Katharina Münk

Autorin von: Die Insassen

Katharina Münk: Die Insassen, dtv premium

1.Wie sieht Ihr Schreiballtag aus?

Mein erstes Buch ist in der Mittagspause im Büro entstanden und abends ab 20.00 Uhr – da sind die Eindrücke noch ganz frisch, und die Wörter tanzen im Kopf, wollen aufs Papier. Mittlerweile habe ich mir meine Freiräume fürs (anonyme) Bücherschreiben erkämpft, feste Schreibzeiten gibt es aber immer noch nicht – bei aller Disziplin, die man dafür aufbringen muss. Meine Arbeitsphasen liegen meistens bei drei bis vier Stunden am Stück. Darunter setze ich mich erst gar nicht an den Schreibtisch.

2. Haben Sie dabei feste Rituale?

Nein, da bin ich wohl sehr unromantisch. Ich brauche Ruhe und Ordnung oder zumindest überschaubares Chaos auf dem Schreibtisch. Wenn ich abends schreibe, ist mein Mann vorübergehend Single und bedient das Telefon, wenn es klingelt. Und dass das Schreiben weltvergessen, unsportlich und einsam macht, kann ich dann nicht ganz verneinen. Aber ich passe schon auf, dass ich es pro Tag auf mehr gesprochene als geschriebene Wörter bringe.

3. Schreiben Sie von Hand?

Block und Stift begleiten mich überall durch den Alltag, alle Gedanken muss ich erst ohne technische Umwege per Hand aufs Papier legen, das ist wohl irgendwie ein körperlicher Vorgang. In dem Moment, wo ich sie dann über die Tastatur eingebe, male ich sie aus und schön. Dann bekommen sie ihre B-Note. Aber der kreativste Vorgang ist und bleibt für mich das Schreiben per Hand – wohl recht unüblich für eine Sekretärin.

4. Was wollten Sie als Kind werden?

Wenn ich jetzt sagen würde „Sekretärin“, würden Sie mich auslachen oder bemitleiden, oder? Nein, Archäologin fand ich immer spannend – ich habe wohl damals schon gern im Dreck gewühlt und Dinge offen gelegt, auch wenn es auch nur alte Steine oder verlorene Knöpfe waren. Meinen kleinen roten Medizinkoffer hatte ich natürlich auch immer dabei – bei meinem Teddy habe ich die Finger in jede fiktive Wunde gelegt.

5. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Lassen Sie Menschen etwas erleben, das ihnen großes Unbehagen bereitet. Sie werden sehen, dass es denen hilft, wenn sie alles einfach aufschreiben. Die Dämonen müssen aufs Papier. Das war bei mir auch so, das erste Buch war geradezu »ausgespuckt«. Ich habe immer versucht, das mit mildem Humor zu würzen, damit es weniger nach Revanche aussieht (»Er diktiert – aber dafür kann ich schreiben…«). Das hat mir nicht nur geholfen, sondern darüber hinaus ungeahnten Spaß gemacht, Talente aufgedeckt, die mein Job nie aus mir herausgekitzelt hätte. Ich kann mir nichts Kreativeres vorstellen als das Schreiben. Im Sekretariat sind Sie reaktiv und nicht kreativ – eine bessere Ergänzung als das Schreiben könnte es für mich nicht geben.  

6. Welcher Autor/welches Buch hat Sie nachhaltig geprägt?
Paulo Coelho – ›Der Alchimist‹ habe ich auf einer Reise nach Ägypten gelesen. Dort habe ich einen (meinen) Mann kennen gelernt, der zu Hause in meiner Nachbarschaft wohnte. Mein Leben war plötzlich im Buch und umgekehrt.

7. Welcher Autor sollte unbedingt noch entdeckt werden?

Detlef Kuhlbrodt – Jemand der einfach in den Tag hineinhorcht und darüber wunderschöne Texte schreibt – ›Morgens leicht, später laut‹.

8. Welches Buch hat Sie jüngst begeistert?

Das gibt’s schon sehr lange: ›Mit brennender Geduld‹ von Antonio Skármeta – die Geschichte des Mannes, der Pablo Neruda seine Post gebracht hat.

9. Wen oder was wollen Sie unbedingt noch lesen?

›Auch Deutsche unter den Opfern‹, von Benjamin von Stuckrad-Barre

10. Was lesen Sie zurzeit?

Ganz im Trend: ›Der Koch‹ von Martin Suter

11. Wo lesen Sie am liebsten?

In der U-Bahn und abends im Bett vorm Einschlafen, wo ich das Buch mit auf Reisen nehmen kann.

12. Wofür legen Sie jedes Buch beiseite?

Für das richtige Leben.

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