Liz Jensen

Autorin von: Endzeit

Liz Jensen
1.    Wie sieht Ihr Schreiballtag aus?

Ich schreibe fast den ganzen Tag. Dabei mache ich die üblichen Pausen wie z.B. aus dem Fenster starren, die Katze füttern oder mit dem Hund spazierengehen, schwimmengehen, am Telefon quatschen oder im Garten Unkraut jäten. Ich habe ein Büro in London – ein besserer Schuppen in meinem Garten – aber oft arbeite ich einfach mit meinem Laptop am Küchentisch. Es ist wirklich eine große Freude und ein Privileg, von zu Hause aus zu arbeiten. Wenn ich mit dem Planen und den Experimentierphasen eines Buches fertig bin, setze ich mir selbst das Ziel, 1000 Wörter pro Tag zu schreiben.

 

Liz Jensen: Endzeit, dtv premium
2.   Haben Sie dabei feste Rituale?

Das Haus muss »fertig« sein. D.h. das Frühstücksgeschirr abgewaschen und aufgeräumt, vielleicht die Waschmaschine angemacht, kleine Hausarbeiten erledigt und eine To-Do-Liste geschrieben sein. Dann habe ich keine Ausflüchte mehr…

3. Schreiben Sie von Hand?

Ich habe ein Notizbuch neben meinem Bett, damit ich Ideen, die mir nachts kommen, schnell aufschreiben kann. Das Problem ist allerdings, dass meine Handschrift so furchtbar geworden ist, dass ich am nächsten Morgen oft nicht lesen kann, was ich geschrieben habe. Als Jugendliche habe ich viel mit meiner Handschrift herumexperimentiert: Ich glaube, ich habe sie benutzt, um meine Identität zu etablieren oder zu festigen. Aber von Hand zu schreiben ist eine Fähigkeit, die man pflegen muss. Das habe ich nicht getan. Schon bei meinem ersten Job als Zeitungsreporterin in den späten 1970ern habe ich am Computer geschrieben. Das war damals ziemlich selten. Ich wurde süchtig, denn Computer sind so fantastisch um Texte zusammenzusetzen, Textteile herumzuschieben und für das Redigieren. Ich denke, es wäre mir heute fast unmöglich,  einen Roman von Hand zu schreiben. Und wenn ich es täte, wäre ich niemals dazu in der Lage ihn zu entziffern. Ich finde das sehr schade, denn es gibt eine sehr kreative Verbindung zwischen der Hand und dem Gehirn und es ist möglich, dass etwas in der »Übersetzung« verlorengeht, wenn man tippt.

4. Was wollten Sie als Kind werden?

Ich hatte eine Phase, in der ich im Dschungel mit Schimpansen arbeiten wollte, wie die Naturforscherin Jane Goodall: Sie war meine Heldin. Aber mein wirklicher Plan war, so lange ich denken kann, zu schreiben. Und ich habe geschrieben – sehr viel! Ich habe mein erstes Buch vollendet, als ich acht war, und habe mit 15 einen Roman begonnen. Zu wissen, was man im Leben will, ist ein Segen. Ich kann mich erinnern, in der Universität von Leuten umgeben gewesen zu sein, die keinen blassen Schimmer hatten, was sie tun wollten.

 5. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Ich habe meinen Job bei der BBC aufgegeben und den Sprung ins kalte Wasser gewagt, weil ich das Gefühl hatte, dass ich nicht mit dieser sehr fordernden Art von Arbeit weitermachen und gleichzeitig Romane schreiben konnte. Aber trotzdem hat es lange gedauert, bis ich richtig mit meinem ersten Roman begann. Ich habe vier Jahre damit verbracht, an ihm zu schreiben, und das waren sehr einsame, unsichere Jahre.

 6. Welcher Autor/welches Buch hat Sie nachhaltig geprägt?

Mervyn Peakes ›Gormenghast‹-Trilogie war eine große Inspiration für mich. Als ich diese wundervollen Romane gelesen habe, in denen Peake Völker und ein ganzes Universum neu erfindet, dachte ich: Das will ich auch tun. Ich wusste, dass ich über eine große Vorstellungskraft verfüge, und Peake hat mir gezeigt, wie ich sie nutzen könnte

7. Welches Buch hat sie jüngst begeistert?

›Room‹ von Emma Donoghue.

8. Wen oder was wollen Sie unbedingt noch lesen?

Ich entdecke gerade Sofi Oksanen, von der so viele Leute schwärmen. Ich liebe es, wenn junge, intelligente Autoren wie sie oder zum Beispiel Chimamanda Ngozi Adichie auf die internationale Bühne platzen und Wellen schlagen.

9. Was lesen Sie zurzeit?

Ich kehre immer wieder zu dem wunderbaren Kurt Vonnegut zurück: ›Mutter Nacht‹ ist grandios.

10. Wo lesen Sie am liebsten?

Am liebsten lese ich im Liegen, entweder im Bett oder auf dem Sofa. Ich sitze nicht so gern länger auf Stühlen, es sei denn, ich schreibe.

 11. Wofür legen Sie jedes Buch beiseite?

Mit dem Alter werde ich schonungsloser und ungeduldiger, daher wird alles, was nicht innerhalb von 50 Seiten eine »Story« erkennen lässt, auch nicht beendet.

 

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