Buchrezension: Das Feuer der Freiheit von Lyndsay Faye

Fesselnder Abschluss der Bestseller-Trilogie

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Mit ›Das Feuer der Freiheit‹ findet die Trilogie um den ersten Polizisten von New York seinen flammenden Abschluss. Lyndsay Faye nahm uns in drei Bänden mit auf eine wunderbar authentische Zeitreise in das New York der 1850er Jahre. Schon damals eine Stadt der Extreme.

New York 1848 – eine Stadt im Rausch. Die wachsende Metropole ist Schmelztiegel von unterschiedlichsten Nationalitäten, Religionen und Kulturen. Der ausufernde Luxus einer kleinen Elite finanziert sich durch die Ausbeutung der Massen. Reichtum und Dekadenz regieren nur wenige Straßenblöcke entfernt von bitterer Armut, Hunger und Verelendung. Und täglich kommen weitere Schiffe aus dem ›alten Kontinent‹ an. Voll von Menschen, die von der Hoffnung auf ein besseres Leben getrieben sind – wenn man so mag, das Zerrbild des amerikanischen Traums zur Zeit der zunehmenden Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts.
Gleichzeitig weht der raue Wind der Veränderung durch die New Yorker Straßen. Politische Querelen sind an der Tagesordnung, die Arbeiterklasse begehrt auf und die Frauenrechtsbewegung geht ihre ersten mutigen Schritte. Und mitten in diesem Wirrwarr treibt ein Feuerteufel sein Unwesen. Fabriken brennen und zwei Menschen sterben. Timothy Wilde, Polizist wider Willen, muss sich seinen Urängsten stellen und wird immer wieder von seiner grausigen Vergangenheit eingeholt.

Die Handlung ist, analog zu den vorherigen Bänden, kein eindimensionaler Kriminalroman von Mord über vertrackte Ermittlungen hin zur Aufklärung. Vielmehr werden mehrere Stränge geschickt miteinander verwoben. Da sind die zutiefst korrupte Politik, die Habgier der wohlhabenden Fabrikbesitzer, die Träume der Menschen von einem besseren Leben und all dies in einer wunderschön authentisch geschmiedeten Kulisse einer pulsierenden Metropole.
Denn auch der dritte Roman der Timothy Wilde-Serie besticht mit einer minutiös recherchierten Welt. Genau aus dieser ja fast schon historischen Kulturstudie zieht der Roman seine Stärken. Die Figuren wirken authentisch, sind keine holzschnittartigen Schablonen oder abgekupferte Stereotypen aus Hollywoodstreifen wie ›Gangs of New York‹. Passend dazu kommt die Dramaturgie erfrischend ungekünstelt daher und springt nicht reißerisch von Cliffhanger zu Cliffhanger. Durch dieses authentische Szenario entsteht eine atmosphärische Dichte, die den Leser schnell in den Bann zieht. Die – in der Tat gewöhnungsbedürftige – Gaunersprache ›Flash‹ stört den Lesefluss zwar ab und an, ist aber historisch fundiert und rundet daher die Zeitreise in das 19. Jahrhundert auch semantisch gekonnt und glaubhaft ab.

Auch im letzten Band über den ersten Ermittler der New Yorker Polizei, ist Hauptprotagonist Timothy Wilde unverändert sympathisch, wenn auch sein Schutzschild aus Sarkasmus und Ironie zu bröckeln beginnt. Das Pendel zwischen Hass und Liebe zu seinem Bruder Val scheint noch rasanter auszuschlagen. Die Geister der Vergangenheit (etwa aus Band eins ›Der Teufeln von New York‹) holen ihn immer häufiger ein und dann schwirrt auch noch der Schatten seiner großen Liebe Mercy Underhill durch die New Yorker Gassen. All das eingehüllt in Timothy Wildes klugen Sinn von Recht und Gerechtigkeit, ohne dass er mit der wild schwingenden Moralkeule durch die Stadt zieht, ist schlichtweg angenehm.

»Das hier ist mein Bruder, der Kleine da. Haben Sie schon einmal so eine Familie gesehen, bei der alle Vorzüge – hochgewachsen, klug, gut aussehend – in einem Bruder vereint sind?«
»Vergiss nicht die Laster«, konnte ich mir nicht verkneifen anzufügen.  

Wer sich von der anfangs gewöhnungsbedürftigen, weil historisch anspruchsvollen, Erzählweise nicht abschrecken lässt, wird mit einem großartigen Roman samt flammendem Finish belohnt.

Von Linus Schubert, Internetredaktion

 

Lyndsay Faye
Das Feuer der Freiheit

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