Lilly König

Lilly König: Frickelbacher Kellergeister
Lilly König, Autorin des Comedy-Krimis ›Frickelbacher Kellergeister JAHR & NEIN‹ über kindliche Berufswünsche (Rechtsmedizinerin), ihren Weg zum Schriftstellertum (Steuererklärung) und die besten Serien, für die sie jedes Buch zur Seite legt (Stichwort Defibrillator-Romantik).

1. Wie sieht Ihr Schreiballtag aus?

Ganz unspektakulär. Meistens sitze ich um ca. 9 Uhr am Schreibtisch. Dann lese ich den Text vom Vortag, mache mir Notizen und plane die nächsten Szenen. Zwischendurch mache ich Pausen und erledige Kleinkram wie Ablage, Telefonate und Post. Und natürlich bin ich – wie fast jeder Autor – eine Meisterin der Prokrastination – plötzlich sind die Fenster sehr schmutzig oder die DVDs müssen sortiert werden. Ich suche mir gern Gründe, um nicht schreiben zu müssen …

2. Haben Sie dabei feste Rituale?

Mein Arbeitszimmer und mein Schreibtisch müssen aufgeräumt und ordentlich sein, sonst kann ich nicht arbeiten. Und jetzt, wenn es früh dunkel wird (ich liebe diese Jahreszeit) mache ich Kerzen an. Manchmal höre ich auch klassische Musik, aber nicht, wenn ich mich stark konzentrieren muss. Ein festes Ritual ist der Blick auf die Uhr. Denn um 17 Uhr 30 fällt der Hammer.

3. Schreiben Sie von Hand?

Nein, aber wenn mir spontan was einfällt, stenographiere ich. Dass ich das kann, ist wirklich super und ich klopfe mir fast täglich selbst auf die Schulter, weil ich damals diesen Steno- und Schreibmaschinenkurs gemacht habe. Mit dem Adler-Such-System würde ich durchdrehen. An dieser Stelle: Danke, Frau Gottschalk, Sie haben mir was fürs Leben beigebracht!

4. Was wollten Sie als Kind werden?

Staatsanwältin oder Rechtsmedizinerin. Mein Gerechtigkeitssinn ist schon immer stark ausgeprägt gewesen und ist es heute noch. Vor ein paar Jahren habe ich dann tatsächlich zu Recherchezwecken in der Rechtsmedizin ausgeholfen und dachte, während ich Organe auf eine Waage legte: »Wäre doch ein guter Beruf für mich gewesen.« Aber das Schreiben ist ja auch schön, wenn halt auch ein bisschen was anderes!

5. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Ich hatte keine Lust, meine Steuererklärung zu machen. Prokrastination, ich erwähnte es bereits. Heute mache ich lieber meine Steuererklärung. So ändern sich die Einstellungen!

6. Welcher Autor/ welches Buch hat Sie nachhaltig geprägt?

›Schmetterlingskuss‹ von Colette Guedj. Sie schreibt über den Verlust ihrer Tochter Muriel, die aufgrund einer Bluttransfusion mit dem HI-Virus infiziert wird und acht Jahre später daran stirbt. Das ganze Buch ist reine Liebe.

7. Welcher Autor sollte unbedingt noch entdeckt werden?

Jemand, der nicht über Äpfel, irgendwelche Inseln, auf denen entweder Morde passieren oder Protagonistinnen mit Pulswärmern bei Sturm am Meer entlanglaufen, um dann einen heißen Tee zu trinken, der die Seele wärmt, und der (oder die) nicht über »ganz tolle Frauen, die irgendwohin fahren, um sich über ihre Zukunft klar zu werden« und/oder die sich nicht zwischen zwei Männern entscheiden können, schreibt.

8. Welches Buch hat Sie jüngst begeistert?

Alle drei von Gillian Flynn. Am tollsten war ›Dark Places‹. Und immer wieder begeistern mich die Bücher von Berte Bratt, die vor Urzeiten im Schneiderbuch-Verlag erschienen sind. Die hab ich schon mit zehn gelesen.

9. Wen oder was wollen Sie unbedingt noch lesen?

Ich will irgendwann Schillers ›Glocke‹ auswendig lernen. Davor muss ich das also lesen. Und die Bibel. Ich mag das Geräusch von diesem sehr dünnen Papier beim Umblättern.

10. Was lesen Sie zurzeit?

Jojo Moyes: ›Weit weg und ganz nah‹. So wunderschön! Schon bei ›Ein ganzes halbes Jahr‹ musste ich so heulen, dass ich Kopfschmerzen bekam.

11. Wo lesen Sie am liebsten?  

Warm eingemummelt im Bett auf einem Haufen Kissen unter einer weichen Decke und einem persönlichen Diener (meinem Mann), der mir tatsächlich ein kleines Glöckchen geschenkt hat, mit dem ich bimmeln kann, wenn ich frischen Kaffee oder Tee möchte. Ich bin sehr einfach zufriedenzustellen.

12. Wofür legen Sie jedes Buch beiseite?

Für ›Downton Abbey‹, für ›Mad Men‹, für ›Grey’s Anatomy‹ (ich liebe Defibrillator-Romantik!), für ›Drei Haselnüsse für Aschenbrödel‹ (wie sie zum Schluss durch den Schnee galoppieren, ist das nicht schön?), für ›Diese Drombuschs‹ und für alle Serien aus den Reihen ›Fernsehjuwelen‹ und ›Große Geschichten‹. Und für Ente mit Rotkohl und selbstgemachten Serviettenknödeln. Und wenn es brennt.

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