Ewald Arenz

Autor von ›Ehrlich und Söhne‹

In seinen Büchern ›Der Duft von Schokolade‹ und ›Der Teezauberer‹ betörte und beschwörte Ewald Arenz unsere Sinne. Mit seinem neuen Roman ›Ehrlich und Söhne‹ betritt Ewald Arenz jetzt ein ganz anderes Terrain, nämlich das von Bestattungen aller Art.
Ewald Arenz spricht über Schreibrituale, klischeehafte Notizbücher und unter- bzw. überschätzte Autoren.

1. Wie sieht Ihr Schreiballtag aus?
Am liebsten – und wohl auch am besten – schreibe ich am Vormittag, so von halb neun bis etwa um ein Uhr. Ich habe morgens einfach die schönsten Ideen und bin ausgeruht. (Außerdem schlafen am Wochenende und in den Ferien die Kinder noch und es ist wunderbar still). Der Nachmittag gehört allem anderen. Jeden Tag sollte mein Manuskript dann auch um zwei bis drei Seiten zunehmen, aber natürlich gibt es Tage, an denen man sich durch fünf Stunden quält und am Schluß doch alles löscht, was man geschrieben hat. Dafür läuft es dann am nächsten Morgen fast immer beser und glücklicherweise sind solche Momente selten.

2. Haben Sie dabei feste Rituale?
Vor dem Frühstück geht gar nichts. Dafür stehe ich auch gerne früh auf und nehme mir immer eine Stunde dazu. Erst danach setze ich mich an den Schreibtisch. Und fast immer beginne ich damit, das Kapitel vom vorangegangenen Tag noch einmal zu lesen und zu korrigieren. So gleite ich unversehens ins Schreiben. Und dazwischen kommt immer irgendwann eine Tasse Kaffee. Mit Schlagsahne. Ich mag Schlagsahne, aber ob das als Ritual gilt?

3. Schreiben Sie von Hand?
Von Hand und immer nur mit Bleistift mache ich alle Entwürfe und Notizen in mein fast schon peinlich klischeehaftes, schwarzes Moleskin-Buch. Da stehen mittlerweile auf wenige Seiten zusammengedrängt die Entwürfe zu vier Romanen und drei Theaterstücken. Aber die Manuskripte selber schreibe ich auf dem Rechner. Ich habe die allerersten Manuskripte noch auf Schreibmaschinen geschrieben und ich empfand es als eine ganz große Erleichterung, am Rechner schreiben zu können. Wahrscheinlich liegt das an meiner Mutter – die war so technikbegeistert, dass wir die ersten Kassettenrekorder schon hatten, als alle anderen noch Schallplatten hörten. Aber die wenigen, ganz privaten Gedichte, die ich so schreibe, die schreibe ich mit Füllfederhalter und von Hand.

4. Was wollten Sie als Kind werden?

Als ich sehr klein war, wollte ich zur Wasserschutzpolizei. Wegen der schicken weißen Mützen und der Boote. Etwas später so etwas Ähnliches wie ein moderner Zorro, aber das Berufsbild blieb – bis auf das äußerst eindrucksvolle schwarze Kostüm samt Degen – etwas vage. Und dann, in rascher Folge: Schauspieler, Filmemacher, Journalist und Schriftsteller.

5. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Nachdem sich in den Jahren zwischen dem sechzehnten und vierundzwanzigsten Geburtstag zeigte, dass ich weder zum Schauspieler noch zum Filmemacher oder zum Journalist die absolute Begabung hatte, blieb nur noch das, was ich immer schon gemacht hatte und was ich mittlerweile wohl am besten konnte: Schreiben.

6. Welcher Autor/welches Buch hat Sie nachhaltig geprägt?

Oje. Wie soll man diese Frage beantworten, ohne den vierzig oder fünfzig anderen komplett Unrecht zu tun? Ich würde sagen – in jedem Lebensjahr mindestens ein Autor oder eine Autorin. Kurt Tucholskys Rheinsberg‹ so sehr wie BergengruensDer Großtyrann und das Gericht‹, so sehr wie Siegfried Lenz‚ ›Mann im Strom‹ und Heinrich Bölls Billard um halb zehn‹.

7. Welcher Autor sollte unbedingt noch entdeckt werden?

Mein gegenwärtiger Lieblingsautor ist Andreas Séché, der einen so bezaubernden Japanroman geschrieben hat, wie ich Literatur so wunderbar schwebend zwischen einer bezaubernd heiteren und auf der anderen Seite zum Sterben traurigen Liebesgeschichte noch nicht erlebt habe. ›Namiko und das Flüstern‹ heißt das Buch, und es verdient meiner Ansicht nach den Preis des Deutschen Buchhandels.

8. Welches Buch hat Sie jüngst begeistert?

Von Séché abgesehen ein sehr, sehr schönes Bilderbuch: Rainer Metzger (Hg), ›Berlin. Die Zwanziger Jahre. Kunst und Kultur 1918-1933‹. Eigentlich hatte ich es zur Romanrecherche bestellt, aber dann habe ich es Abend für Abend zur Hand genommen und mich immer wieder in den aberhundert Bildern und hervorragenden Essays verloren.

9. Wen oder was wollen Sie unbedingt noch lesen?

Die Kombination ist pikant: Das Gesamtwerk von Heinrich von Kleist sowie das Gesamtwerk von Charlotte Roche. Beide Male, um herauszufinden, ob sie über- oder unterschätzt werden. Und dann natürlich das Buch, das mein achtjähriger Sohn soeben für meinen einundzwanzigjährigen Sohn zu schreiben begonnen hat. Um ganz ehrlich zu sein: Das steht an erster Stelle.

10. Was lesen Sie zurzeit?

›Die Elementarteilchen‹ von Houllebecq und ›Hitlers Volksstaat‹ von Götz Aly. Schon wieder so eine seltsame Kombination, wie mir eben auffällt…

11. Wo lesen Sie am liebsten?

Im Bett. Auf dem Sofa. Am Strand. Je nach Tages- und Jahreszeit.

12. Wofür legen Sie jedes Buch beiseite?

Für die noch etwas schöneren Dinge des Lebens, aber nicht unbedingt für Essen und Schlafen.

Bücher von Ewald Arenz:

Ewald Arenz
Der Teezauberer
Ewald Arenz
Ehrlich & Söhne

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *