Israel und seine Literatur

Der Wunsch der Juden, ein normales Leben zu führen, ist so alt wie die Bibel. Chaim Nachman Bialik (1873-1934), der große Klassiker der hebräischen Moderne, prophezeit, wenn Israel erst Huren und Verbrecher habe, werde es ein normales Land wie jedes andere sein. Bialik irrte sich. Israel hat beides, die Normalität aber ist noch immer ein unerreichtes Ziel. Ben Gurion, Golda Meir, auch Menachem Begin (auf seine Weise), vor allem Jizchak Rabin – was dieses eine Ziel anging, waren sich alle einig. Den Weg dorthin beschreiben und zeichnen die Schriftsteller Israels seit den Anfängen.  

»… und seine Füße wußten gar nicht, was ein Schuh ist. Seine harten Fußsohlen waren ein Erbe seiner Kindheit, als er in dickem Winterschlamm und in verkrustetem, dornigem, trockenem Sommerstaub herumgetrottet war. Sein Vater verlangte, daß die Jungen des Dorfes lernen sollten wie die Araber oder die Bauern in biblischen Zeiten zu gehen, und seine Mutter glaubte, es sei gut, wenn ihre Kinder sich in der Jugend daran gewöhnten zu leiden, um später mutig und zäh zu sein…«  

Ein ferner Klang von zionistischem Pathos erreicht uns hier, sein Echo ist längst verhallt. In diesen beiden Sätzen aus dem Roman >Nun< (1969) jedoch bündelt der Schriftsteller Aharon Amir, geboren 1923, die hochfliegenden Ideale der Gründergeneration, die entschlossen war, dem Typus des osteuropäischen Ghettojuden, dem »kränklich-schwächlichen« Diasporajuden eine Lichtgestalt entgegenzustellen. Eine Lichtgestalt, in der die Visionen des Zionismus wahr werden sollten. Sabre war ihr Name, die süße Kaktusfrucht mit der stachligen Schale und dem weichen Inneren, Symbol und Mythos zugleich.

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