Zu Besuch bei … Jess Jochimsen

Jess-Jochimsen_BüroFür Marten geht alles seine geregelten Bahnen. Als Beerdigungstrompeter hält er sich fern von allen Unwägbarkeiten, die ihn im Leben ereilen könnten. Doch als er die Bankkarte seines verstorbenen Klassenkameraden Wilhelms findet, wird er mit all dem konfrontiert, wovon er sich bisher fern gehalten hat. In ›Abschlussball‹ gibt Jess Jochimsen einen Einblick in Martens Welt. Uns erzählt er von seinen Schreibritualen, wo er am liebsten liest und wofür er ein Buch aus der Hand legen würde.

Wie sieht Ihr Schreiballtag aus? 

Seit 14 Jahren miete ich ein kleines Büro, in dem ich ungestört arbeiten kann. Leider lasse ich mich gerne stören – von Büchern, die dort stapelweise herumliegen, von Zeitungsausrissen, von Notizzetteln, von Fotografien, von mit Ideen bekritzelten Quittungen, von meinen Musikinstrumenten und und und …

Wenn ich dann allerdings in die »heiße Phase« eines Buchprojektes eintrete, schreibe ich sehr diszipliniert: ich beginne um 10 Uhr morgens, überarbeite die zwei bis drei Seiten, die ich am Vortag geschrieben habe, und schreibe die nächsten zwei bis drei. Immer am Computer.

Haben Sie dabei feste Rituale? 

Leider ja. Ohne Espresso vor dem Schreiben geht es nicht. Und ich erledige immer erst ein wenig »Bürokram« (Abrechnungen, Mails etc.), bevor ich mit der »kreativen« Arbeit beginne. Irgendwie scheine ich das »Erfolgserlebnis einer Erledigung« zu brauchen, damit das »permanente Scheitern« beim Schreiben nicht so schwer wiegt …

Arbeiten Sie mit einem Notizheft, einer Pinnwand o.Ä.?

Ja. Ich schreibe alles, was mir wichtig erscheint, in ein Notizheft. Und oft genug auf irgendwelche Zettel. Ordnung sieht anders aus … Allerdings »male« ich mir bei längeren Geschichten einen guten, genauen Plan, in dem Handlungsstränge, Orte und Zeiten verzeichnet sind. Er liegt ausgebreitet auf dem Boden und ich kann darin »herumgehen«. Wenn ich mich nicht mehr verirre, weiß ich, dass die Geschichte gelingen könnte.

Was wollten Sie als Kind werden?

Musiker.

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Lesen. Lesen. Lesen. Und irgendwann der größenwahnsinnige Wunsch, selbst mal eine Geschichte zu erzählen …

Welcher Autor/welches Buch hat Sie nachhaltig geprägt?

Ich glaube, das waren Mark Twains ›Die Abenteuer des Tom Sawyer‹ und ›Die Abenteuer des Huckleberry Finn‹. Die ersten beiden Bücher, bei denen ich erst wieder gegessen, getrunken und geschlafen habe, nachdem ich sie fertig gelesen hatte.

Welcher Autor sollte unbedingt noch entdeckt werden?

Dafür würde der Platz hier nicht ausreichen! Aber wenn Sie tatsächlich einen Namen hören wollen, so lege ich mich gerne fest: Michael Stauffer, ein blitzgescheiter, fleißiger, extrem komischer und komplett wahnsinniger Schriftsteller aus Biel in der Schweiz. 

Welches Buch hat Sie jüngst begeistert?

›Altes Zollhaus, Staatsgrenze West‹ von Jochen Schimmang, ein ganz und gar wunderbarer Roman.

(Da das nun schon die zweite Frage in ähnlicher Richtung war, erlaube ich mir, auf meine Homepage zu verweisen: Seit 2009 empfehle und beschreibe ich dort meine Lieblingsbücher – es sind mittlerweile an die hundert Stück und die Liste wächst. Bitteschön: meine persönlichen Literaturtipps.)

Wen oder was wollen Sie unbedingt noch lesen?

Auf dem Stapel zuoberst liegt ›Meister und Margarita‹ von Bulgakow.

Was lesen Sie zurzeit?

›Gebrauchsanweisung für Populisten‹ von Heribert Prantl. Ein Sachbuch, das sich klug anlässt; wie zu erwarten war bei diesem klugen Kopf der SZ.

Wo lesen Sie am liebsten?

Im Café und im Bett.

Wofür legen Sie jedes Buch beiseite?

Für geliebte Menschen. Für ein gutes Essen. Für ein Fußballspiel. Für eine „Pulse of Europe“-Demo. Für ein Konzert. Für ein anderes Buch. Für …

 

Jess Jochimsen
Abschlussball

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