Rafik Schami: Eine deutsche Leidenschaft namens Nudelsalat

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Seit vierzig Jahren lebt der syrische Autor Rafik Schami nun schon in Deutschland. Seinen deutschen Mitbürgern oder vielmehr ihren Gepflogenheiten begegnet Rafik Schami dann und wann aber immer noch mit Staunen und Verwunderung. Einige Momente dieses Staunens hat er in ›Eine deutsche Leidenschaft namens Nudelsalat‹ auf sehr humorvolle Weise beschrieben.

Rafik Schami: Eine deutsche Leidenschaft namens NudelsalatSo verblüfft ihn nicht nur die entschiedene Hartnäckigkeit, mit der die Deutschen zu Einladungen stets ein selbstgemachtes Gericht – bevorzugt Nudelsalat – mitbringen. Arabern hingegen würde es im Traum nicht einfallen, die Kochkunst der Gastgeber durch eigens mitgebrachte Speisen zu beleidigen, im Gegenteil:

»In Damaskus hungert ein Gast am Tag der Einladung, weil er weiß, dass ihm eine Prüfung bevorsteht. Er kann nicht einfach bloß behaupten, dass er das Essen köstlich findet, er muss es beweisen, indem er eine Unmenge davon verdrückt. Das grenzt oft an Körperverletzung, denn keine Ausrede hilft.«

Auch zu den kleinen, bunten Autofähnchen während der Fußball-WM hat Rafik Schami seine ganz eigenen Theorien, die einen Bogen von E-Deutschen (Echtdeutschen) über U-Deutsche (Unechtdeutsche) bis hin zur Abwrackprämie ziehen. Letztere sei die indirekte Folge von Krawallen zwischen E- und U-Deutschen nach Fußballspielen zwischen Deutschland und der Türkei, bei denen die türkische Mannschaft verloren hatte.

»Als aber 300 Autos von E-Deutschen in Flammen aufgingen, wurde die Regierung tätig. Zur Strafe ließ sie 30 000 Autos von U-Deutschen brutal verschrotten. Das Ausland war entsetzt. Das sei keine Strafe eines demokratisch regierten Landes, sondern eine Rache, die an Vergangenes erinnere, und beim Wort ›Vergangenheit‹ bekommen die E-Deutschen einen ziemlich großen Gewissensbiss. Also beeilte sich die Regierung, den Betroffenen Schadensersatz zu zahlen. Immerhin sollen es 2500 Euro pro verschrottetes Auto gewesen sein.«

In 20 Geschichten aus den Jahren 1990 bis 2010 erzählt Rafik Schami in ›Eine deutsche Leidenschaft namens Nudelsalat‹ aber nicht nur vom Anderssein, sondern auch von Sehnsucht und Liebe, Einsamkeit und Märchenhaftem und nicht zuletzt von Mord und Totschlag – zumindest in Gedanken.

So unterschiedlich Rafik Schamis Geschichten auch sein mögen, sie kommen alle zu demselben Schluss: Groß sind die Unterschiede zwischen der arabischen und der deutschen Kultur, aber mit Humor und einem Augenzwinkern betrachtet, können sie auch sehr amüsant sein – und alles andere als unüberwindbar.

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