Ursula Schröder

Autorin von: Umzug ins Glück

Ursula Schröder

1. Wie sieht Ihr Schreiballtag aus?

Als PR-Texterin im Hauptberuf schreibe ich quasi den ganzen Tag. Ich habe ein kleines Büro in unserem Privathaus mit der typischen Grundausstattung (PC, Telefon, Druckerfax), und dort verbringe ich den Löwenanteil meiner Zeit. Je nachdem wie viele Aufträge ich habe bzw. wie intensiv ich an einem Manuskript arbeite, verteilen sich die Zeiten dafür sehr unterschiedlich.

Obwohl ich immer schon davon geträumt habe, einen Roman zu schreiben, fiel der konkrete Entschluss dazu erst kurz vor meinem 50. Geburtstag und etwa in die Zeit, in der ich meinen ersten Laptop bekam. Damit war ich dann überall unterwegs, bei schönem Wetter auch draußen (zur Not auch mit einer Kabeltrommel, weil der Akku nicht lange hielt). Meine Familie kann ein Lied davon singen. Inzwischen weiß ich, dass man in meinem Alter mehr auf eine ergonomische Arbeitshaltung achten muss, deshalb steht das Gerat nun in orthopädisch sinnvoller Höhe aufgebaut auf meinem Schreibtisch.

Ursula Schröder: Umzug ins Glück

 2. Haben Sie feste Rituale beim Schreiben?

Nein, außer dass ich jeden Morgen als erstes meine E-Mails lese. Ansonsten richte ich mich nach keinem festen Plan. Meistens arbeite ich vormittags an meinen Aufträgen und schreibe nachmittags oder abends. Manchmal putze ich erst eine Stunde und schreibe dann. Es kann aber auch sein, dass ich so gespannt bin, wie es weitergeht, dass ich sofort anfange zu schreiben. Ich bin nämlich kein Planer, sondern habe meistens nur eine grobe Vorstellung von der Geschichte, die ich schreiben will.

 3. Schreiben Sie von Hand?

Leider nicht sehr viel. Füller trocknen bei mir immer ein, und mit Kuli wird die Handschrift zunehmend schlechter. Früher hatte ich eine sehr schöne Schrift, jetzt nicht mehr. Handschriftlich mache ich Notizen und Memos bei Terminen oder Telefongesprächen und natürlich meine ewigen To-Do-Listen, die ich aber ständig erneuere, bevor sie abgearbeitet sind.

4. Was wollten Sie als Kind werden?

Das hing tatsächlich immer davon ab, was ich gerade las oder im Fernsehen sehen konnte: Tierärztin, Stewardess, Besitzerin eines Reitstalls. Schauspielerin glaube ich auch. Das einzige, was ich nie erwogen hatte, war das Lehramt, und das hätte mir zu denken geben sollen, als ich mein Studium anfing. Vielleicht hätte mein Leben ein paar Serpentinen weniger genommen. Aber vielleicht hätte ich dann auch meinen Mann nicht kennengelernt. Oder… wollten Sie das so genau wissen?

5. Welcher Autor/welches Buch hat Sie nachhaltig geprägt?

 Da gibt es deutlich mehr als eine Antwort. Als Kind habe ich alles gelesen, was ich in die Finger kriegen konnte: Erich Kästner und Enid Blyton, Karl May und Otfried Preussler… Schon im dritten Schuljahr hatte ich den Wunsch, selbst ein Werk zu dieser Sammlung beizutragen. Ich weiß gar nicht, was daraus geworden ist. Aber der Wunsch zu erzählen ist sicherlich schon damals entstanden.

Zuhause hatten wir immer viele Bücher. Meine Eltern lasen beide viel und ermutigten auch meine Schwester und mich dazu. Ich kann mich an Sartres ›Fliegen‹ erinnern und ›Die Kinder von Torremolinos‹ von Michener, was meine Eltern deprimierend fanden und ich nicht. Ich habe Grass gelesen und meine Abiturprüfung über Fontane gemacht, beides heute noch Lieblingsautoren von mir. Beeindruckt hat mich dann F. Scott Fitzgerald. Während des Studiums habe ich alles von ihm verschlungen. Mein absolutes Lieblingsbuch ist aber ›Pride and Prejudice‹ von Jane Austen. Das lese ich mindestens einmal im Jahr.

Ich möchte aber auch eine andere Gruppe von Autorinnen nicht vergessen, die mich beeinflusst haben, das zu schreiben, was ich bisher veröffentlicht habe. Angefangen hat es mit Barbara Noack. ›Die Zürcher Verlobung‹ ist immer noch eines der witzigsten und doch anrührendsten Bücher, die ich kenne. Und Marian Keyes und Jennifer Crusie sind Vorbilder für mich, wenn es darum geht, locker und unterhaltsam zu schreiben und trotzdem nicht hohl.

6. Welcher Autor sollte unbedingt noch entdeckt werden?

Schwer zu sagen, weil ich nicht mehr so viel zum Lesen komme, seit ich selber schreibe. Beides sind halt zeitintensive Beschäftigungen, und während ich an einem Manuskript arbeite, kann ich nicht ein anderes lesen. Deshalb bin ich die Falsche für diese Frage. Trotzdem wünsche ich allen Autoren ihre Entdeckung, die es schaffen, humorvoll zu schreiben ohne platte Klischees zu verwenden und die ohne Vampire, Shopaholics und unglaubwürdige Sexszenen auskommen. Ach ja, und ich weiß nicht, ob Terry Pratchett im deutschen Sprachraum die Bedeutung hat, die ihm meiner Meinung nach zusteht. Genau wie Malcolm Gladwell, was den Bereich Sachbuch angeht.

7. Welches Buch hat Sie jüngst begeistert?

›Atemschaukel‹ von Herta Müller. Ich war regelrecht beschämt, dass eine deutschsprachige Autorin den Nobelpreis bekommt und ich kenne sie gar nicht. Als ich dann das Buch gelesen hatte, habe ich das noch mehr bedauert. Absolut nicht mein Genre, aber eine Sprache zum Vor-Neid-Erblassen.

8. Wen oder was wollen Sie unbedingt noch lesen?

Sie sollten mal unsere Bücherwand sehen. Da reihen sich jede Menge Bücher, die ich unbedingt lesen will, Klassiker, Empfehlungen und geschenkte Bücher, die ich gar nicht kannte. ›A Tale of Two Cities‹ von Dickens, ›Das verborgene Wort‹ von Ulla Hahn und ›Das Buch des Wandels‹ von Matthias Horx teilen sich gerade die Pole Position. Daran können Sie vielleicht beurteilen, wie aktuell mein Lesestand ist. Nach Neuerscheinungen und Bestseller-Listen gucke ich gar nicht mehr.

9. Was lesen Sie zurzeit?

Ich habe gerade ›Outliers‹ von Malcolm Gladwell zu Ende gelesen (der deutsche Titel heißt, glaube ich, ›Überflieger‹). Augenblicklich erzähle ich jedem davon, weil ich die dort beschriebenen Erkenntnisse zum Thema Erfolg so spannend finde. Außerdem lese ich zum erneuten Mal ›Faking It‹ von Jennifer Crusie (der deutsche Titel? ›Verliebt in eine Diebin‹ – dafür sollte jemand in der Hölle schmoren!), weil’s einfach so schön ist und mich nicht vom Planen meines neuen Manuskripts ablenkt.

10. Wo lesen Sie am liebsten?

Im Winter: auf der Couch vor dem Kamin. Im Sommer: im Schatten des Fächerahorns auf unserer Terrasse. Ich weiß, das klingt sehr klischeehaft, aber es stimmt. Es muss auf jeden Fall warm sein und nicht zu weit weg vom Kühlschrank. (Man soll ja viel trinken.) Im Bett lese ich nur, wenn ich krank bin.

11. Wofür legen Sie jedes Buch beiseite?

Erstens: Für ein Essen, das mein Mann gekocht hat. Zweitens: Wenn Pierce Brosnan vor der Tür steht. Drittens: Für eine Einladung zu ›Wer wird Millionär?‹. Nummer eins passiert gelegentlich. Nummer zwei und drei bisher noch nicht. Aber ich finde, es hört sich gut an.

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