Madeleine Prahs

Autorin von ›Nachbarn‹

Madeleine Prahs
© Nils A. Petersen

Im Interview berichtet Madeleine Prahs über ihre Liebe zu Richard Yates und Georges Simenon, Kindheitsträume und Literatur, die unbedingt entdeckt werden sollte. 1. Wie sieht Ihr Schreiballtag aus? Wenn ich schreibe, schreibe ich jeden Tag, dann gleitet ein Tag in den nächsten. Am produktivsten sind dann immer noch die Abend- und Nachtstunden. 2. Haben Sie dabei feste Rituale? Nein, aber mitunter ist ein spezieller Song oder ein Musikstück sehr wichtig, um eine bestimmte Stimmung aufzurufen. 3. Schreiben Sie von Hand? Bei meinem Roman ›Nachbarn‹ habe ich die ersten Entwürfe der einzelnen Episoden immer mit der Hand geschrieben. Beim Abtippen in den Computer beginnt bereits der Prozess der Überarbeitung, des Umschreibens, Hinzufügens und Weglassens. 4. Was wollten Sie als Kind werden? Seiltänzerin, später dann Tina Turner. 5. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen? Anfangs habe ich nur Gedichte geschrieben. Irgendwann wurde die Gedichte länger, später waren es dann Prosaminiaturen. Aus den Prosaminiaturen wiederum wurden Kurzgeschichten. Aus einer dieser Kurzgeschichten entwickelte sich mein erster Roman. 6. Welcher Autor/welches Buch hat Sie nachhaltig geprägt? Es gibt zwei Autoren, die ich während meines Studiums entdeckt habe. Yates und Simenon. Zu beiden Autoren wurde schon viel gesagt und geschrieben und das sicherlich sehr viel kundiger, als ich das hier könnte. Ich war 26, als ich Yates zum ersten Mal las, den Erzählband ›Elf Arten der Einsamkeit‹. Es war, als hätte jemand ein Fenster aufgemacht, und man fragt sich, wie man bis zu diesem Zeitpunkt in der Welt ohne das, was hinter dem Fenster liegt, eigentlich auskommen konnte. Was Simenon betrifft: Der Regisseur Christian Petzold hat einmal auf die Frage »Was geht, wenn nichts mehr geht?« geantwortet: »Simenon.« Und so ist es. 7. Welcher Autor sollte unbedingt noch entdeckt werden? ›Bilderbuch für Kinder enthaltend eine angenehme Sammlung von Thieren, Pflanzen, Blumen, Früchten, Mineralien, Trachten und allerhand andern unterrichtenden Gegenständen aus dem Reiche der Natur, der Künste und Wissenschaften; alle nach den besten Originalen gewählt, gestochen, und mit einer kurzen wissenschaftlichen, und den Verstandes-Kräften eines Kindes angemessenen Erklärung begleitet von F. J. Bertuch.‹ Bertuch war ein Weimarer Verleger und Schriftsteller, das Bilderbuch für Kinder fasste enzyklopädisch das Wissen seiner Zeit zusammen. Von 1790 bis 1830 erschienen insgesamt 1185 Bildtafeln mit rund 6000 einzelnen Kupferstichen. Es gibt einen sehr schönen Auswahlband, hier kann man alles über »Teutsche Giftschwämme« nachlesen, über »Die schöne Irene«, es gibt »Ansichten der Insel Disko« und Informationen über den »Schlaf der Blätter«. Um die jungen Leser zu amüsieren, wollte Bertuch »die grellste und bunteste Mischung der Gegenstände« machen. Das ist ihm gelungen, ein tolles Buch. Sollte es gratis für jedes Kind zur Einschulung geben. 8. Welches Buch hat Sie jüngst begeistert? ›Stoner‹ von John Williams und ›Tod eines Eisvogels‹, der Debütroman von Peter Henning. 9. Wen oder was wollen Sie unbedingt noch lesen? ›All the rage‹, den neuen Kurzgeschichtenband der großartigen A.L. Kennedy. 10. Was lesen Sie zurzeit? ›Meine Schreibmaschine und ich‹ von Thomas Glavinic, ein Tipp meines Lektors, für den ich ihm sehr dankbar bin. Eine poetische, ehrliche und herrlich komische Auseinandersetzung mit dem Schwersten, dem Schreiben. 11. Wo lesen Sie am liebsten? Auf dem Sofa oder auf längeren Strecken im Zug. 12. Wofür legen Sie jedes Buch beiseite? Für die Kohlroulade meiner Großmutter.

Madeleine Prahs
Nachbarn
Das Interview führte Tina Rausch

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