Keine Mauer ist besser als eine Mauer

Jubiläum 25 Jahre Mauerfall - Erinnerungen von Sybil Volks

Sybil Volks, Keine Mauer ist besser als eine Mauer

Wir waren so weit fort vom Geschehen wie man es in Deutschland nur sein kann. Unsere links-alternative Studenten-WG in Freiburg saß fassungslos vor dem Fernseher, als die Mauer fiel. Wir wollten weder das Volk noch ein Volk sein. Wir hatten keine Ahnung und wussten es doch mal wieder besser: Das konnte kein gutes Ende nehmen. Die BRD, unser Staat, den wir nicht für besonders freiheitlich und demokratisch hielten, würde die DDR schlucken und sich einverleiben. Ein ganzes Volk würde vereint, dumm und froh Bananen essen, die ausgebeutete Kleinbauern in der Dritten Welt für uns anbauten … Heute lebe ich schon lange in Ostberlin, direkt an der früheren Grenze. Ich bin froh, dass die Mauer weg ist, auch wenn sich nicht alles zum Guten »gewendet« hat. Denn keine Mauer ist besser als eine Mauer. Das gilt auch heute für die Grenze USA/Mexiko (über 3000 km, mehrere hundert »Mauertote« pro Jahr), Israel/Westjordanland, Nord-/Südkorea, Marokko/EU (Ceuta und Melilla), die Ukraine/Russland (wo man in diesen Tagen über eine neue Mauer nachdenkt) und die berühmt-berüchtigte in unsere Köpfen.

Text: Sybil Volks, Autorin von ›Torstraße 1‹

Wie haben Sie die Nacht des Mauerfalls erlebt? Wir sind gespannt auf Kommentare mit Ihren persönlichen Erinnerungen.

Sybil Volks
Torstraße 1

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