Hervé Le Tellier: Neun Tage in Lissabon

Ein malerischer Blues über die Liebe und das Leben

Le Tellier

»Aus den Augen, stets im Sinn«

Dass man der Liebe nicht so leicht entfliehen kann, müssen zwei Freunde in Hervé Le Telliers neuem Roman ›Neun Tage in Lissabon‹ erfahren. Eigentlich sind sie in der Stadt, um über einen Prozess zu berichten und um Abstand von ihren amourösen Verwirrungen in Paris zu gewinnen. Doch Lissabon zieht sie immer weiter in einen schwärmerischen Taumel der Emotionen, der für sie zum Prüfstein ihres Lebens wird.

Vincent und António sind um die vierzig, die Stirn lichtet sich bereits, aber ihr Interesse an romantischen Abenteuern ist ungebrochen. Sie lassen sich gehörig die Köpfe verdrehen. Hinter der Leichtfüßigkeit ihrer Beziehungen aber brodelt die Lava der Eifersucht, die Angst vor Vergänglichkeit und die Ohnmacht gegenüber den eigenen Gefühlen.

Als Vincent erfährt, dass António eine Affäre mit seiner großen Liebe Irene hat, geht er auf die Suche nach dessen Jugendfreundin Pata, um, wie er sagt: »das Schicksal zu korrigieren«. Verwicklungen sind vorprogrammiert – umso mehr, als Irene und Pata nicht die einzigen Frauen bleiben, die das Seelenleben der zwei Freunde ins Wanken bringen.

In bildreichen, poetischen Sätzen fliegt Le Tellier über ein Minenfeld – und weiß genau, wo die Sprengsätze sich verbergen. Mit treffsicherer Beobachtungsgabe schildert er den Zauber und den Schmerz der Liebe und des Lebens. Seine Figuren erstehen aus fotografischen Erinnerungen, Blicken, Gesten, in denen sich Welten auftun, eine unbändige Lebenslust genauso wie romantische Abgründe.

›Neun Tage in Lissabon‹: Ein sinnlicher Blues. Tiefgehend und doch mit Leichtigkeit erzählt, vor der malerischen Kulisse der alten Hafenstadt, der man verfällt wie einer unwirklichen Urlaubsliebe.

Veronika Pfleger, dtv Internet-Redaktion

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