Zu Besuch bei…Ben Aaronovitch

 

Welche Informationen tummeln sich auf Ben Aaronovitchs Whiteboard? Wieso liest er nicht mehr in seinem Bett? Und warum schreibt er nicht in seinem Wohnzimmer? Die Antwort auf diese und weitere Fragen erfahrt ihr hier: Herzlich willkommen in der Schreibwerkstatt von Ben Aaronovitch!

 

Wie sieht Ihr Schreiballtag aus?

Ich schreibe am Schreibtisch in meinem Schlafzimmer. Dort muss ich schreiben, weil sich mein Sohn im Wohnzimmer einquartiert hat, als er 10 Jahre alt war, und es nun nicht mehr zurückgibt. Ich benutze einen PC, den ich ungefähr alle drei Jahre ersetze, wenn er nicht mehr ganz in Ordnung ist. Da ich eigentlich gelernt habe, an einer Schreibmaschine zu schreiben, tippe ich heftig und muss meine Tastatur ziemlich oft ersetzen.

Ich versuche, um 8 oder 9 Uhr am Morgen mit dem Schreiben anzufangen und halte das eigentlich durch, bis ich geistig nicht mehr kann oder ich durch eine andere Verpflichtung unterbrochen werde. Mein Ziel ist es, am Tag zwischen 500 und 750 Wörtern zu schreiben.

Haben Sie dabei feste Rituale?

Ich mag es, um etwa 7 Uhr aufzustehen, im Sommer früher, und prokrastiniere dann erst einmal zwei bis drei Stunden. Das beinhaltet Twitter, E-Mails, Zeitungen Lesen und so weiter. Während ich schreibe, höre ich gerne Musik und habe mehrere spezielle Playlists für alle möglichen Stimmungen, die ich festzuhalten versuche – traurig, voller Action, unheilverkündend, mit steigender Spannung und noch mehr.

Arbeiten Sie mit einem Notizheft, einer Pinnwand oder Ähnlichem?

Ich habe ein Whiteboard, das eine gesamte Wand meines Schlafzimmers einnimmt und das ich dafür benutze, den Überblick über die Handlung zu behalten, Namen aufzuschreiben und, ganz am Ende, die Liste der Aufgaben für den Tag festzuhalten. Außerdem führe ich ein großes Word-Dokument, in das ich neue Begriffe einfüge sowie Recherche-Stückchen, Details über die Beziehungen zwischen meinen Figuren und all diese Dinge. Zuletzt gibt es noch meine stetig wachsende Excel-Tabelle, in welcher ich meinen Fortschritt im Vergleich zu früheren Büchern dokumentiere und wie schnell ich schreiben muss, um meine nächste Deadline einzuhalten.

Was wollten Sie als Kind werden?

Es ist witzig, aber ich erinnere mich nicht daran, was ich werden sollte, bis ich ungefähr 19 Jahre alt war und realisierte, dass Schreiben mein einziges richtiges Talent ist. Danach blieb nur noch die Frage, wann es sich auszahlt – das war der schwierige Teil.

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Ich hatte keine Wahl, denn meine Karriere als Drehbuchautor hatte sich aufgelöst und ich hatte kein anderes Talent, als fiktional zu schreiben. Also hieß es Autor werden oder Bankrott gehen. Daher sammelte ich ein paar Ideen, die sich seit Jahren in meinem Kopf festgesetzt hatten, setzte mich hin, schrieb einen Roman, reichte ihn bei jeder Londoner Agentur ein, konnte eine Agentur überzeugen – und die reichten den Roman an einen Verlag weiter. Sie kauften ihn und voilá – ich bin ein Autor. Die Bücher verkauften sich viel, viel besser, als irgendwer das erwartet hätte, also würde ich sagen, dass da sehr viel Glück im Spiel war.

Welcher Autor oder welches Buch hat Sie nachhaltig geprägt?

Ich muss dafür zwei Autoren und ein Buch beanspruchen. Terry Pratchett mit seinen gesammelten Werken hat mich nachhaltig geprägt und Toni Cade Bambara mit ›Gorilla My Love‹, welches für mich erstmals die Möglichkeit aufzeigte, was Prosa für sich genommen ausrichten kann.

Welcher Autor sollte unbedingt noch entdeckt werden?

Ich denke, Toni Cade Bambara wurde als Autor leider übersehen.

Welches Buch hat Sie jüngst begeistert?

Aktuell lese ich Joe Abercrombie’s ›A Little Hatred‹ (nicht im Deutschen erschienen), was mit all den Morden, den Intrigen und dem schwarzen Humor daherkommt, den man von dem Autor erwartet.

Wen oder was wollen Sie unbedingt noch lesen?

Alles vom schottischen Krimi-Autor Stuart MacBride – sobald ich Gerüchte über ein neues Buch von ihm höre, bestelle ich es mir im Voraus. Ich liebe seine Mischungen aus realistischer Polizeiarbeit und düsterem Humor.

Was lesen Sie zurzeit?

›Im Zeichen der Mohnblume‹ von R.F. Kuang.

Wo lesen Sie am liebsten?

Ich habe immer im Bett gelesen, doch inzwischen schlafe ich dabei ein. Jetzt lese ich lieber, wenn ich eine lange Reise im Bus, Zug oder Flugzeug vor mir habe. In mein lokales Café, in dem ich nicht durch das Internet oder meine Schuldgefühle wegen anstehender Deadlines abgelenkt werde, komme ich leider zu selten.

Wann legen Sie jedes Buch beiseite?

Egal, ob es sich um einen fiktionalen Roman handelt oder ein Sachbuch und egal, welches Genre, ich erwarte von einem Buch vor allem, dass es gut geschrieben ist und mein Interesse wachhält, sonst wandert es zur Spende. Um Goethe frei zu zitieren: Das Leben ist zu kurz, um langweilige Bücher zu lesen.

 

Mehr zu Ben Aaronovitch und seinem neuesten Buch ›Der Oktobermann‹.

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