Kalt, dunkel und viel Schnee: Meine Reise zu Jack London

von Wolfgang Tischer /literaturcafe.de

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Von Kanadas Hauptstadt Ottawa macht sich Wolfgang Tischer auf in den Yukon. Ein Abenteuer zum bekanntesten Goldrausch der Geschichte und eine Reise zu Jack London.

Wie kalt sind -45 Grad Celsius? Ich kann es mir nicht vorstellen. Aber vielleicht werde ich es bald erfahren. Denn in wenigen Tagen werde ich in den Yukon reisen, in jene Gegend hoch oben im Nordwesten Kanadas, die neben Alaska liegt. Dort wird es nicht nur kalt, sondern die Tage zudem noch nicht besonders lang sein. Der Yukon liegt am Polarkreis, und ich hoffe auf einen klaren Himmel, um Nordlichter zu sehen.

Der Schriftsteller Jack London war 21 Jahre alt, als er in diese Gegend kam. Allerdings war er nicht auf Abenteuerurlaub, und ein Schriftsteller war er damals auch noch nicht. Wie so viele machte er sich mit dem Schiff, zu Fuß und mit dem Kanu auf den Weg, um nach Gold zu schürfen.

1896 wurden Goldfunde am Klondike River gemeldet, und London kam ein Jahr später im Sommer in diese Gegend. Rund 1.400 Einwohner hat die kleine Stadt Dawson City heute. In den Hochzeiten des Goldrausches waren es 40.000. London blieb nur einen Winter. Danach war er schwer an Skorbut erkrankt. Die Kälte, die Dunkelheit, der Schnee, die vielen goldgierigen Menschen. Ich stelle mir das alles andere als romantisch vor.

Reich geworden ist Jack London durch das Gold nicht. Sein Fund hatte einen Wert von 4,50 Dollar. Aber er kam lebend zurück – und er schrieb über seine Erlebnisse. Erst waren es Kurzgeschichten, dann sein erster Roman »Ruf der Wildnis«. Nach 48 Verlagsabsagen war er sein erster und bis heute sein größter Erfolg. London konnte ihn noch genießen, wenngleich sein Leben weniger glücklich endete. London ging körperlich immer an seine Grenzen. Schon früh musste er in Fabriken schuften. Er war Austernpirat und Robbenfänger gewesen und schaufelte Kohle. Und er war Alkoholiker. Er wurde nicht alt, nur 40. So können wir in diesem Jahr seinen 140. Geburtstag feiern – aber auch seinen 100. Todestag.

Mein Projekt ist es, in diesem Jahr alle Romane in der großartigen und ungekürzten Neuübersetzung von Lutz-W. Wolff zu lesen. »König Alkohol«, in dem Jack London seine Sucht damals öffentlich gemacht hat, habe ich schon gelesen. Und auch »Ruf der Wildnis«. Jetzt wird natürlich »Lockruf des Goldes« folgen, denn indirekt hat er auch mich ereilt.

An den kommenden Tagen werde ich unter anderem das Jack-London-Center in Dawson besuchen und vor Ort erfahren, wie das Leben als Goldsucher damals war.

Los geht es aber zunächst in Kanadas Hauptstadt Ottawa. Dort feiert man derzeit den Winter beim »Winterlude«. Die Hauptattraktion ist der auf 8 Kilometern zugefrorene Rideau-Kanal. Also werde ich erst mal die Schlittschuhe anziehen und mich später einmal in den dortigen Buchhandlungen umsehen.

Verfolgen Sie meine Reise im literaturcafe.de. Soweit es die Technik ermöglicht, werde ich sie in einem Video-Podcast dokumentieren. Kommen Sie also mit von Ottawa nach Dawson im Yukon Territory.

 

Wolfgang Tischer, tischer@literaturcafe.de

 

Die Jack-London-Neuedition ist als Taschenbuch und eBook erhältlich:

Jack London
Lockruf des Goldes
Jack London
Der Seewolf
Jack London
König Alkohol

Jack London
Der Ruf der Wildnis
Jack London
Wolfsblut

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