Krischan Koch: ›Weihnachten in De Hidde Kist‹

Jeden Tag eine neue Geschichte. Unsere Autoren wünschen frohe Weihnachten!

Koch magFoto 1 Friesenbaum

Die Nacht ist frostig und sternenklar. Auf den Deichen liegt Raureif, die Pfützen im Watt haben eine dünne Eisschicht. Auf der gläsernen Eingangstür in De Hidde Kist glitzern die Eisblumen. Der kleine Stehimbiss an der Fredenbüller Dorfstraße ist festlich geschmückt. Seit Advent rankt sich eine Lichterkette über die Dunstabzugshaube. Und wie jedes Weihnachten hat Antje ihren Jöölboom auf den Glastresen gestellt und mit einem grünen Kranz dekoriert.
Den Heiligen Abend feiert die Imbisswirtin traditionell mit ihrer Stammbesetzung von Stehtisch Zwei. Polizeiobermeister Thies Detlefsen fehlt allerdings; er hat heute Abend familiäre Verpflichtungen.  Aber Postbote Klaas, Landmaschinenvertreter a. D. Piet Paulsen und Althippie Bounty bringen sich mit ein paar Glühweinen in Festtagsstimmung.
Alle Jahre wieder entzünden sich hitzige Diskussionen um das Weihnachtsmenü.
»Antje, bloß keine Umstände«, findet Paulsen. »Einfach ´n schönes Putenschaschlik Hawaii. Wunderbar.«
»Mensch Piet, heute kann dat doch büschen wat Festliches geben«, wendet Klaas ein. »Hawaii, dat passt doch nich zu Weihnachten.«
»Wieso nich, diese drei Könige kamen doch auch von da unten.« Paulsen deutet gen Süden zur Bundesstraße Richtung Husum.
»Piet, die kamen aus´m Morgenland und nich von Hawaii.«
So hat Antje die beiden Stehtische zusammengestellt und in ihrer Imbissküche einen traditionellen Karpfen Blau gezaubert. Nach dem Essen gibt es friesische braune Schmalzplätzchen mit Gewürzen aus Bountys Kräutergarten. Zu später Stunde schneit dann doch noch Thies herein, mit Friseurin Alexandra und dem Schimmelreiter im Schlepptau. Die Stimmung wird dank der üppig ausgeschenkten Verdauungsschnäpse und Bountys bewusstseinserweiternder Keksrezeptur richtig festlich. Der Leadgitarrist von »Stormy Weather« stimmt eine Bluesversion von Hiamelk naacht, hilig naacht an.
Und  Piet Paulsen meint  durch die Eisblumen hindurch die Heiligen Drei Könige die Fredenbüller Dorfstraße zur Badestelle Neutönninger Siel hinunterlaufen zu sehen. Ungläubig sieht er ihnen über die Gleitsichtbrille hinterher.
»Freunde, Bethlehem is aber die andere Richtung.«

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Foto Jöölboom: bloomingdeel.de (dort auch käuflich zu erwerben)

Der Jöölboom oder Kenkenbuum ist die nordfriesische Variante des Weihnachtsbaums. Wegen des geringen Baumbestandes an der Nordseeküste und vor allem auf den Inseln besteht er aus einem Holzgestell, in das ein grüner Kranz eingebunden wird. Traditionell wird der Friesenbaum mit Figuren aus Salzteig, Äpfeln und Backpflaumen geschmückt.

Foto Werkkeller: privat

Autor Krischan Koch im Vorweihnachtsstress. Der neue Fredenbüll-Krimi ist noch nicht fertig. Und außerdem muss noch ein Jöölboom gezimmert werden.

Weihnachtsgruß klein

Alle Titel des Autors:

Krischan Koch
Rote Grütze mit Schuss
Krischan Koch
Mordseekrabben

Krischan Koch
Rollmopskommando

Ein Kommentar zu “Krischan Koch: ›Weihnachten in De Hidde Kist‹

  • 13. August 2018 um 17:38
    Permalink

    Ich bin süchtig nach den Nordseekrimis. Und dies, obwohl ich ein Älpler bin. Manches Mal stelle ich mich auf einen hohen Berg und blicke gen Nord-nord-west. Doch die Wölbung der Erde lässt es nicht zu bis nach Nordfriesland zu sehen. Schade.
    Ich muss wohl doch noch mein Holländerfahrrad hervorholen, abstauben, gut ölen und mal in diese Richtung fahren.
    Ich hoffe nur, dass mir Antje in der „Hidden Kist“ nicht auf allzu exotische Spezialitäten umstellt. Ich würde mich auf ein original „Schaschlik-Husum“, das mit den Apfelringen drauf, freuen. Oder ein Croque mit ihrer berühmt-berüchtigter Sauce.
    Eine andere Hoffnung hätt ich allerdings auch noch. Nicht gleich nach meiner Ankunft von Thies Dethlefsen verdächtigt zu werden, in seinem geliebten Fredenbüll für kriminelle Energien verantwortlich zu sein. Für Energien bin ich nicht zuständig. Das will ich gerne Lara, dem Geist,
    überlassen.
    Ich denke Bounty hätte seine Freude, wenn er in seiner Gewürzküche – in der Küche überhaupt – einen Koch haben könnte, der ihm seinen Keksen neue Geschmacksnoten, nebst alt bewährtem Inhalt, kreiern würde. Abwechselnde Genüsse mit bewusstseinserweiterter Wirkung, quasi.
    Bis dahin möchte ich meine allerherzlichsten Grüße an die Stammbesetzung der „Hidden Kist“ schicken.
    Heiner Repolusk
    aus dem Bregenzer Wald (ähnlich wie Fredenbüll, nur etwas buckliger und ohne Nordsee, dafür aber am „Schwäbischen Meer“)

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