Zu Besuch bei…Cally Stronk und Constanze von Kitzing

Wer wäre fast Polizistin geworden? Wer startet seinen Tag mit frisch aufgekochtem Darjeeling-Ingwer-Kardamom-Tee mit Akazienhonig und einem Schuss Hafermilch? Wann greifen die Beiden zum Kinderbuch? Die Antwort auf diese und weitere Fragen erfahrt ihr hier: Herzlich willkommen in der Schreib- und Zeichenwerkstatt von Cally Stronk und Constanze von Kitzing!

 

Wie sieht Ihr Schreiballtag aus?

Cally Stronk
Ich schreibe total nach Gefühl. Egal wann, egal wo – ich möchte mich da nicht von Zeiten oder Orten abhängig machen. Manchmal arbeite ich am Schreibtisch, manchmal auf der Couch, manchmal auch auf dem Balkon, auf der Terrasse unseres Familien-Ferienhäuschens…selten in Cafés. Da beantworte ich höchstens ein paar Emails. Hauptsache ist, ich habe meine Ruhe. Für mich ist Schreiben allerdings auch viel Denken. Je mehr ich vorher an der Geschichte, an den Charakteren im Kopf arbeite, je strukturierter ich sie entwickle, umso leichter fällt dann auch das Schreiben selbst.

Ich brauche einen Plan, den ich jederzeit über Bord werfen kann.

Und richtig gut wird die Geschichte dann oft erst beim Überarbeiten. Bei jedem Lesen schau ich, wo geht es noch lustiger, wo noch spannender, ist das alles logisch, brauche ich das wirklich, fehlt was? Oder finde ich noch ein Sprachspiel, ein Bild, das noch besser ausdrückt, was ich sagen will.

Constanze von Kitzing 
Normaler Weise arbeite ich so bald ich die Kinder in den Kindergarten und in die Schule gebracht habe. In Corona-Zeiten ist es tatsächlich ziemlich chaotisch, ich arbeite, so bald sich eine Lücke ergibt, dann oft auch mal mit einem Kind auf dem Schoß und dem anderen Kind mit den Hausaufgaben und 1000 Fragen gegenüber. Dabei kann ich mich zum Glück ganz gut mit meinem Mann abwechseln, der Jazzgitarrist und Gitarrenlehrer ist.

Bisher habe ich hauptsächlich analog, also mit Bleistift, Pinsel und Papier gearbeitet. Inzwischen illustriere ich auch viel digital, also mit Zeichenprogrammen am Rechner, so auch für Callys und mein Buch Unheimlich peinlich. Beide Arbeitsweisen machen mir tatsächlich gleich viel Spaß.

 

Wie strukturieren Sie Ihren Arbeitsalltag?

Constanze von Kitzing 
Ich bekomme von den Verlagen immer einen Termin, zu dem die Zeichnungen fertig sein müssen, ich versuche dann grob die Arbeit so aufzuteilen, dass ich den Termin gut einhalten kann, das funktioniert in den meisten Fällen gut. Im Fall von Unheimlich peinlich war das extrem schwer, weil ich so ein umfangreiches Buch noch nie illustriert hatte und es viel länger gedauert hat, als geplant war. Da war der Verlag zum Glück sehr flexibel, uns allen ging es einfach darum, ein richtig schönes Buch zu machen.

 

Haben Sie dabei feste Rituale?

Cally Stronk
Ich habe relativ wenig feste Rituale in meinem Leben. Seit einigen Wochen mache ich täglich morgens und abends Yoga und Meditation. Ich hab das Gefühl seitdem kann ich viel klarer denken und auch mehr auf den Punkt arbeiten. Ich hab eine ganz andere Energie. Das Schreiben richtet sich aber eher nach Deadlines und Zwischenschritten. Erst schreib ich das Konzept mit Grobplot, arbeite an Charakteren und Motiven, der Dramaturgie, dann kommt die Kapitelplanung und dann das Immer-wieder-Lesen-und-Gucken-wo-es-noch-besser-geht.

Constanze von Kitzing 
Ich beginne den Tag mit frisch aufgekochtem Darjeeling-Ingwer-Kardamom-Tee mit Akazienhonig und einem Schuss Hafermilch. Danach kann mich nichts mehr stoppen.

 

Arbeiten Sie mit einem Notizheft, einer Pinnwand oder Ähnlichem?

Cally Stronk
Je nach Bedarf. Ich habe ein Büchlein, in dem ich schöne Sätze sammle. Eines für schöne Wörter. Oft mache ich mir eine Ideenkarte, eine Mindmap, zu Beginn eines Projektes. Und ich diktiere meine Ideen oder einzelne Formulierungen ziemlich oft in die Notiz-App meines Handys. Wenn ich mit jemandem zusammenarbeite oder Autor*innen coache, dann auch durchaus mal mit einem Flipchart.       

Constanze von Kitzing 
Ich habe eine laufende Datei, in der ich Ideen festhalte. Ansonsten nehme ich mir vergleichsweise viel Zeit für Skizzen. Für Unheimlich Peinlich habe ich tatsächlich einfach drauf los gezeichnet, das war sehr befreiend.

 

Was wollten Sie als Kind werden?

Cally Stronk
Auf jeden Fall nicht Sargdesignerin. ;-)

Nein im Ernst, erst wollte ich ganz klassisch Polizistin werden, dann Schauspielerin, bei Filmen hinter die Kulissen gucken und schließlich Sängerin. Meinen jetzigen Beruf finde ich absolut perfekt. Ich kann mich in alle Richtungen austoben. Auf dem Papier, vor der Kamera und auf der Bühne bei Lesungen. Super.  

Constanze von Kitzing 
Kinderbuchillustratorin und -autorin. :-D

 

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Cally Stronk
Ich habe in meiner Jugend viele Gedichte und Songs geschrieben. Später Artikel in Zeitschriften. Irgendwann habe ich ein Praktikum in einem Kinderbuchverlag gemacht, danach kam eins nach dem anderen und ich war plötzlich Autorin.

Ich rate immer allen, die schreiben wollen, ganz viel zu schreiben und auch ganz viel zu lesen. Jedes geschriebene Wort bringt einen weiter, macht einen besser. Und wenn es nur Tagebuchschreiben ist, um die Seele frei zu schreiben und Blockaden zu lösen.

 

Wie sind Sie zum Illustrieren gekommen?

Constanze von Kitzing 
Mit 6 Jahren beschloss ich Kinderbücher zu machen. Ich habe fünf jüngere Geschwister und unsere Eltern haben uns jeden Abend etwas vorgelesen, das war sehr prägend. Meine Tage verbrachte ich etwas asketisch an meinem Zeichentisch mit haufenweise Bibi Blocksberg-, TKKG- und Die drei ???-Kassetten. Rausgehen? Lieber nicht! Nach dem Abitur und einem sozialen Jahr in Süd Afrika studierte ich dann Kommunikationsdesign in Weimar, Minneapolis und Hamburg. Nach einem einjährigen Exkurs im Titelbildressort beim SPIEGEL war klar: Politik ist nicht so mein Ding. Seit dem bin ich sehr glücklich und erfolgreich selbständig mit meinen Kinderbüchern.

 

Welcher Autor oder welches Buch hat Sie nachhaltig geprägt?

Cally Stronk
Einige. Momo von Michael Ende ist eines meiner Lieblingsbücher. Ein zeitloses Kunstwerk über die Zeit. Auch verschiedene Kinderbücher haben mich geprägt: Frederick, der Farben für den Winter sammelt, die Geschichten von Astrid Lindgren, Die drei ???. Ich lese allerdings querbeet – Jugendbücher, Kinderbücher, Psychothriller, Komödien, Klassiker. Gerade habe ich Puschkins Pique Dame gelesen – es ist einfach nur großartig, wie er die Gäste eines Balls anhand der Schuhe beschreibt, die durch die Tür gehen. Ich bin da offen und schätze die Vielfalt der Literatur. Ich liebe die Galiani-Reihe, die von Kat Menschik illustriert wird. Das ist für mich Buchkunst par Excellence. Richtige Schätze, die mich motivieren aus Constanze von Kitzings und meinen Büchern ebensolche Schätze werden zu lassen – Sorgfalt und Qualität bis ins kleinste Detail – das erfordert wahnsinnig viel Arbeit und Durchhaltevermögen, lohnt sich aber.

Constanze von Kitzing 
Astrid Lindgren und Michael Ende als Autoren. Ilon Wikland, Stepan Zavrel und Bernadette als Illustratoren.

 

Welcher Autor sollte unbedingt noch entdeckt werden?

Cally Stronk
Hier wird nach Autoren gefragt, ich denke aber oft werden die Autorinnen vergessen. Es gibt zahlreiche tolle Schriftstellerrinnen. Die sollten auch mehr an den Schulen behandelt werden, vor allem auch zeitgenössische Literatur, die aktuelle Themen behandelt.

 

Welches Buch hat Sie jüngst begeistert?

Cally Stronk
Der Puschkin wie oben erwähnt. Aber auch Anne arrives von Kallie George, das ist so liebevoll und auch so schön illustriert. Sowie das Bilderbuch Tief im Wald von Christopher Corr, ein illustriertes russisches Volksmärchen, das mich allein durch die tollen Farben und Bilder anspricht.

Aber auch Haruki Murakami hat mich begeistert. Ich mag die kurze Erzählform mit dem starken Plot.

Constanze von Kitzing 
Braving the wilderness von Brené Brown höre ich gerade als Hörbuch.

 

Wen oder was wollen Sie unbedingt noch lesen?

Cally Stronk
So viel. Es gibt ganz viele Klassiker, die ich immer noch nicht gelesen habe. Kleine Literaturperlen.

Constanze von Kitzing 
Stellen Sie mir die Frage noch mal, wenn meine Kinder aus dem Haus sind. :-D Im Moment finde ich die #Blacklivesmatter Thematik sehr aufwühlend und möchte mich weiter in dieses Thema einarbeiten, um besser darauf in meinen Büchern Bezug nehmen zu können.

 

Was lesen Sie zurzeit?

Cally Stronk
Ich habe gerade die Komödie Das Heinrich-Problem von Alexandra Holenstein beendet. Und bin mir noch nicht ganz sicher, in welche Richtung ich weiterlese. Ich hab hier Die Tantenretter von Andrea Schomburg im Visir. Sie schreibt auch so lustig und macht tolle Sprachspiele. Aber auch das Prequel von den Tributen von Panem und Thomas Mann Der Zauberberg liegen auf meinem Stapel ungelesener Bücher. Mal sehen!

 

Wo lesen Sie am liebsten?

Cally Stronk
Ich lese überall – egal, wo ich bin. Aber am liebsten lese ich gemeinsam mit meiner 2-jährigen Nichte. Und ich lese gerne meinem Mann vor. Und den Kindern in den Schulen. Lesen ist einfach überall toll.

Constanze von Kitzing
Zum selber Lesen komme ich seit ich Kinder habe gar nicht mehr. Ich höre während dem Zeichnen unheimlich gerne Hörbücher, Podcasts und Nachrichten. Aber natürlich lesen meine Kinder und ich haufenweise Kinderbücher gemeinsam abends im Bett weg, dafür planen wir auch schön viel Zeit mit ein.

 

Wofür legen Sie jedes Buch beiseite?

Cally Stronk
Um einen Moment mit meinen Katzen zu kuscheln. Oder um ein leckeres Curry meines Mannes zu essen. Mmmmm…

Constanze von Kitzing
Andersrum: Es gibt wenig, das ich für ein gutes Buch, bzw. Hörbuch nicht zur Seite legen würde! :-D

 

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Cally Stronk
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