Jussi Adler-Olsen:
›Meine Weihnachtsrituale‹

Jeden Tag eine neue Geschichte. Unsere Autoren wünschen frohe Weihnachten!

Jussi mag

Weihnachten verbringe ich immer mit so vielen Familienmitgliedern wie möglich. Seit meine Eltern gestorben sind, feiern wir Weihnachten vor allem mit der Familie meiner Frau. Und wir feiern es sehr traditionell …

Der Weihnachtsbaum muss bis an die Decke reichen. Auf seiner Spitze sitzt ein alter hölzerner Hampelmann – ein Baby mit einem blauen Bogen, den ich 1951 zu Weihnachten geschenkt bekommen habe.

Wir versammeln uns am Nachmittag und bereiten gemeinsam das Essen zu. Und mit Essen meine ich ein sehr üppiges Mahl! Es besteht aus einer Ente mit getrockneten Pflaumen, geröstetem Schwein mit einer schönen Kruste, zwei verschiedenen Kartoffelarten – »normale« und karamellisierte Kartoffeln, verschiedene Bratensaucen, kleine gebratene Fleischbällchen und dänische Schweinswürste. Zum Abschluss gibt es den traditionellen Reispudding mit Mandeln und einer warmen Kirschsauce – aber mir schmeckt er mit kalter Kirschsauce besser!

In Dänemark enthalten die Süßspeisen nicht nur kleine Mandelstücke, sondern immer auch eine ganze Mandel. Wer das Dessert mit der ganzen Mandel erwischt, bekommt ein Geschenk. In meiner Familie verteilen wir sogar zwei ganze Mandeln im Dessert. Manchmal schummeln die Dänen und verstecken die Mandel in der Portion für den oder die Jüngste der Familie, aber das würden wir in meiner Familie nie tun.

Nach dem Essen ruhen wir uns erst einmal aus.  Wenn wir wieder bei Kräften sind, geht es an die Geschenke. Dazu versammeln wir uns unter dem Weihnachtsbaum. Es gibt Verwandte, die vor dem Fest immer wieder versuchen, die Anzahl der Geschenke zu begrenzen. Ich versuche zwar, mich daran zu halten, aber das klappt nicht immer …

Zuerst bilden wir um den Baum herum einen Kreis und singen – oft bis zu zehn Weihnachtslieder. Wir enden mit dem skandinavischen Weihnachtslied ›Nu er det jul igen‹, das man aus dem Film ›Fanny und Alexander‹ von Ingmar Bergmann kennt. In dem Film bildet die ganze Familie eine lange Kette und rennt durch das Haus, hinaus und wieder hinein, alle zusammen, wirklich alle, auch wenn jemand seine Schuhe verloren hat und draußen im Schnee in Strümpfen laufen muss.

Wenn wir Weihnachten mit meinen Schwestern feiern, lesen wir von der Geburt Jesu aus dem zweiten Kapitel des Lukasevangeliums. Früher war es immer mein Vater, der laut vorgelesen hat, jetzt tut es der Familienälteste. Alle hören ganz still zu.

Endlich ist es dann  an der Zeit, die Geschenke auszupacken. Auch hier darf der Familienälteste beginnen – das geht zuerst ganz gesittet vonstatten, doch das Chaos nimmt seinen Lauf und für die Reihenfolge interessiert sich irgendwann niemand mehr. Jeder greift sich seine Geschenke in beliebiger Folge, der einzige Unterschied zwischen Jung und Alt: üblicherweise gehen die Älteren sorgsam mit dem schönen Geschenkpapier um, die Jüngeren kämen gar nicht darauf.

Gegen halb zwei in der Nacht ist alles vorbei und wir genehmigen uns zum Abschluss noch eine Limonade oder einen Sherry.

Übrigens kaufe ich meine Geschenke immer in letzter Minute – und die beginnt meistens am 22. Dezember … Allerdings führe ich ganzjährig eine Liste mit Geschenkideen, jeder angedeutete Wunsch wird in dieser Liste registriert. Dann muss ich die Geschenke nur noch beschaffen.

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