Kindertag 2016

Die schönsten Kinderbücher damals und heute – ein Azubi wird nostalgisch

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Es war einmal, vor langer Zeit … ach nein, lassen wir das besser. Ich möchte keine Märchen erzählen. Vielmehr geht es mir um die Geschichten, die wir als Kinder hörten, vorgelesen bekamen, selbst zum ersten Mal entzifferten. Sie prägen uns oft auch noch im Erwachsenenalter, die Märchen, die Abenteuer … und manchmal lieben wir sie jetzt noch mehr als damals. Und eben weil sie sich so sehr in unserem Gedächtnis und unserem Herzen festsetzen, sind sie so wichtig. Sie geben uns Orientierung, erzählen uns von der Bedeutung von Freundschaft und Familie, davon, was wirklich zählt im Leben.

Die Klassiker unter den Lieblingsbüchern

Viele Bücher, die wir – die wir angeblich das sind, was man gemeinhin als »erwachsen« bezeichnet – als Kinder gelesen haben, sind heutzutage Klassiker. Na gut, ›Die drei ???‹ lösen immer noch Fälle und haben inzwischen sogar ein feminines Pen­dant. Und bei den Wilden Fußballkerlen lebt die Legende, wie man so hört. Aber das Vamperl ist schon einundvierzig Auflagen alt – und hat sich dennoch hervorragend gehalten. Und erinnern wir uns nicht alle an den Findefuchs? Der hat schon über dreißig Jahre auf dem Buckel. Trotzdem sind die beiden immer noch da und helfen Kindern dabei, das Lesen zu lernen und spannende Geschichten zu erleben – ja, sie bringen ihnen sogar Englisch bei.

Renate Welsh
Das Vamperl
Joachim Masannek
Die wilden Kerle - Die Legende lebt
Irina Korschunow
The Foundling Fox

Nein, das hier wird keine »Früher war alles besser«-Rede, denn die Kinderbücher heutzutage können ziemlich gut mit den Klassikern mithalten. Stetig werden zahlreiche spannende und kreative Welten erschaffen, an die man sich auch noch erinnern wird, wenn man dem Kindesalter entwachsen ist – und man muss eigentlich auch kein Kind sein, um Spaß daran zu haben.

Fremde Welten: Von extraterristrischen Abenteuern und Helden mit besonderen Gaben

Das Wichtigste in Kindergeschichten sind doch die Abenteuer, oder? Fremde Welten, gefährliche Gegner und Aliens, die plötzlich eine Bruchlandung in deinem Haus hinlegen. Mit Aliens müssen sich auch die Spacekids rumschlagen – Science-Fiction vom Feinsten und noch dazu richtig lustig. (»Die Sonne scheint!«, brüllte sie. »Natürlich tut sie das!«, antwortete Perry. »Und zwar seit rund viereinhalb Milliarden Jahren!«)

Das sind Abenteuer, bei denen wir froh sein können, dass wir überhaupt davon erfahren – das meiste ist nämlich streng geheim und wird nur mit uns Lesern geteilt. Also jetzt mal Hand auf’s Herz und Verschwiegenheit schwören, dabei am besten noch die gefühlt fünfzig verschiedenen Bonds aus dem Kopf werfen. Denn sein Name ist Lane, Chris Lane: Halbwaise aus ärmlichen Verhältnissen, notorischer Unruhestifter und Hitzkopf vom Dienst. Er ist Teil einer kleinen Gruppe Kinder, die aufgrund einer besonderen Gabe in dem Eliteinternat Myers Holt Academy aufgenommen wurden. Doch Myers Holt ist nicht einfach eine Schule: Chris und seine Freunde werden zu echten Spionen ausgebildet. Und wenn wir eines von Spionagefilmen gelernt haben, dann Folgendes: Ein Superspion ist nichts ohne einen echt fiesen Erzfeind.

»Willkommen in Myers Holt. Ich hoffe, das Jahr bei uns wird euch gefallen. Wir haben euch wegen eurer ungewöhnlichen Talente ausgewählt, die ihr sehr bald näher kennenlernen werdet. Schon im Vorhinein möchte ich euch daran erinnern, dass ihr euch zur Geheimhaltung verpflichtet habt und über das, was ihr hier lernt, außerhalb dieser Einrichtung nicht sprechen dürft. Das ist sehr wichtig. Habt ihr verstanden?«

Christian Tielmann
Notlandung in der Milchstraße 17a
Andreas Schlüter
Spacekids
Monica M. Vaughan
Die Spione von Myers Holt - Eine...

Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt

… das sagt zumindest Albert Einstein und bekennt damit, dass Nobelpreisträger auch nur Menschen sind, aber darum soll es hier nicht gehen. Es geht um Phantasie. Heutzutage kann wohl kaum ein Kind mehr behaupten, den Hobbit gelesen zu haben, bevor er in drei Teile gespalten, mit einen Haufen Actionszenen aufpoliert und auf die große Leinwand gebracht wurde. Aber der gute J.R.R. Tolkien in Papierform wird wohl immer die schönsten Blüten in den Köpfen der Leser treiben.

Auf den Spuren Bilbos wandeln in Sachen Phantasie viele wunderbare Gestalten, die es ebenfalls zu entdecken lohnt: die ›Wildhexe‹ zum Beispiel … oder die Zaubererfamilie Heap: Ihr siebter Sohn Septimus verstarb gleich nach der Geburt, dabei sollte er eigentlich ein mächtiger Zauberer werden. Und als sie dann ein Findelkind bei sich aufnehmen, verändert sich ihr Leben schlagartig, denn jemand will der kleinen Jenna an den Kragen. Zusammen mit einer Zauberin, einer Weißen Hexe und einer Botenratte macht sich das Mädchen auf die Flucht – doch wer ist dieser vollkommen verstörte Jungen 412, der unterwegs in die ganze Sache verwickelt wird?

»Sie hat ihn mitgenommen«, rief Sarah verzweifelt. »Septimus ist tot, und sie hat ihn mitgenommen.«

J.R.R. Tolkien
Der kleine Hobbit
Lene Kaaberbøl
Wildhexe - Die Feuerprobe
Angie Sage
Septimus Heap - Magyk

Aber so arg begrenzen muss man sein Wissen ja nicht

Manchmal stellt man nach der Lektüre eines Kinderbuchs fest, dass einem rücklings Bildung eingeflößt wurde. Aber ist das nicht eigentlich die schönste Art zu lernen? Indem Manfred Mai von dem deutschen Bauernkrieg erzählt, Bernard Evslin alles über die Welt der griechischen Mythen erklärt oder Katharina Neuschaefer einen Einblick in die nordischen Sagen gibt. Ich gebe zu: Der Großteil meines Wissens über Mythologie stammt aus dem Kino, also war ich milde überrascht, als ich herausfand, dass die Sache zwischen Thor und Loki bei Weitem komplizierter war, als ein gewisser Superheldenfilm es hat aussehen lassen.

Es gab eine Zeit vor der Zeit, da herrschte das Nichts. Es gab nicht Sand noch See noch kalte Woge oder Himmel. Die Leere war endlos, und es gab nur Stille und Dunkelheit. Es gab weder Götter noch Menschen, keine Zwerge und keine Riesen. Nicht ein einziges lebendes Geschöpf. Es gab nur das Nichts, die gähnende Leere: Ginnungagap.

Bernard Evslin
Götter, Helden, Ungeheuer
Katharina Neuschaefer
Die Nordischen Sagen

Unsere Freunde auf vier Pfoten

Also »zu meiner Zeit« waren Mäuse noch flinke kleine Cartoon-Charaktere, die Katzen verprügelt haben. Oder flinke kleine Buchcharaktere, die auszogen, um das Fürchten zu verlernen. Als Kind liest man ja ohnehin über alles, was kreucht und fleucht – man erinnere sich an dieser Stelle an diese kleine Raupe, die immer Appetit hatte. Und ja, liebe Kinder, auch ›Das Dschungelbuch‹ war einmal, wie der Name so schön sagt, ein Buch. Aber die Tiere haben auch heute noch so einiges auf dem Kasten. Haustiere sagen uns inzwischen sogar klar und deutlich ihre Meinung und die gute Luzie hat ja ohnehin Meerschwein, wenn sie jede Menge Chaos im Zoo anrichtet und dann einfach davonkommt. Böse kann man ihr ohnehin nicht sein, dafür sind die Illustrationen zu putzig.

Doch besonders kurios ist wohl die Geschichte von Flora und Ulysses. Gespickt mit den bezaubernden Illustrationen von K.G. Campbell, erzählt Kate DiCamillo die Geschichte eines Super-Eichhörnchens, das eine Familie verändert. Dabei ist die comicbegeisterte Flora eine wunderbare Zynikerin, hoffnungslos von ihrer Liebesromane schreibenden Mutter genervt, und Ulysses eigentlich nur ein hungriges Eichhörnchen, welches nach einer ziemlich fiesen Begegnung mit einem Staubsauger, besondere Fähigkeiten erhält (und einiges an Fell verliert).

»Das Eichhörnchen!«, rief Flora.

»Der Staubsauger!«, rief Mrs Tickham.

Sie starrten auf den Ulysses 2000X und auf das Eichhörnchen, das den Staubsauger mit einer Pfote über seinen Kopf hielt.

Hanna Johansen
Ich bin hier bloß die Katze
Anna Lott
Luzies verrückte Welt
Kate DiCamillo
Flora und Ulysses - Die fabelhaften...

Es gäbe natürlich noch viele andere Welten, die ich an dieser Stelle erwähnen sollte. Welten, die schön und magisch und witzig und spannend und aufregend sind. Aber wer hätte bitte die Zeit, mir so lange zuzuhören? Deshalb will ich schlussendlich nur eines sagen: Die Geschichten, die Kinder lesen, begleiten sie ein Leben lang. Lasst uns dafür sorgen, dass es besonders schöne Geschichten sind.

Luisa Jann / Auszubildende bei dtv

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