Zu Besuch bei … Alva Gehrmann

Wie viele Notizbücher Alva Gehrmann bereits gefüllt hat, was es mit ihrer Emailletasse auf sich hat, welches Zitat sich in ihr Gedächtnis gebrannt hat und weshalb sie quasi Archäologin ist, erfahrt ihr hier: Herzlich willkommen in der Schreibwerkstatt von Alva Gehrmann!

 

Wie sieht Ihr Schreiballtag aus?
Die Kreativität kann so unberechenbar sein wie das Wetter in Nordeuropa. Mal bin ich nach wenigen Minuten im Schreibfluss und tauche stundenlang in mein Buch ein, mal brauche ich einen halben Tag, bevor ich den ersten Satz aufschreibe.
Da ich als Sachbuchautorin sehr oft auf Reisen bin, habe ich keinen klassischen Alltag. Ein Stift ist aber stets griffbereit. Falls ich mein Notizbuch vergessen habe, schreibe ich Ideen und Gedanken auf jedes Stück Papier, das ich finden kann.

Haben Sie dabei feste Rituale?
Meist fange ich früh an, manchmal schon um fünf Uhr morgens. Im Sommer spielt die Tageszeit im hohen Norden sowieso keine Rolle, denn dann ist es hier 24 Stunden hell. Den jeweiligen Arbeitsplatz dekoriere ich mit Büchern, Postkarten und ich trinke den Kaffee oft aus der ›Fram‹-Emailletasse. Fram war das Polarschiff, mit dem Fridtjof Nansen und Roald Amundsen einst auf abenteuerliche Reisen gingen. Mein Schreibtisch ist in gewisser Weise ein Boot, mit dem ich durch mein Buch segele.

Arbeiten Sie mit einem Notizheft, einer Pinnwand oder Ähnlichem?
Da ich als Journalistin und Autorin zahlreiche Interviews führe, habe ich inzwischen hunderte Notizbücher gefüllt und nach 15 Jahren zum Glück gelernt, meine Schrift danach noch entziffern zu können. Es ist eine nur für mich leserliche Mischung aus Steno und Halbsätzen.

Was wollten Sie als Kind werden?
Archäologin. Und in gewisser Weise bin ich das heute. Ich erkunde verschiedene Welten und grabe für mich – und hoffentlich auch für die Leser – spannende Geschichten aus.

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Eigentlich habe ich schon immer geschrieben – seien es Tagebuch oder absurde Geschichten, die trotz meiner friedlichen Kindheit in der rheinischen Provinz überraschend brutal waren. Dennoch war ich zu schüchtern, die Texte jemandem zu zeigen. Ein Schlüsselerlebnis war für mich, als ich eine Ausstellungskritik im Kunst-Leistungskurs vorlesen musste und diese zu meiner Überraschung sehr gut ankam.

Welcher Autor oder welches Buch hat Sie nachhaltig geprägt?
Shakespeare! „When shall we three meet again? In thunder, lightning or in rain? – When the hurlyburlys done and the battle’s lost and won.“ Diesen Anfangsdialog von ›Macbeth‹ werde ich nie vergessen. Außerdem fasziniert mich bei Friedrich Dürrenmatt die scheinbar leichte und doch so vielschichtige Sprache.

Welcher Autor sollte unbedingt noch entdeckt werden?
Mikko Rimminen ist in seiner Heimat Finnland ein preisgekrönter Autor. In Romanen wie ›Der Tag der roten Nase‹ schafft er es kunstvoll, aus scheinbar belanglosen Details eine schräge, humorvolle und zugleich liebevolle Welt zu kreieren.

Welches Buch hat Sie jüngst begeistert?
›Flügel in Flammen‹ mit den gesammelten Werken von Dagny Juel. Die norwegische Autorin schreibt in lakonischer Sprache über die Gefühle der von Zweifel, Schuld und Eifersucht getriebenen Figuren. Das Buch wird gekrönt von Lars Brandts ausführlichem Essay über Juels Leben, deren früher Tod höchst dramatisch war: 1901 wurde sie in einem georgischen Hotel von einem wirren Anbeter erschossen.

Wen oder was wollen Sie unbedingt noch lesen?
Hunderte Werke. Aktuell steht ›GRM. Brainfuck‹ von Sibylle Berg ganz oben auf meiner Liste.

Was lesen Sie zurzeit?
›Bossypants‹ von Tina Fey. Die US-Amerikanerin ist eine der international erfolgreichsten Comedy-Frauen und hat Serien wie ›30 Rock‹ kreiert.
Da ich beruflich in Windeseile Bücher lesen will und muss, ist für mich aber derzeit die größte Entspannung, Comedy-Serien wie ›Veep‹ und ›Seinfeld‹ oder die Realityshow ›RuPaul’s Drag Race‹ zu schauen. Humorvolle Serien beflügeln mich immer und helfen perfekt bei potenziellen Schreibblockaden.

Wo lesen Sie am liebsten?
Mit Blick aufs Meer – sofern es nicht stürmt und schneit auch gerne im Freien.

Wofür legen Sie jedes Buch beiseite?
Für einen Roadtrip mit der Familie und mit Freunden.

 

Mehr zu Alva Gehrmann und ihrem neuesten Buch ›I did it Norway‹.

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