Rita Falk: ›Weihnachten bei den Eberhofers‹

Jeden Tag eine neue Geschichte. Unsere Autoren wünschen frohe Weihnachten!

Falk mag

Bruderherz und Schleimsau in einer Person, also unser Leopold, der hat für dieses Weihnachten beschlossen, er will bei sich zuhause feiern. Schließlich hat er nun Frau und Kind, und das schreit ja geradezu nach heimeligen Festivitäten, hat er gemeint. Bis zu diesem Punkt hin hat mich das noch herzlich wenig interessiert. Soll er doch feiern, wo immer er mag. Wie allerdings die Sprache drauf gekommen ist, wir alle, also der Papa, die Oma und meine werte Wenigkeit, wir müssen unbedingt alle dazu stoßen, weil immerhin ist der Heilige Abend auch deswegen heilig, weil er im Zeichen der Familie steht, da war ich prompt aus dem Spiel.

Ohne mich, hab ich gesagt. Ich hock mich doch nicht unter den Leopoldschen Christbaum und schau zu, wie er den Papa vollschleimt, abwechselnd seine Panida und die kleine Uschi anhimmelt und den einen oder anderen abwertigen Text über die Bowle hinweg in meine Richtung hechelt.

Nein, echt nicht.

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Da bleib ich lieber daheim und setz mir einen fetten Glühwein auf. Ja, irgendwie freu ich mich richtig darauf. Meine Schnecke, die Susi, wird bei mir sein, und sie will ihre göttliche Lasagne mitbringen. Mir bleiben die Regensburger Domspatzen erspart und auch die Beatles. Ich kann mit der Susimaus durchs Wohnzimmer tanzen, die Musik auf Höllenlautstärke drehen und wir können sämtliche Plätzchen leer futtern, die der Papa noch so übergelassen hat.

Ein Traum.

Und jetzt … jetzt ist es auch schon soweit. Ich bin frisch geduscht und edel gezwirnt, hab die Lichterketten am Baum angestöpselt und ungefähr hundert Kerzen angezündet. Der Tisch ist feierlich gedeckt und der Glühwein duftet schon durch alle Räume, wie auch schon die Susi reinkommt. Sie trägt ein Engelskostüm und drunter nur Strapse, was bei mir eine Schnappatmung auslöst. Das wird das heißeste Weihnachten aller Zeiten!

Und nur Augenblicke später, grad, wie ich außer Socken und Schlips so rein gar nichts mehr anhab, genau da, geht die Tür auf und die Oma kommt rein. Hinter ihr der Papa, der Leopold und die Panida mit der schlafenden Uschi am Arm.

»Was soll das?«, schrei ich, während ich meine Klamotten vom Fußboden fisch.

»Mei, Franz«, brummt der Papa. »Wir haben doch bis jetzt immer zusammen gefeiert, und daran soll sich auch nix ändern, gell. Servus, Susi.«

Ganz toll, wirklich. Aber zum Glück haben sie wenigstens noch was zu essen dabei. Die Lasagne nämlich, die hätte niemals gereicht.

Frohes Fest dtv

Alle Titel der Autorin:

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Winterkartoffelknödel
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Dampfnudelblues
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Grießnockerlaffäre
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Funkenflieger
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Zwetschgendatschikomplott
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Leberkäsjunkie

Ein Kommentar zu “Rita Falk: ›Weihnachten bei den Eberhofers‹

  • 12. Dezember 2015 um 18:41
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    Herrlich die Geschichte von Rita Falk. Sehe die Situation vor meinen Augen.
    Erfrischend, wie Ihre Eberhofer-Krimis.

    Antwort

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