Reinhard Rohn

Reinhard Rohn: Lesen und Schreiben
Ein jahrzehntelang unentdeckter Mörder wird selbst zum Opfer! Mit ›Leise, stirb leise‹ von Reinhard Rohn ist gerade ein hochspannender Ermittlerkrimi erschienen. Erfahren Sie jetzt, warum sich Reinhard Rohns Handschrift mit Hölderlins messen kann, wie sich der Kindheits-Traumberuf Sportreporter zum Schriftsteller gewandelt hat und welche Werke ihm besonders am Herzen liegen.


1. Wie sieht Ihr Schreiballtag aus?

Ich habe einen Alltag, der meine Arbeit als Verlagsleiter im Aufbau Verlag umfasst, aber keinen Schreiballtag. Ich schreibe nie morgens – kein Frühaufsteher –, sondern abends und am Wochenende. Wenn ich einen neuen Roman beginne, versuche ich, am Ball zu bleiben, das heißt, mindestens drei-, viermal die Woche muss ich am Text arbeiten, um nicht aus dem Thema zu kommen.

2. Haben Sie dabei feste Rituale?

Rituale habe ich nicht – ich brauche meinen Laptop und Ruhe, also keine Musik, kein Radio. Da ich oft im Zug sitze, werde ich häufiger gefragt, ob ich im Zug schreibe, aber da geht es gar nicht. Ein Nebenmann, der mir über die Schulter schaut und mitlesen will – ein Alptraum!

3. Schreiben Sie von Hand?

Allenfalls ein paar Notizen, ansonsten schreibe ich am Laptop. Meine Handschrift gilt als unlesbar – gewissermaßen eine eigene Form von Steno. Selbst mein Germanistikprofessor, der sich rühmte, Hölderlin-Handschriften ediert zu haben, gab bei meinen Notizen auf. Bei Widmungen bemühe ich mich – manchmal vergeblich –, langsam und lesbar zu schreiben.

4. Was wollten Sie als Kind werden?

Das war keine Frage – ich war großer Anhänger meines Heimatvereins VfL Osnabrück (bin ich eigentlich noch – trotz Drittklassigkeit) und wollte Sportreporter werden. Mein kleinerer Bruder musste sich meine – schlechten – Reportagen von imaginären Spielen anhören, die ich auf meinen Saba-Kassettenrekorder aufgenommen habe.

5. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Schreiben war schon früh eine »Wirklichkeitsbewältigung«. Dann habe ich als junger, schlecht bezahlter Lektor gegen Honorar Romane übersetzt, um die Haushaltskasse aufzubessern, so die Werke eines ungewöhnlichen Krimiautors der fünfziger Jahre – David Goodis. Das gab mir den Mut, selbst einen Kriminalroman zu schreiben. Außerdem ist Schreiben eine wundervolle Gegenarbeit zu meiner Tätigkeit als Lektor.

6. Welcher Autor/ welches Buch hat Sie nachhaltig geprägt?

Beeindruckt war ich früh von den Romanen von Heinrich Böll. Ich mochte die Atmosphäre in seinen Büchern, seine gebrochenen, leicht anarchischen Charaktere. Wahrscheinlich bin ich auch wegen dieser Lektüre als Student nach Köln gegangen. Später war Peter Høegs ›Fräulein Smillas Gespür für Schnee‹ ein Augenöffner in der Hinsicht, was Kriminalliteratur leisten kann.

7. Welcher Autor sollte unbedingt noch entdeckt werden?

Ralf Rothmann, ein großartiger Autor, sollte noch bereiter entdeckt werden, besonders seine Ruhrpott-Romane – und was Kriminalliteratur angeht: mein Freund Deon Meyer, Südafrikas bester Thrillerautor.

8. Welches Buch hat Sie jüngst begeistert?

Reiner Stach hat eine dreibändige Biographie über Franz Kafka geschrieben, die in jeder Hinsicht brillant ist. Eine Annäherung an einen genialen Autor, der aber in Werk und Leben weit über sich selbst hinausweist. Und dann: ›Stoner‹ von John Williams, ein Meisterwerk über das Scheitern eines scheinbar mittelmäßigen Menschen.

9. Wen oder was wollen Sie unbedingt noch lesen?

›Der Susan-Effekt‹, den neuen Roman von Peter Høeg – und mal wieder Dostojewski.

10. Was lesen Sie zurzeit?

›Butcher’s Crossing‹ von John Williams – fast so gut wie ›Stoner‹, wenn man sich mal in die Szenerie – Amerika um 1870 – eingelesen hat.

11. Wo lesen Sie am liebsten?

Zu Hause auf dem Sofa.

12. Wofür legen Sie jedes Buch beiseite?

Für ein gutes Konzert und für ein Abendessen mit freundlichen Menschen – am besten im Sommer unter freiem Himmel.

›Leise, stirb leise‹ ist als Taschenbuch und eBook erhältlich:

Reinhard Rohn
Leise, stirb leise
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Leise, stirb leise

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