Thomas Hohensee

Autor von: Entspannt wie ein Buddha

1. Wie sieht Ihr Schreiballtag aus?

Ich schreibe, wenn ich Lust dazu habe. Das Wort »Schreiballtag« ist mir ein Gräuel. Wenn ich einen Job wollte, bei dem ich von 9.00 bis 17.00 Uhr arbeite, hätte ich als Jurist weitermachen können. Das lag mir überhaupt nicht. Jetzt genieße ich die Freiheiten, die ich als Autor und Coach habe. Meiner Produktivität schadet das nicht. Ich habe in elf Jahren elf Bücher geschrieben.

2. Haben Sie dabei feste Rituale?

Mein Ritual besteht darin, mir keine Rituale zu schaffen. Ich habe allerdings von Anfang an bewusst darauf geachtet, wie das Schreiben für mich am besten funktioniert. So habe ich eine Reihe von Grundsätzen, zum Beispiel: Schreib das, wozu du Lust hast. Fang erst an, wenn du weißt, was du sagen willst. Kümmere dich beim Schreiben nicht darum, was andere dazu sagen werden.

3. Schreiben Sie von Hand?

Nein, ich habe gewartet, bis der Computer erfunden wurde. Ich liebe es, den Text ändern zu können, ohne das Manuskript an den Rand der absoluten Unlesbarkeit zu bringen. Wenn ich mich erinnere, wie umständlich das war, in der Schule oder im Studium schriftliche Arbeiten anzufertigen …

4. Was wollten Sie als Kind werden?

Schriftsteller! Mit zehn Jahren war mir das klar. Leider habe ich es danach vergessen. Dadurch habe ich ein paar Umwege gemacht, die aber alles in allem sehr lehrreich waren.

5. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Die einfache Antwort lautet: Meine Frau hat mich dazu gezwungen. Strenge Logiker werden einen Widerspruch dazu sehen, dass ich behaupte, nach Lust und Laune zu schreiben. Deshalb sollte ich vielleicht besser sagen, dass ich irgendwann gemerkt habe, dass eine gute Idee wäre, einen Beruf aus dem zu machen, womit ich mich sowieso die meiste Zeit beschäftige: lesen, schreiben, Probleme lösen.

6. Welcher Autor / welches Buch hat Sie nachhaltig geprägt?

Manche behaupten, Selbsthilfebücher funktionierten nicht. Was lesen diese Leute bloß für Bücher? Ich habe aus Büchern so viel gelernt, dass ich gar nicht weiß, mit wem ich bei dieser Frage anfangen soll. Also sage ich: Dieter Schmalz, Die juristische Falllösung. Ich war im vierten Semester und hatte keine blasse Ahnung, wie man erfolgreich Klausuren und Hausarbeiten schreibt. Bei einem Streifzug durch die Fachbereichsbibliothek entdeckte ich das genannte Buch. Danach war alles ganz einfach. Ich bekam für meine schriftlichen Arbeiten nur noch die besten Noten. Seither bin ich fest davon überzeugt, dass irgendwo auf der Welt irgendjemand genau das Buch geschrieben hat, mit dem jeder seine Probleme lösen kann, und ich habe diese Auffassung immer wieder bestätigt gefunden. (Manchmal muss man allerdings zwanzig Jahre warten, bis das Buch erscheint, das man braucht.)

7. Welcher Autor sollte unbedingt noch entdeckt werden?

Da gibt es viele. Ich denke da beispielsweise an einen amerikanischen Psychologen, dessen erstes Buch sich in den USA sofort ein paar Millionen Mal verkauft hat und wirklich erstklassig ist. In Deutschland wurde es zunächst von einem Kleinstverlag herausgebracht, in einer hundsmiserablen »Bearbeitung«, mit der die Aussagen des Autors zum Teil ins Gegenteil verkehrt wurden. Vor einigen Jahren wurde es dann von einem Fachverlag neu übersetzt (und natürlich gekürzt!) veröffentlicht, zu einem so stolzen Preis, dass eine weite Verbreitung von vornherein ausgeschlossen ist. In Deutschland ist dieses Buch daher immer noch ein echter Geheimtipp. Nennen möchte ich an dieser Stelle aber einen anderen: Gary Emery. Er war einer der Mitarbeiter von Aaron T. Beck und die Kognitive Therapie entscheidend mitentwickelt. Ich wage nicht zu hoffen, dass sein Buch „Rapid Relief from Emotional Stress“ hier jemals erscheinen wird.

8. Welches Buch hat Sie jüngst begeistert?

›True Grit‹ von Charles Portis.

9. Wen oder was wollen Sie unbedingt noch lesen?

Das lasse ich ganz entspannt auf mich zukommen. Ich versuche Buchläden zu meiden, weil ich selbst dann, wenn ich denke, dass es eigentlich nichts mehr gibt, was mich noch interessieren könnte, in kürzester Zeit ein Dutzend Bücher aus den verschiedensten Bereichen entdecke, die ich unbedingt sofort lesen möchte. Deshalb weiß ich inzwischen, dass der Strom lesenswerter Bücher nicht abreißen wird.

10. Was lesen Sie zurzeit?

»1000 € für jeden« von Götz Werner und Adrienne Göhler. Wie rückständig die Arbeits- und Sozialpolitik in Deutschland ist, wird einem beim Lesen dieses Buchs schmerzlich bewusst. Die Großbanken werden mit Hunderten von Milliarden gerettet, obwohl sie ihre »Not« selbst verschuldet haben, während den Ärmsten nicht einmal das Schwarze unter den Fingernägeln gegönnt wird. Aber die Zeit des bedingungslosen, bedarfsdeckenden Mindesteinkommens wird kommen – genauso sicher wie jetzt der Ausstieg aus der Atompolitik.

11. Wo lesen Sie am liebsten?

Egal. Hauptsache, das Buch ist gut.

12. Wofür legen Sie jedes Buch beiseite?

Ich klebe nicht an Büchern. Abwechslung ist mir willkommen. Ich weiß ja, dass ich danach weiterlesen kann.

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