Silvia Avallone: Ein Sommer aus Stahl

Der italienische Bestseller jetzt im Taschenbuch

Silvia Avallones ›Ein Sommer aus Stahl‹ erzählt vom Mikrokosmos einer heruntergekommenen Mietskaserne in Piombino. Ein drastisches, kluges Buch über eine Seite Italiens, die wir im Urlaub eher nicht zu Gesicht bekommen.

Sommer aus Stahl

Keine vier Kilometer ist es bis zum Touristenparadies Elba, aber Francesca und Anna waren noch nie dort. Die beiden dreizehnjährigen Freundinnen verbringen ihre Nachmittage auf dem Festland gegenüber, am vermüllten Strand von Piombino – und blicken aufs Meer wie auf ein besseres Leben, das noch vor ihnen liegt.

Hinter ihnen, nur einen Steinwurf entfernt: die rauchenden Kamine des riesigen Stahlwerks, das das Leben in Piombino fest im Griff hat, und die Mietskaserne, in der sie aufgewachsen sind – errichtet einst vom kommunistischen Gemeinderat im Bestreben, auch den Metallarbeitern den Blick aufs Meer zu ermöglichen. Doch die Aussicht ist schon lange getrübt, die besten Zeiten der »Grube« sind vorbei, das Gemäuer der Kaserne bröckelt – und Perspektiven sind rar. Zwischen den 1538 Grad heißen Stahlkesseln ist der einzige Trost für die Arbeiter der Anblick der Pin-up-Bilder auf ihren Kohleschaufeln. Ihre Frauen schrubben zu Hause die Fußböden und hadern mit ihrem Schicksal. Langeweile bestimmt den Alltag und bricht sich immer wieder in Hass und Gewalt Bahn.

Anna und Francesca aber tollen über den Strand. Sie schwärmen von Jungs und Mofas, tauschen Erdbeer-Lippgloss, entdecken übermütig ihre Körper und sehnen sich danach, endlich ausgehen zu dürfen. Die Küste von Piombino ist ihr Paradies – auf Zeit. Irgendwann, das wissen sie, wollen sie hier weg. Müssen sie weg, denn sie sind keinesfalls unberührt vom Elend der vergessenen Arbeiterklasse: Der eine Vater gewalttätig, der andere ein Spieler, die Mütter resigniert oder unfähig, etwas zu ändern. Die Kaserne wirft ihren Schatten in den Sand.

In einem unumwundenden, beizeiten derben Ton straft Silvia Avallone in ›Ein Sommer aus Stahl‹ das Bella Italia unserer Postkarten Lügen. Zugleich aber feiert sie mit berührender Intensität das unbeirrbare Vermögen der Jugend: sich trotzdem am Leben zu freuen.

Veronika Pfleger, dtv Online-Redaktion

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