Zu Besuch bei…Sabine Asgodom

Warum ist sie keine Eiskunstläuferin geworden? Schreibt sie lieber im Freien oder an einem Arbeitsplatz? Wofür braucht sie eine rote Ledercouch? Die Antwort auf diese und weitere Fragen erfahrt ihr hier: Herzlich willkommen in der Schreibwerkstatt von Sabine Asgodom!

 

Wie sieht Ihr Schreiballtag aus?

Erste Ideen zu einem Buch schreibe ich immer mit der Hand auf. Dazu habe ich immer ein Notizbüchlein in der Handtasche. Die besten Ideen kommen mir auf Bahnreisen oder nachts um 4.03 bei Tee am Küchentisch. Wenn ich das Buch strukturiere, arbeite ich mit gezeichneten Mindmaps, so dass ich auf einen Blick die Struktur des Buches erkennen kann.

Dann wechsle ich an den PC in meinem Home Office. Ich habe es mit Laptop im Freien versucht, ist nicht mein Ding. Auch diktieren geht nicht (mein Mann hat 44 Bücher geschrieben per Diktiergerät.) Aber ich brauche meine Finger, die Sätze schreiben, die mein Gehirn noch gar nicht gedacht hatte. Wenn ich so in Trance gerate, wundere ich mich manchmal hinterher, was da steht. Echt.

Arbeitsplatz heißt für mich Arbeits-Platz. Da bin ich ungestört und konzentriert. Wenn ich den Abgabetermin habe, weiß ich inzwischen intuitiv, wann ich spätestens anfangen muss, um rechtzeitig fertig zu werden (leider fange ich dann auch keinen Tag früher an, der Druck muss aufgebaut werden, damit ich ernst mache). Und dann sitze ich jeden Tag etwa zwischen neun und 20 Uhr am PC. Wenn mal nix geht, kann ich Wäsche waschen, Spülmaschine einräumen, Sockenschubladen aufräumen und andere wichtige haushalterische Dinge erledigen. Das entspannt und gibt den Kopf frei zum Gedankenspaziergang.

Haben Sie dabei feste Rituale?

Ich brauche morgens Frühstück! Dann steht eine Literkaraffe Wasser neben mir, die ich während des Schreibens leere (Wein geht nicht, habe ich festgestellt, trotz aller Schriftstellerlegenden). Ich befinde mich in einer Art Eremitenzustand. Die Süddeutsche Zeitung stapelt sich während des Schreibens zu Türmen. Das was ich lese, schreibe ich mir in dieser Zeit selbst.

Arbeiten Sie mit einem Notizheft, einer Pinnwand oder Ähnlichem?

Siehe oben, Notizbüchlein ist extrem wichtig. Ansonsten habe ich einen Hänger: Parallel zur Festlegung der Kapitel nutze ich einen Hängeordner mit Mappen, die die Kapitelüberschriften tragen. Dort werfe ich alles rein, was zum Kapitel passt; meine Notizen, Coachingprotokolle, Zeitungsausschnitte, Bücher, Interviews etc.
Vor jedem Kapitel nehme ich mir die entsprechende Mappe vor und sortiere. Seite für Seite arbeite ich dann in den von mir frei formulierten Text ein.

Was wollten Sie als Kind werden?

Mit sieben wollte ich Sängerin werden (Catarina Valente war mein Star). Mit 13 Eiskunstlaufweltmeisterin (Marika Kilius). Mit 14 Pastorin (nach der Konfirmation). Mit 16 Journalistin, mein Vorbild war die Kolumnistin „Sibylle“ im STERN. Sie war feministisch, provozierend, rotzfrech. Ganz anders als alle Frauen, die ich in meinem Dorf kannte.

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Überraschung: Ich habe schon immer gerne Schulaufsätze geschrieben. Mit 13 habe ich Gedichte geschrieben, eins davon wurde in meiner Heimatzeitung, der Schaumburger Zeitung, veröffentlicht. Da wusste ich, ich will meinen Namen regelmäßig in der Zeitung lesen. Mit 16 schrieb ich Pressemitteilungen für Verein im Dorf, die fast wörtlich abgedruckt wurden. Und als mir die Berufsberatung mit 17 von einer Elite-Journalistenschule in München erzählte, habe ich mich dort beworben. Und wurde genommen.

Welcher Autor oder welches Buch hat Sie nachhaltig geprägt?

Ich hatte das große Vergnügen als Schülerin unsere Gemeindebücherei betreuen zu dürfen. Und weil der Andrang nicht so groß war, habe ich alle Bücher von links unten bis rechts oben durchgelesen. Am eindrucksvollsten war das Buch Desirée von Annemarie Selinko, über das einfache junge Mädchen, das zur Königin wurde. Meine Heldin! Ich habe das Buch bestimmt ein halbes Dutzend Mal gelesen. Passt doch zu meinem neuen Buch, wird mir jetzt erst klar.

Welcher Autor sollte unbedingt noch entdeckt werden?

Wiederentdeckt werden sollte unbedingt Alice Miller, die Erziehungspsychologin der achtziger Jahre, mit ihren Büchern Am Anfang war Erziehung, Das Drama des begabten Kindes und Du sollst nicht merken. Sie hat mir geholfen, meine Erziehungsschäden zu heilen. Und sie kann in der aktuellen Situation helfen, zu erkennen wie aus misshandelten Kindern rechtsradikale Erwachsene werden können.

Welches Buch hat Sie jüngst begeistert?

Selbstliebe von Prof. Carol Dweck, das ich auch in meinem Buch zitiere. Mein Lieblingssatz: „Dein Selbstbild entscheidet weitgehend über deinen Lebenserfolg.“

Wen oder was wollen Sie unbedingt noch lesen?

Die SPIEGEL-Bestseller-Liste, auf der mein Name steht.

Was lesen Sie zurzeit?

Mehre Bücher zum aktuellen Thema Mental Load, also der mentalen Belastung von Frauen, die meinen, sich um alles kümmern zu müssen.

Wo lesen Sie am liebsten?

Auf meiner kleinen roten Ledercouch, die gerade lang genug ist, dass ich gemütlich sitzen und meine Beine ausstrecken kann.

Wofür legen Sie jedes Buch beiseite?

Um liebe Menschen zu treffen, meine Kinder, meine Enkelkinder, Freund/innen…

 

Mehr zu Sabine Asgodom und ihrem Buch ›Queen of fucking everything‹.

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