Zu Besuch bei … Birgit Hasselbusch

Foto-SchreibtischInsa Nicolaisen beschließt, dass ihr Leben so nicht weiter gehen kann und wandert kurzerhand nach Villefranche in Südfrankreich aus. Doch was ihr dort alles passiert, hätte sie nicht vorhersagen können. Mit Witz und Charme gibt uns Birgit Hasselbusch die Autorin von ›Ein Sommer in Villefranche‹ einen Einblick, wie und wo sie am liebsten schreibt und wie sie dazu gekommen ist.

Wie sieht Ihr Schreiballtag aus?

Allzeit bereit, lautet mein Schreibmotto. Sprich, ich schreibe auch gerne mal nachts, sofern ich nicht schon bei der Tagesschau auf dem Sofa eingeschlafen bin. An meinem Laptop am Schreibtisch, sitze oft aber auch in Cafés und tue so, als würde ich schreiben, belausche stattdessen aber die Gespräche anderer Leute.

Haben Sie dabei feste Rituale?

Ganz wichtig ist ein Strauß Blumen. An den Blüten kann man dann immer zwischendurch mal rumzuppeln und die Vase von links nach rechts schieben. Dann stelle ich mir gerne vor, ich sei die Ehefrau eines wohlhabenden Geschäftsmannes, die als Beruf: “Blumenbouquets arrangieren” angibt. Und Lakritze sowie Haselnusschokolade dürfen auf keinen Fall fehlen. Das auf dem Schreibtisch-Foto ist nämlich eine optische Täuschung. Das ist gar kein Apfel, sondern eine Tafel Schokolade.

Arbeiten Sie mit einem Notizheft, einer Pinnwand o.Ä.?

In meiner Handtasche habe ich eine Unmenge an Zetteln, auf denen ich kleine Anekdoten aus dem Alltag notiere. Am liebsten absurde Kommunikationen zwischen älteren Ehepaaren: Sie: “Jürgen, ich würde mal gerne auch deine Meinung dazu hören.” Er: “Wozu?” Sie: “Auch wieder wahr!”

Was wollten Sie als Kind werden?

Sportreporterin im Ausland, was ja auch geklappt hat. Der Plan B von meiner Freundin und mir war, uns mit einer Murmelbahn und einem Eisladen an irgendeinem Strand selbstständig zu machen. (Obwohl ich fairerweise anmerken muss, dass wir elendige Schummlerinnen waren, weil wir die Murmeln immer in das Loch geschoben haben, anstatt sie nur kurz anzuticken.)

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Im Deutschunterricht hatte ich die Bücher immer sehr schnell durch und habe  mich dann ein bisschen gelangweilt und angefangen, sie rückwärts zu lesen. Seitdem kann ich ja rückwärts sprechen, auf mehreren Sprachen.  Mein neuestes Buch heißt beispielsweise “ehcnarfelliV ni remmoS”.  Als ich alle Bücher rückwärts durch hatte, habe ich gedacht. Schreibste doch mal eins vorwärts.

Welcher Autor/welches Buch hat Sie nachhaltig geprägt?

“La clé sur la porte” von Marie Cardinal. Haben wir in der Schule gelesen. Grob umrissen lässt eine Mutter den Schlüssel auf der Haustür stecken, damit die Freunde ihrer drei Kinder immer Zutritt zur Wohnung haben. Da habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass nicht alle Leute gleich ticken, dass man das, was die eigenen Eltern einem vorleben, nicht immer eins zu eins abnicken muss. Schließlich habe ich sofort 100 Wochen Hausarrest angedroht bekommen, wenn bei uns nur  mal jemand nach 20 Uhr noch geklingelt hat.

Welcher Autor sollte unbedingt noch entdeckt werden? 

Manche Übersetzer von Speisekarten im Ausland. Die zaubern so schöne Gerichte wie: “Gegrilltes Händchen”. Oder “Pizza vier Bahnhöfe.” Oder Hinweise dort auf Schildern wie: “Wir aprachen Deutsches”

Welches Buch hat Sie jüngst begeistert?

Alle Arten von psychologischen Spannungsromanen, bei denen um die Ecke gedacht und gebracht wird. Wo man am Ende denkt: “Ach, guck an, den oder die hatte ich ja gar nicht auf dem Zettel.”

Wen oder was wollen Sie unbedingt noch lesen?

“Anna Karenina”. Ich bin jetzt Mitte,

 Ende 40, da drehen  doch eh alle Frauen durch. Und die  Deutscharbeit meines Sohnes, die er so geschickt vor mir versteckt hält, die würde ich auch gerne mal lessen.

Was lesen Sie zurzeit?

Leider Gottes die SMS der Lehrerin meiner Tochter, die mich beschimpft, dass sie es äußerst schlecht erzogen findet, dass meine Tochter die 13 Euro für den Ausflug noch nicht abgeliefert hat, obwohl sie sie schon dreimal drauf hingewiesen habe. Deswegen wird meine Tochter gleich eine SMS von mir lesen, wodrin ich sie frage, was zum Teufel sie mit den 13 Euro angestellt hat, die ich ihr schon lange mitgegeben habe.

Wo lesen Sie am liebsten?

Am Strand von Villefranche!

Wofür legen Sie jedes Buch beiseite?

Für Schokolade, Stracciatella, Haselnuss, Mango und Melone. Eis schlägt Buch, hat aber auch leider ein paar mehr Kalorien!

 

Birgit Hasselbusch
Sommer in Villefranche

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