Zu Besuch bei…Benjamin Cors

Welche Art von Musik hat ihn beim Schreiben inspiriert? Wofür braucht er Butterkuchen und Sanddorntee? Und welche Serien darf man seiner Meinung nach zurzeit nicht verpassen? Die Antwort auf diese und weitere Fragen erfahrt ihr hier: Herzlich willkommen in der Schreibwerkstatt von Benjamin Cors!

 

Wie sieht Ihr Schreiballtag aus?

Ehrlich gesagt schreibe ich wann und wo immer ich gerade Zeit habe. Und ebenso ehrlich gesagt: Das variiert leider sehr in Häufigkeit und Intensität – und auch, was den Ort betrifft. Aber immer wieder finde ich mich bereits um 6 Uhr in der Früh in einer kleinen Bäckerei bei uns in der Nähe wieder, während es draußen noch lange dunkel ist. Ich bin dann der erste Gast, und bleibe dann für zwei Stunden in der Ecke sitzen. Mein kreativer Schreibprozess hat sich Gott sei Dank an meine Umtriebigkeit, was Ort und Zeit betrifft, angepasst. Zehn bis 15 Seiten am Tag können es dann schon mal werden.

Haben Sie dabei feste Rituale?

Mein Schreiben beginnt immer, wirklich IMMER, mit Musik. Ich setze die Kopfhörer auf, klicke mich ein bisschen durch diverse Playlisten und lande dann doch immer beim gleichen: Ludovico Einaudi, ich weiß, dass viele Autoren zu seiner Musik schreiben, oder zumindest nachdenken. Die Kunst ist es dann, sich nicht ablenken zu lassen, drinbleiben in der Geschichte, weil das Wieder-rein-finden nicht immer einfach ist.

Arbeiten Sie mit einem Notizheft, einer Pinnwand oder Ähnlichem?

Eine „Pinnwand-to-Go“, das fehlt mir noch zu meinem Glück. Tatsächlich habe ich früher viel „geplotet“, versucht, mir ein Gerüst zu bauen und mich daran entlang zu hangeln. Mittlerweile vertraue ich mehr auf mein Bauchgefühl, lasse mich mehr von bestimmten Wörtern und Sätzen an die Hand nehmen. Aber klar, ein paar Notizen braucht es dann doch …

Was wollten Sie als Kind werden?

Ich habe vermutlich alle Klassiker mitgenommen: Tierarzt, Lehrer – und dann irgendwann eben Journalist. Geschichtenerzähler eben, das war im Nachhinein keine schlechte Idee.

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Letztendlich begann alles mit einem Song, er nennt sich „Deauville sans Trintignant“. Darin geht es um ein älteres Ehepaar  am Strand in der Normandie – und plötzlich war da eben der Gedanke, eine Geschichte zu entwickeln, die darauf aufbaut. Und weil Journalisten ohnehin dazu neigen, sich für großartige Schreiber zu halten, habe ich einfachangefangen. Und jetzt sind wir fünf Bücher weiter und ich mag den Song noch immer.

Welcher Autor oder welches Buch hat Sie nachhaltig geprägt?

Jede Autorin, jeder Autor, von denen ein noch nicht veröffentlichtes Manuskript in der Schublade liegt. Weil alleine Schreiben schon das Lesen rechtfertigt.

Welches Buch hat Sie jüngst begeistert?

Julie Zeh, Unterleuten. Fast konkurrenzlos. Und Robert Menasse, Die Hauptstadt. Trotz allem.

Wen oder was wollen Sie unbedingt noch lesen?

Die letzten Bände von Fred Vargas, auf französisch. Ich bin in Verzug. Und natürlich den ganz wunderbaren Roman, mit dem ich dieses Jahr hoffentlich anfange, voller Liebenswürdigkeit und Lebenspoesie. Vielleicht nenne ich ihn „Zu Fuß nach Wien.“ Schöner Titel.

Was lesen Sie zurzeit?

Axel Hacke, „Wozu wir da sind, Walter Wemuts Handreichungen für ein gelungenes Leben.“ Noch so ein Lebenspoesie-Künstler. Dazu noch mit einem sprechenden Kühlschrank, ich probiere es ab und zu aus, meiner schweigt beharrlich.

Wo lesen Sie am liebsten?

In einer ostfriesischen Teestube, der Wind zerrt an den Läden, der Sanddorntee zieht noch, der Butterkuchen heißt Butterkuchen, weil er aus Butter besteht. Irgendjemand sagt „Moin“ und die Fähre ans Festland fährt erst in drei Tagen.  

Wann legen Sie jedes Buch beiseite?

Derzeit für ziemlich gute Serien: „Das Boot“, „Bad Banks“, „Der Pass.“ Auch Drehbücher sind Bücher und weil ich genau daran auch arbeite, freue ich mich über so viel neue Qualität im Fernsehen.

 

Mehr zu Benjamin Cors und seinem neuesten Buch ›Sturmwand‹.

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