#womensupportingwomen: Für mehr Freundschaft und weniger Konkurrenzdenken

 

Wann habe ich eigentlich aufgehört, mit meinen Freundinnen ganz unbeschwert zusammenzusitzen, Eis zu löffeln, Filme zu schauen und über wirklich alles, was uns so passiert ist, zu reden?

Ich denke, der größte Einschnitt kam, als ich mit 25 mein erstes Kind zur Welt brachte. Während meiner Schwangerschaft dachte ich noch, dass sich nicht viel ändern würde. Natürlich würden mich meine Freundinnen auch weiterhin besuchen, wir würden kichern und quatschen, sie würden meinen Kleinen lieben und mich ständig besuchen. Nichts würde sich ändern, dachte ich, und hatte keine Ahnung, wie falsch ich damit lag.

Kaum war mein Sohn geboren, zog eine Freundin ins Ausland, die nächste verliebte sich und wurde nicht mehr gesehen und die dritte kämpfte damit, seit Jahren Single zu sein. Und nun hatte die erste in ihrem Freundeskreis nicht nur geheiratet, sondern auch noch ein Kind bekommen. Ich hingegen war einfach nur unfassbar müde und hatte kein Ohr mehr für die Geschichten meiner Freundinnen, die sich für mich inzwischen fast anhörten, als würden sie in einer ganz anderen Welt leben.

Auch Margot, die Protagonistin von Harriet Walkers Roman „Die Neue“ macht ganz ähnliche Erfahrungen, denn nach der Geburt ihrer Tochter bricht ihre beste Freundin Winnie den Kontakt zu ihr ab. Winnie hat nämlich kurz zuvor ihr eigenes Kind verloren. Der besten Freundin jetzt dabei zuzuschauen, wie glücklich sie mit ihrem gesunden Baby ist, das würde wirklich übermenschliche Kräfte verlangen …

Und so versucht sich Margot mit Maggie anzufreunden, der Frau, die sie als ihre Elternzeitvertretung eingestellt hat, obwohl Margot sich schwertut, ihren Traumjob nicht von der jungen und erfolgreichen Frau bedroht zu sehen. Ich denke, es ist oft schwer, Frauenfreundschaften über ein ganzes Leben hinweg aufrechtzuerhalten, einfach deshalb, weil wir meist sehr unterschiedliche Ziele im Leben verfolgen. Die eine möchte Karriere machen, die andere eine Familie gründen, die nächste vielleicht beides unter einen Hut bringen und schon passiert etwas, das uns voneinander trennt; denn viele empfinden die persönlichen Lebensentwürfe ihrer Freundinnen als einen Angriff auf den eigenen.

Doch warum muss das so sein?

Vielleicht, weil wir Frauen daran gewöhnt sind, ständig miteinander verglichen zu werden, weil von uns erwartet wird, stark und sanft, schön, aber natürlich, mütterlich und unabhängig zu sein und eine einzelne Frau das alles niemals erfüllen kann? Deswegen sollten wir unsere unterschiedlichen Lebenswege eigentlich feiern und uns darin unterstützen und bestätigen. Wir brauchen Freundinnen, die nicht alles im Leben genauso machen wie wir, wir brauchen Freundinnen, die unsere Welt bereichern, indem sie andere Wege gehen und wir sollten dabei nicht in Konkurrenz zueinander stehen, sondern uns gegenseitig anfeuern.

 

Ein Beitrag von Andrea von @leseninvollenzügen

 

Harriet Walker
Die Neue
Harriet Walker
Die Neue

 

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