtszeit immer unrunder und viel zu langsam daher eierte.

… bis zum Tag 24! Heiligabend! Stillstand! Gefangen in Zeit und Raum! Also räumlich gesehen erstmal in der Kirche. Weil da mussten wir natürlich auch alle hin. Und wenn ich sage alle, dann meine ich auch alle. Meiner ganz klaren Erinnerung nach quetschte sich Heiligabend die komplette Menschheit in die viel zu kleine Josefskirche und trat sich vorm Altar die Füße platt. Bis dann endlich auch mal der Pastor reingeschlurft kam und dann wurde gepredigt und gesungen. Unendlich lang! Und als ich zum 2837sten Mal die drei Schäfchen in der Kirchenkrippe rechts vom Altar durchzählte und rein innerlich gesehen dann auch ganz normal wegnickte, schreckte ich im nächsten Moment wieder auf, weil die komplette Menschheit Amen! brüllte, weil die Messe gelesen war und alle Mann wieder aus der Kirche stürmten.

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Dann – zuhause angekommen: Bescherung im Wohnzimmer! Also noch nicht gleich. Weil zuerst traten wir uns wieder die Füße platt. Vor der verschlossenen Wohnzimmertür diesmal. Meine Geschwister und ich. Ohne die komplette Menschheit, aber zusammen mit Mama. Weil Papa konnte nicht. Weil der war ja auch schon im Wohnzimmer und machte den Weihnachtsbaum und die Geschenke klar. Zusammen mit dem Christkind und nicht mit dem Weihnachtsmann. Logisch!

Dann, endlich: Das Startsignal. »Fertig!« brüllt Papa durch die Tür und Mama stimmt ein Weihnachtslied an. Oooo du fröhliche! – Alle singen mit. Die Tür springt auf. Papa da, das Christkind ist weg. Also nicht ganz weg. Eine kleine Kopie von ihm liegt noch in der Krippe rum. – Alle stürmen die Bude und werfen sich unter den Weihnachtsbaum. Also jetzt auf die Geschenke, die da drunter liegen, und dann …

… lief die Zeit wieder im Normalmodus. Was aber auch wieder nicht ganz stimmt, weil die Zeit raste. So schnell, wie die Rennwagen auf meiner Carrerabahn, die ich dann auch ganz klar gekriegt hatte.

… wäre auch schwer was losgewesen, wenn ich sie nicht gekriegt hätte. Weil immerhin stand sie ganz oben auf dem Wunschzettel für das Christkind … und nicht für den Weihnachtsmann! … logisch!

 

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Alle Bücher des Autors:

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Echt abgefahren!
Hans-Jürgen Feldhaus
Echt krank!
Hans-Jürgen Feldhaus
Echt fertig!

Hans-Jürgen Feldhaus
Echt durchgeknallt!
Hans-Jürgen Feldhaus
Echt fettZwei Katastrophen in einem Band

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