Wo hat Arminius zugeschlagen?

Fragen an den Experten …
Prof. Dr. Wolfgang Schlüter (15. Oktober 2008)

Herr Professor Schlüter, als Major Tony Clunn Ihnen von seinen Münzfunden in der Nähe von Gut Barenaue beim Kalkrieser Berg berichtete, haben Sie da geahnt, welche Folgen das haben würde?

Nein, nicht im Geringsten. Schließlich sind römische Goldund Silbermünzen der Republik und des Augustus bereits im 17., 18. und 19. Jahrhundert in der Kalkrieser-Niewedder Senke zutage getreten. Aber obwohl Theodor Mommsen bereits 1885 davon überzeugt war, dass sie aus der Varusschlacht 9 n. Chr. stammten, wurde zumeist bezweifelt, dass die Münzen Ztatsächlich in dem Engpass zwischen Kalkrieser Berg und Großem Moor zum Vorschein gekommen waren, zumal nach den Jahren um 1900 keine Funde mehr auftraten. Heute wissen wir, dass die Einführung des mineralischen Düngers zu dieser Zeit für diesen Umstand verantwortlich war; denn in den Jahrhunderten zuvor hatten die Bauern ihre Äcker mit Gras- oder Heideplaggen gedüngt, und bei der Gewinnung dieses Materials war die Mehrzahl der römischen Münzen entdeckt worden.
Auch das Fehlen von Kupferstücken, des eigentlichen Soldatengeldes, und von Militaria, das häufig als Argument gegen die Gleichsetzung des Fundplatzes mit dem Ort der Zarusschlacht angeführt wurde, lässt sich heute, nachdem bei den archäologischen Untersuchungen der letzten 20 Jahre zahlreiche der angeblich nicht vorhandenen Fundarten geborgen werden konnten, durchaus zwanglos erklären. Einerseits bestand naturgemäß ein größeres Interesse der Bauern an Goldund Silbermünzen als an Funden, die nicht aus Edelmetall hergestellt waren, und andererseits waren die Kupfermünzen so wie militärische Ausrüstungsgegenstände aus Eisen und Bronze wegen ihres häufig schlechten Erhaltungszustandes oft gar nicht als solche zu erkennen.
So war der 1987 entdeckte Schatz römischer Silbermünzen für mich damals lediglich eine Bestätigung dafür, dass in den vergangenen Jahrhunderten tatsächlich solche Funde in der Kalkrieser-Niewedder Senke aufgetreten waren. Die Ursache dieses Fundniederschlags blieb zunächst im Dunkeln. Erst die Auffindung von drei römischen Schleudergeschossen aus Blei im Jahre 1988, wiederum durch Major Clunn, ließ zumindest vermuten, dass – in welchem Zusammenhang auch immer – römisches Militär vor Ort gewesen war. Dies war der Zeitpunkt, an dem ich mich als Leiter der Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück entschlossen habe, durch einen Mitarbeiter eine systematische Prospektion der Kalkrieser-Niewedder
Senke durchführen zu lassen.
Nachdem bei dieser auf Metallsuchgeräte gestützten Prospektion am Rande eines »Oberesch« genannten Ackers Kupfermünzen und Militariabruchstücke geborgen worden waren, begannen im Herbst 1989 die ersten Grabungen auf dem Oberesch selbst. Da hier die Fundschicht von einem ein Meter mächtigen Plaggenesch bedeckt war, erhofften wir uns gute Erhaltungsbedingungen für die Funde. Diese Vorstellung bestätigte sich vor allem in einem 180 Meter langen und fünf Meter breiten, südnördlich verlaufenden Grabungsschnitt, in dem nicht nur zahlreiche römische Münzen und Militaria, u. a. die eiserne, einst mit Silberfolie überzogene Gesichtsmaske eines Reiterhelms, zum Vorschein kamen, sondern erstmals auch Spuren der ostwestlich ausgerichteten ehemaligen Erdmauer, die ursprünglich aus Plaggen aufgeschichtet worden war und sich jetzt noch als Wall von geringer Mächtigkeit darstellt.

 Sie gehen wie die meisten Ihrer Fachkollegen davon aus, dass das Gelände am Fuß des Kalkrieser Berges zumindest einer der Orte ist, an dem Arminius mit seinen Germanen den drei Legionen des Varus die vernichtende Niederlage bereitet hat. Nun hat sich die Katastrophe nach den Quellen ja über mehrere Tage hingezogen. Wie ordnen Sie »Kalkriese« zeitlich ein: Handelt es sich hier um den letzten der drei oder vier Kampfplätze? Dann wäre doch zu erwarten, dass man weiter östlich ebenfalls archäologische Belege für die Kämpfe an den vorausgehenden Tagen finden müsste …

In dem Engpass von Kalkriese fassen wir mit den archäologischen Befunden und Funden auf jeden Fall den letzten Tag der Kampfhandlungen, vermutlich sogar große Teile des vorletzten oder – wenn man von einem dreitägigen Gefecht ausgeht – des zweiten Tages. Vereinzelte Funde bis hin zu einer Entfernung von zehn Kilometern östlich des Kalkrieser Berges beiderseits der B 218 und ihrer Fortsetzung bis zum Weserknie, der B 65, deuten an, dass das Kampfgeschehen bereits begann, bevor das Varusheer die Senke zwischen Kalkrieser Berg und dem Großen Moor erreichte.

Einige wenige unter Ihren Kollegen ziehen in Erwägung, bei Kalkriese habe sechs Jahre später einer der Kämpfe des Germanicus gegen Arminius stattgefunden. Was spricht dafür oder dagegen?

Zwar gibt es bislang keinen eindeutigen Beweis für die These,dass die Kalkrieser-Niewedder Senke einschließlich ihres östlichen Vorfeldes der Ort der Varusschlacht ist, aber Belege dafür, den Fundniederschlag in diesem Platz mit der Schlacht an den pontes longi 15 n. Chr. in Verbindung zu bringen, gibt es ebenso wenig. Allerdings sprechen die besseren Argumente für die Datierung von Kalkriese in das Jahr 9 n. Chr. Zu nennen ist hier in erster Linie die Kalkrieser Münzreihe, in der keine nach 9 n. Chr. geprägten oder danach mit einem Gegenstempel versehenen Stücke auftreten, was aber nicht auf einen generell fehlenden Germanicus-zeitlichen Münzhorizont zurückzuführen ist; ferner der auf  Ausrüstungsgegenständen des römischen Heeres fehlende Niellodekor*, der erst in früh-tiberischer Zeit aufkam, und schließlich die Knochengruben vom Oberesch, die wohl auf die Bestattungsaktion des Germanicus am Ort der Varusschlacht zurückgehen.
Die Besitzerinschrift eines Centurionen der legio prima Augusta* auf der Rückseite des bronzenen Mundblechs einer Gladiuscheide* vom Oberesch schien zunächst eindeutig gegen Kalkriese als Kampfplatz im Kontext der Varus-Niederlage 9 n. Chr. zu sprechen, da die Erste Legion nicht dem Heer des Varus, sondern des Germanicus 15 n. Chr. angehörte. Zudem wurde lange Zeit davon ausgegangen, dass die legio prima Augusta 19 v. Chr. in Hispanien aufgelöst wurde sowie ihren Ehrennamen einbüßte und erst 14 n. Chr. von Germanicus wieder neu aufgestellt wurde. Offensichtlich ist ihre Auflösung jedoch schon sehr viel früher wieder rückgängig gemacht worden. Die Erste Legion erhielt sowohl ihren Adler als auch
ihren Ehrennamen zurück und ist an die germanische Front verlegt worden, wo sie 12 bis 9 v. Chr. an den Feldzügen des Drusus teilnahm und spätestens 6 n. Chr. in Mainz (Mogontiacum) stationiert war. Es wäre demnach durchaus möglich, dass eine der sechs in der Varusschlacht untergegangenen Kohorten*, auf deren Identität jeglicher Hinweis fehlt, eine Vexillation* der zur Besatzung des Lagers Mainz gehörenden legio prima Augusta im Heer des Varus war. Einen eindeutigen Beleg für die Datierung des Kampfgeschehens im Engpass von Kalkriese liefert also auch die Inschrift auf dem Mundblechvom Oberesch nicht.
Noch etwas, was ich für die Varusschlacht sehr wichtig halte: Es wurden Möbel mitgeführt, Betten zum Beispiel, wie wir aus gefundenen Beschlägen wissen. Das ist meiner Ansicht nach nur in einem Heer möglich, das nicht unbedingt mit Kämpfen gerechnet hat. Das Germanicus-Heer ist ja zum Kämpfen ausgezogen, nicht die Varus-Armee. Im Jahre 10, als die Römer zum ersten Mal wieder über den Rhein gingen, hat sich Tiberius an die Rheinbrücke gestellt und hat alle zu stark beladenen Wagen zurückgewiesen. Varus dagegen hatte einfach zu viel Gepäck im Tross mitgeführt, um beweglich genug zu sein.

Cassius Dio, dem wir den umfangreichsten Bericht über die militärischen Ereignisse verdanken, benutzt ja wie Tacitus die immer wiederkehrenden Topoi »undurchdringliche Wälder … Schluchten … Baumriesen … ärgste Dickichte … schlüpfriger Boden …«
Dagegen formuliert der Zeitgenosse Velleius Paterculus kurz und bündig: »Eingeschlossen in Wälder und Sümpfe, in einen feindlichen Hinterhalt, wurden sie Mann für Mann abgeschlachtet …« Diese knappe Beschreibung deckt sich ja mit der Situation am Kalkrieser Berg bzw. an anderen Orten entlang der Marschroute der drei Legionen: im Süden die bewaldeten Höhen des Wiehengebirges, im Norden die Moore, dazwischen die schmale, begehbare Wegstrecke von der Weser nach Westen.
Wie erklären sich diese Widersprüche? War die Erinnerung in den Tagen von Dio bereits verblasst, benutzte er »falsche« Quellen – oder steckt Methode dahinter?

Die Beschreibung des Kampfplatzes durch Velleius Paterculus kennzeichnet die naturräumlichen Verhältnisse der Kalkrieser-Niewedder Senke und ihres Umfeldes tatsächlich treffender als die Schilderung des Cassius Dio. Trotzdem wird man sich bei der Bewertung der Aussagen über die naturräumlichen Gegebenheiten Germaniens durch römische Schriftsteller immer fragen müssen, ob ihre Darstellung der Wälder und Sümpfe sowie der Verkehrsfeindlichkeit und Unwegsamkeit des Landes nicht nur literarische Topik ist.

Aber auffällig ist doch, dass Velleius nicht von Schluchten spricht!

Ja, das stimmt. Zwar sind die Hänge des Kalkrieser Berges von erosiv ausgewaschenen, tiefen Schluchten durchzogen, jedoch fehlen hier die auf Kampfhandlungen hinweisenden Münzen und Militaria. Zudem war Velleius Paterculus der Einzige der römischen Schriftsteller, die über die Varusschlacht berichtet haben, der Germanien als römischer Offizier während der Okkupationszeit selbst kennengelernt hatte.

Die Route, der die drei Legionen folgten, war ein uralter Handelsweg von der Weser nach Westen. Schon Mommsen wies 1885 in ›Die Örtlichkeit der Varusschlacht‹ auf diesen Sachverhalt hin. Das heißt, diese Strecke war begeh- und befahrbar, und man konnte sich hier zwischen Gebirge und Moor trockenen Fußes auf relativ festem Boden bewegen. Aber wie sah die damalige Vegetation aus? Gab es zwischen dem bis in die Niederung reichenden Urwald und dem Großen Moor eine scharfe Trennung – oder befand sich hier eine Übergangszone mit andersartiger Vegetation? Davon hängt es ja ab, ob und wie weit sich die überrumpelten Cohorten rechts und links des Weges noch bewegen konnten.

Die Kalkrieser-Niewedder Senke ist seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. – vor allem auf den Hangsanden am Fuß des Kalkrieser Berges – mehr oder weniger kontinuierlich besiedelt und der Wald dabei stark aufgelichtet worden. Die natürliche Vegetation bestand auf den Hangsanden aus Buchen-Eichenwäldern,während die nährstoffarmen Niederungs- und Flugsande nördlich dieser Zone natürliche Wuchsgebiete von Eichen-, Birken  und Hainbuchenwäldern sind. Nass- und Bruchwälder würden ohne menschliche Eingriffe die Fließgewässer säumen. Diese in großer Zahl vom Kalkrieser Berg herabkommenden Bäche haben sich in der Hangsandzone in der Regel tief in den Untergrund eingeschnitten.
Man kann davon ausgehen, dass es in der Hangsandzone zwischen Venne und Engter einen waldfreien Siedlungsbereich von durchschnittlich 200 Metern Breite gab, der sich aber – wie beispielsweise auf dem Oberesch – auf rund 50 Meter verengen konnte. In diesem Areal lagen die Siedlungen und Äcker. Auch verliefen hier die die einzelnen Siedlungen miteinander verbindenden Wege, die Teil einer vom Niederrhein zur mittleren Weser führenden Trasse waren.

Wie breit könnte der begehbare Weg damals gewesen sein? Ermöglichte er es den Legionären, in Sechser-, Vierer- oder Dreiergruppen zu marschieren? Das hätte ja Folgen für die anzunehmende Länge der gesamten Marschkolonne.

Von einer einheitlichen Breite des durch die Kalkrieser-Niewedder Senke führenden Weges wird man kaum ausgehen können. Allein schon die Überquerung der vielen tief eingeschnittenen Bachtäler zwang sicherlich zur Bündelung und Verengung der möglichen Trassen.
Aufgrund dieser naturräumlichen Verhältnisse gehe ich von einer stark aufgelockerten, wenn nicht aufgelösten Marschformation des Varusheeres mit einer nur geringen Kolonnentiefe aus. Die sich vor allem aus schwerer Infanterie zusammensetzenden römischen Einheiten, die ihre Kampfkraft in erster Linie in geschlossenen Formationen zum Tragen bringen konnten, waren in diesem unwegsamen Gelände den leicht bewaffneten Germanen im Kampf Mann gegen Mann oder im Kampf kleiner Gruppen gegeneinander unterlegen.

Was ist Ihrer Meinung nach das Hauptargument dafür, dass das Gelände am Kalkrieser Berg der Ort des Geschehens war?

Außer den bereits oben genannten Argumenten für die Gleichsetzung der Kalkrieser-Niewedder Senke mit dem Ort der Varusschlacht – die Zusammensetzung der Münzreihe, bestimmte Verzierungstechniken der Militaria und die Knochengruben – sind in diesem Kontext noch die erstaunliche Ausdehnung der Fundstreuung und die nachweislich ehemals außerordentlich große Funddichte anzuführen. Der Fundniederschlag umfasst ein Areal von 25 bis 30 Quadratkilometern und ist durchweg Ergebnis von Kampfhandlungen und keineswegs von Fundverlagerungen nach der Schlacht. Die Funddichte wurde zunächst durch die Plünderung des Schlachtfeldes und dann durch die bald nach Beendigung der Kämpfe
wieder einsetzende Besiedlung und ackerbauliche Nutzung der Kalkrieser-Niewedder Senke bis auf einen geringen Bruchteil der ursprünglich vorhandenen Münzen und Militaria reduziert. Als die Auftragsböden, die Plaggenesche, seit dem 14./ 15. Jahrhundert die fundführenden Schichten zu überlagern und zu schützen begannen, war die überwiegende Zahl der römischen Fundstücke schon zerstört. Eine Ausnahme bildet lediglich der Oberesch, der als bislang einziger Fundplatz bis zur Anlage des Plaggeneschs offenbar ohne menschliche Eingriffe geblieben war und deshalb bisher allein die ehemals große Funddichte in Ansätzen noch erkennen lässt.
Außerdem weisen Menge und Zusammensetzung des römischen Fundmaterials darauf hin, dass in dem Engpass von Kalkriese ein Heer untergegangen ist, das nicht unbedingt damit rechnete, in umfangreiche Kampfhandlungen verwickelt zu werden. Und diese Feststellung trifft eher auf das Heer des Varus 9 n. Chr. als auf die Legionen des Germanicus 15 n. Chr. zu.

Als Führer germanischer Auxiliartruppen, die schon in Pannonien gekämpft hatten, kannte Arminius die Stärken und Schwächen römischer Legionen. Er musste bei seiner strategischen Planung auf jeden Fall verhindern, dass die Cohorten sich auf freiem Gelände entfalten konnten. Die Strecke zwischen dem Sommerlager an der Weser und dem von ihm geplanten Hinterhalt bot ihm dafür die besten Voraussetzungen. Nachdem alle drei Legionen in diesen »Schlauch« einmarschiert waren, brauchte er ihn hinten nur noch »dicht« zu machen, um so zu verhindern, dass die Römer – wenn auch unter erheblichen Verlusten – sich zurück ins Lager an der Weser durchkämpfen konnten. Wo genau könnte dies gewesen sein?

Wenn die Germanen die Absicht hatten, den »Schlauch«, d. h. den Engpass von Kalkriese, nach dem Eindringen der römischen Legionen hinten »dicht« zu machen, war für ein solches Vorhaben das Gelände unmittelbar westlich von Venne, und zwar dort, wo die heutige B 218 auf den Fuß des Kalkrieser Berges trifft, am besten geeignet. Ich frage mich allerdings, ob das römische Heer, als sich seine Spitze bereits dem westlichen Ausgang des Engpasses näherte, schon vollständig in den »Schlauch« einmarschiert war; denn selbst bei einer Stärke von »nur« 10 000 Mann muss man von einer Marschlänge der Varusarmee von zehn bis 16 Kilometern ausgehen. Der Engpass ist jedoch nur sechs Kilometer lang.

Die Kämpfe fanden über mehrere Tage und an verschiedenen Orten statt. Also müsste man doch an weiter östlich gelegenen Geländepunkten ebenfalls auf Zeugnisse dieses Geschehens treffen. Wo erwarten Sie weitere archäologische Belege dafür?

Wie oben bereits erwähnt, fassen wir m. E. mit den bisherigen Befunden und Funden in der Kalkrieser-Niewedder Senke höchsten den letzten und Teile des vorletzten Tages des Kampfgeschehens. Wir müssen also damit rechnen – darauf deuten erste Funde ja auch schon hin –, dass das Defileegefecht, das die Germanen den Römern geliefert haben, bereits weit östlich des Engpasses begonnen hat. Genauere Aussagen werden erst nach einer intensiven Prospektion in Verbindung mit Sondierungsgrabungen möglich sein. Wie die Befliegungen durch Otto Braasch in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gezeigt haben, ist die Luftbildarchäologie wegen der weitgehenden Überlagerung der vermuteten Kampfbereiche urch bis zu einen Meter mächtige Plaggenesche selten in der age, hier hilfreich zu sein.

 Stichwort »Sommerlager« an der Weser: Dr. Daniel Bérenger vom LWL ist sich sehr sicher, das Legionslager in Porta Westfalica/Ortsteil Barkhausen lokalisieren zu können. Die Lage passt ja hervorragend in das strategische Gesamtbild: Gleich beim hinteren Lagertor beginnt der Weg am Fuß des Wiehengebirges Richtung Kalkriese. Man kann es auf der heutigen L 876, die sich später in der B 65 fortsetzt, sehr gut nachvollziehen. Was ist Ihre Meinung dazu?

Ich habe schon immer die Ansicht vertreten, dass die Varusarmee vom Weserknie aus das Wiehengebirge entlang nach Westen marschiert ist. Auch vermute ich, dass Germanicus im Jahre 15 n. Chr. ebenfalls diesen Weg eingeschlagen hat, um das Schlachtfeld des Jahres 9 n. Chr. aufzusuchen. Deshalb hoffe ich auch, dass der neue Fundplatz an der Porta Westfalica als Lager des Varushorizonts identifiziert werden kann.

Wenn Sie einen Wunsch offen hätten: Was sollte unbedingt noch gefunden werden?

Ich wünsche mir die Auffindung eines Ausrüstungsgegenstands des römischen Heeres mit der Besitzerinschrift des Marcus Caelius, der laut seinem in Vetera bei Xanten gefundenen
Grab- oder Gedenkstein Centurio der XVIII. Legion war und im Varianischen Krieg gefallen ist. Ein solcher Fund würde die Beweisführung, dass Kalkriese der Ort der Varusschlacht
ist, sehr erleichtern.

Das Interview führte Hans Dieter Stöver

Zur Person: Studium der Ur- und Frühgeschichte, Völkerkunde, Deutsche Rechtsgeschichte in Göttingen. 1973 Promotion in Göttingen. 1973/75 im Niedersächsischen Landesverwaltungsamt, Dezernat Bodendenkmalpflege, tätig. Seit 1975 Stadt- und Kreisarchäologe in Osnabrück. 1989 bis 1998 Wissenschaftlicher Leiter des archäologischen Forschungsprojektes »Archäologische Erforschung der Zeugnisse spätaugusteischer Militäroperationen im Engpass von Kalkriese bei Bramsche, Landkreis Osnabrück«. Forschungsschwerpunkte: Vorrömische Eisenzeit und Römische Kaiserzeit Mitteleuropas. Frühes und hohes Mittelalter.

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