Marie Velden

Autorin von:Lilienrupfer

Marie Velden

1.Wie sieht Ihr Schreiballtag aus?

Meistens schreibe ich von  neun Uhr morgens bis ungefähr zwei Uhr nachmittags. Wenn ich an einem Buch arbeite, (was ja nicht immer der Fall ist) versuche ich, diese Zeit einzuhalten. Glücklich macht es mich, wenn ich tatsächlich drei Seiten pro Tag schaffe. Diese Vorgabe habe ich mir selbst einmal gegeben, ist aber nicht immer einzuhalten. Es gibt Tage, da will der Kopf gar nicht und spuckt höchstens eine halbe Seite aus. Unter Schmerzen.
Und natürlich arbeite ich am Computer. Wo denn sonst?

 

 

Marie Velden: Lilienrupfer

2. Haben Sie dabei feste Rituale?

Um mich herum muss es schön sein. Ordentlich und aufgeräumt. Anders macht es mich nervös und nimmt mir die Luft. Oh ja, frische Blumen eigenen sich hervorragend als Schreibstimmungsheber, und wenn die wieder vorbei ist, genehmige ich mir eine Zigarette zusammen mit einer Tasse Milchkaffee, lese Korrektur und feile am Text. Für mich der angenehmste Teil des Schreibens. Und oft der Verblüffendste.

3.Schreiben Sie von Hand?

Natürlich schreibe ich auch von Hand. Die Entschuldigungen für meinen Sohn beispielsweise, wenn er krank ist. Oder Einkaufszettel und kleine Nachrichten, die man sich gegenseitig hinlegt. Alle Weihnachts- und Geburtstagskarten natürlich auch. Und manchmal mache ich auch handschriftliche Notizen zu meinen Büchern, in ein kleines feines Buch, das mir eine Freundin eigens zu diesem Zweck geschenkt hat.

4.Was wollten Sie als Kind werden?

Als ganz kleines Mädchen, mit vier oder fünf, war es – ganz ehrlich –  mein fester Vorsatz, Nonne zu werden. Es könnte daran gelegen haben, dass wir im Kindergarten von Nonnen betreut wurden. Liebe und gütige Frauen übrigens. Keine Schreckgespenster. Also setzte ich mir daheim gerne mal ein Handtuch auf, wuselte geschäftig herum und tat (meiner gebeutelten Schwester gegenüber) so, als sei auch ich erziehungsberechtigt.
Den Entschluß, Schriftstellerin zu werden, fasste ich dann mit ungefähr zwölf. Ich las und las und las, schrieb meiner damaligen Lieblingsautorin Berte Bratt einen Brief und fragte, wie man denn Autorin wird. Sie hat es mir in einer langen Antwort offensichtlich so gut erklärt, daß es tatsächlich geklappt hat…

5.Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Wie schon gesagt: Ich wollte von jeher Schriftstellerin werden. Vielleicht weil ich selbst eine leidenschaftliche Leserin bin, Sprache als etwas Großes erachte. Und eines Tages hatte ich dann die richtige Geschichte, die nötige Ruhe und habe angefangen… 

6.Welcher Autor/welches Buch hat Sie nachhaltig geprägt?

Eindeutig W. Somerset Maugham. Seine beiden Romane ›Auf Messers Schneide‹ und ›Der Menschen Hörigkeit‹ haben eine unauslöschbare Wirkung auf mich, rangieren an erster Stelle bei den für mich wichtigen Werken. Die Antwort, weshalb das so ist, findet sich übrigens in meinem eigenen Roman.

7. Welcher Autor sollte unbedingt noch entdeckt werden?

Mehr Aufmerksamkeit – vom Leser, das Feuilleton weiß schon längst um ihr Können – wünsche ich mir für Petra Morsbach, die so tolle Romane wie ›Der Cembalospieler‹ geschrieben hat, ›Opernroman‹ und ›Gottesdiener‹. Sie verfügt über eine überaus elegante und pointierte Sprache, der Fähigkeit, ihren Protagonisten in Seele und Verstand zu blicken und ungewöhnliche Geschichten jenseits des Mainstreams zu erzählen. Meiner Meinung nach eine Autorin von Weltklasse.

 8.Welches Buch hat Sie jüngst begeistert?

Muß ich mich auf eins beschränken? Das geht nicht. Das waren mehrere:
›Zwei an einem Tag‹ von David Nicholls, ›Das Recht auf Rückkehr‹ von Leon de Winter. ›Stilles Chaos‹ von Sandro Veronesi, ›Der Ebenholzturm‹ von John Fowles, ›Die große Welt‹ von Colum McCann, und ›Fallers große Liebe‹ von Thommie Bayer.

9. Wen oder was wollen Sie unbedingt noch lesen?

Mehr Klassiker einfach. Da fehlt mir noch Manches.

10. Was lesen Sie zurzeit?

›Madame Cottard und eine Ahnung von Liebe‹ von Rainer Moritz. Absolut bezaubernd. Eine große Empfehlung für alle Liebhaber französischer Leichtigkeit.

11. Wo lesen Sie am liebsten?

Im Bett und auf der Couch.

12. Wofür legen Sie jedes Buch beiseite?

Das verrate ich  nicht.  Na gut, zumindest soviel: Hätte sich mein ganz früher Berufswunsch Nonne erfüllt, käme ich damit jetzt in echten Konflikt….

Ein Kommentar zu “Marie Velden

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.