Perikles Monioudis

Lese und Schreiben PeriklesMonioudis

»Frederick wollte tanzen, er wollte nichts anderes als tanzen, und er tanzte wie keiner sonst. Er vollendete sein Metier, er brachte es zu einem Ende, indem er perfekt wurde. (…) Das Schönste ist aber gerade gut genug, um zerstört zu werden.«
Perikles Monioudis erzählt in seinem neuen Roman ›Frederick‹ von Fred Astaire, dem beste Steptänzer aller Zeiten. Eine Geschichte über einen großen Künstler, seinen Weg aus der amerikanischen Provinz nach London, an den Broadway, nach Hollywood – und seinen stolzen Widerstand gegen alle Hinfälligkeit des Erfolges. Im Interview spricht Perikles Monioudis über seinen eigenen Weg zur Kunst, den Schreiballtag und über Bücher, die ihn umtreiben.

Wie sieht Ihr Schreiballtag aus?
Nun, ich entschied mich 1995 – nach meinem zweiten Buch –, meinen Lebensunterhalt mit Schreiben zu verdienen. Mein Schreiballtag gestaltete sich die folgenden fast 20 Jahre so bunt, energetisch und reiseintensiv, wie ich mir das vorgestellt und gewünscht hatte. Ich schrieb fast jedes Jahr ein Buch, und ich reiste damit buchstäblich um die Welt. Als anspruchsvoll empfand ich dabei vor allem den Wechsel von öffentlicher Beleuchtung und produktivem Rückzug an den Schreibtisch – je nachdem, ob ich gerade ein Buch veröffentlicht hatte oder aber ein neues niederschrieb. Denn so wundervoll und überaus lehrreich der Kontakt mit den Leserinnen und Lesern ist, so sehr muss man dann doch wieder ganz bei seinen Stoffen und literarischen Motiven, bei seiner Lektüre und bei seiner Sprache sein, um überhaupt wieder mit einem neuen Buch vor seine Leserschaft treten zu können. Dazu ist eine gewisse Portion Selbstdisziplin nötig …

Haben Sie dabei feste Rituale?
Ich teilte mein literarisches Kalenderjahr in »öffentliche« und »private« Monate auf. Letztere unterschieden sich durch Phasen der Niederschrift und der Konzeption und Lektüre. Wenn ich etwas niederschrieb, folgte der Tag einem klaren Ablauf: Spätestens um 9 Uhr Frühstück im Café samt morgendlicher Zeitungslektüre, dann ab an den Schreibtisch bis gegen 16 Uhr, dann Essen, ein Spaziergang, zurück an den Schreibtisch für eine Stunde zum Redigieren und Vorbereiten des kommenden Tages. Das ging rund fünf Monate im Jahr so, an denen ich kaum ansprechbar, weil in meiner eigenen Welt war. All das fand ein Ende, als ich heiratete und meiner Frau und mir zwei Kinder geboren wurden. Für ›Frederick‹, meinen neuen Roman, benötigte ich acht Jahre, in denen ich vor allem als Journalist und Chefredakteur arbeitete – und als Ehemann und Vater gefordert war und bin.

Schreiben Sie von Hand?
Von Hand schreibe ich meine Notizen und Konzepte, ich führe öfter ein Notizheft bei mir. Zu Hause stapeln sich die handgeschriebenen Blätter mit Ideen, Skizzen, kurzen Entwürfen. Die Niederschrift eines Textes geschieht bei mir aber seit je maschinell: ganz zu Beginn mit der Schreibmaschine, seit vielen Jahren nun mit einem Notebook oder meinem Tablet samt Tastatur.

Was wollten Sie als Kind werden?
Schriftsteller. Ich hätte mir ohne weiteres auch Fußballer oder Schiffsfunker vorstellen können. Aber das Bedürfnis zu schreiben obsiegte. Dafür bin ich jeden Tag dankbar.

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Durch die Lektüre. Ich las als Kind alles, was mir zwischen die Finger kam. Später dann, als Jugendlicher, die Klassiker und die Autoren der klassischen Moderne. Ich wollte bald einmal nur noch das tun, was sie getan hatten: Schreiben. So fing ich denn damit an. Dennoch studierte ich nicht etwa Germanistik oder Literaturwissenschaft. Ich bin Soziologe und Staatsrechtler.

Welcher Autor/welches Buch hat Sie nachhaltig geprägt?
Wenn ich jemanden hervorheben müsste, dann Peter Weiss, ›Der Schatten des Körpers des Kutschers‹, ›Das Gespräch der drei Gehenden‹. Das hat mich als junger Kerl ob seiner Radikalität der Form fast umgehauen! Aber das ist lange her …

Welcher Autor sollte unbedingt noch entdeckt werden?
In Deutschland der Grieche Giorgos Seferis (1900–1971), Nobelpreisträger für Literatur 1963, der ein sagenhaft reiches poetisches und essayistisches Werk hinterließ.

Welches Buch hat Sie jüngst begeistert?
Nun, ich müsste lügen, wenn ich hier nicht den neuesten Roman meiner Frau, Dana Grigorcea, nennen würde, ›Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit‹, für den sie vor ein paar Monaten in Klagenfurt mit dem ›3sat-Preis‹ ausgezeichnet wurde.

Wen oder was wollen Sie unbedingt noch lesen?
Alle Apokryphen.

Was lesen Sie zurzeit?
Durs Grünbein, ›Die Jahre im Zoo‹.

Wo lesen Sie am liebsten?
Zu Hause, auf meinem Sessel. Oder am Schreibtisch. In der Öffentlichkeit lese ich seltener; im Café oder in der Bahn. Aber am liebsten lese ich: zuhause.

Wofür legen Sie jedes Buch beiseite?
Für meine Frau und meine Familie … nun, eigentlich auch für ein gutes Fußballspiel, einen unerwarteten lieben Besuch, einen genauso unerwarteten freudigen Anruf, eine Zeppelinfahrt über herbstliche Wälder, eine Angelpartie an einem norwegischen Fjord, einen Sommertag an der Côte d’Azur, ein gutes Gespräch mit Leserinnen und Lesern!

›Frederick‹ ist als Hardcover und als eBook erhältlich:

Perikles Monioudis
Frederick
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