Christa Bernuth

Autorin von: Wer Schuld war

Christa Bernuth

1. Worüber schreiben Sie am liebsten?

Über Menschen in Grenzsituationen, über extreme Gefühle und Leidenschaften jenseits der Norm. Deshalb habe ich auch mehrere Kriminalromane verfasst: Die psychologische Situation eines Mörders interessiert mich genauso wie Verfassung des Opfers und wofür es in den Augen des Täters steht, inwieweit Verbrechen generell vom Zufall geprägt sind, oder etwas Schicksalhaftes haben. Mittlerweile geht es auch subtiler: Es muss nicht unbedingt ein Mord sein, Thema kann auch der Verlust einer Liebe sein, oder überhaupt die unglaublich spannenden, von maximaler Unsicherheit geprägten Beziehungen der Jetztzeit (so wie in ›Wer schuld war‹ ). Generell beschäftigen mich Systeme – beispielsweise das eines Freundeskreises oder einer Familie, dessen Mitglieder bestimmte Rollen zugewiesen bekommen, damit das Zusammenspiel als Ganzes funktioniert. Ich finde es faszinierend, so ein Räderwerk zu durchleuchten, Zwänge sichtbar zu machen, denen wir uns teilweise bis zur Selbstverleugnung unterwerfen.  

Christa Bernuth: Wer schuld war, dtv premium

2. Wie sieht Ihr Schreiballtag aus?

Immer anders. Ich schreibe, wann und wo ich die Zeit finde: am Schreibtisch, im Zug, im Flugzeug, in Hotels, in Ferienwohnungen, auf der Terrasse, unter dem Apfelbaum, auf dem Sofa mit dem Laptop auf dem Schoß. Gerne würde ich es mal im Café oder in einer Bibliothek probieren, dazu ist es aber bislang nicht gekommen. Es stört mich nämlich nicht, wenn Menschen um mich herum sind, die ich nicht kenne, oder die sich miteinander, aber nicht mit mir beschäftigen (letzteres ist ganz wichtig, denn ich lasse mich leicht ablenken.)
Insgesamt gilt: schreiben läuft bei mir einfach so mit, es ist immer auf irgendeine Weise präsent. Ich kann mir nicht vorstellen, es nicht zu tun.

3.   Schreiben Sie von Hand?

Nee, immer am Computer! Ich habe eine schauderhafte Handschrift, die nicht mal ich selber lesen kann.

4.   Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Ich war auf der Journalistenschule in München, habe anschließend für viele Zeitschriften gearbeitet – und unter anderem auch Rezensionen über Bücher geschrieben, die andere verfasst hatten. Eine Kollegin erzählte mir ihre eigene (haarsträubende!) Geschichte, aus dieser mein erster Roman ›Die Frau, die ihr Gewissen verlor‹ entstanden ist. Ab da war der Damm gebrochen. Ich war plötzlich voller Ideen für weitere Plots. Das ist bis heute so geblieben. Und dabei hatte ich immer geglaubt, ich könnte das gar nicht.

5.   Welcher Autor/welches Buch hat Sie nachhaltig geprägt?

Thomas Mann ›Der Zauberberg‹, Garcia-Marquez ›Hundert Jahre Einsamkeit‹, John LeCarré ›Die Libelle‹, Jonathan Franzen ›Die Korrekturen‹ – ich weiß gar nicht, wo anfangen und wo aufhören.

6.   Welches Buch hat Sie jüngst begeistert?

Jonathan Franzen: ›Freiheit‹, Ian McEwan: ›Solar‹.

7.   Wo lesen Sie am liebsten?

Auf meiner Ligne-Roset-Couch im Wohnzimmer – liegend natürlich. Im Liegestuhl in praller Sonne und im Schatten. Im Zug, im Flugzeug, auf Flughäfen, in Cafés, beim Zahnarzt… Ich habe immer ein Buch dabei.  

8.   Wofür legen Sie jedes Buch beiseite?

Schwimmen im Meer, Skaten, Ausgehen mit Freunden, Tanzen, gute Gespräche, gutes Essen, Liebe…

Hier geht’s zur Leseprobe von ›Wer schuld war

 

Ein Kommentar zu “Christa Bernuth

  • 11. November 2010 um 15:03
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    Toll, einen Einblick in Christina Bernuths Leben zu bekommen. Vor allem ist es interessant, wie die Geschichten für die Romane entstehen!

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